7.1 Was man online fürchtet und was man tatsächlich erlebt hat

Die von den Onlinern wahrgenommenen Risiken im Internet sind vielfältig. Sie reichen von Bedrohungen durch Schadprogramme für die eigene Software, Daten oder Geräte über diverse Formen von Online-Betrug bis hin zu sozialen beziehungsweise psychologischen Gefahren wie beispielsweise Online-Mobbing oder -Stalking. Die Zahlen belegen deutlich, dass fast alle potenziellen Gefahren von einem größeren Anteil der Bevölkerung wahrgenommen werden als noch vor vier Jahren. Gleichzeitig wurden nach eigenem Bekunden mehr negative Erfahrungen im Internet gemacht. Anteilig haben die Onliner am meisten schlechte Erfahrungen mit Belästigungen durch unerwünschte E-Mails (Spam- Mails) gemacht. Diese Gefahr wird auch am häufigsten als Problem wahrgenommen. Von ähnlich vielen Onlinern wird die Gefahr einer Infizierung des Computers mit Schadprogrammen genannt. Mehr als ein Drittel hat das auch bereits erlebt. Besonders häufig im Vergleich zu 2012 werden E-Mails (im jeweils eigenen Namen) ungewollt verschickt.

Gefahrenwahrnehmung und negative Erfahrungen im Netz im Zeitvergleich

Gefahrenwahrnehmung und negative Erfahrungen im Netz im Zeitvergleich

Auch in den qualitativen Interviews berichten die Befragten von zahlreichen Risiken, die ihnen Sorge bereiten und von Negativerfahrungen, die sie in diesem Kontext gemacht haben.

„Das Risiko des Internets ist, dass es keine Privatsphäre mehr gibt, dass alles öffentlich ist, dass Du überhaupt keine Individualität mehr bewahren kannst, weil jeder alles über dich weiß. Und Du hast überhaupt keinen Freiraum mehr. Und die Einflussnahme von außen ist ja viel, viel größer, weil die ja in deinen privaten Bereich eindringen in einem Ausmaß, dem wir uns überhaupt nicht bewusst sind.“ (weiblich, 58 Jahre, Verantwortungsbedachte Etablierte)

„Und sonst, ja, gab zum Beispiel mal einen Fake-Account von mir, wo dann irgendwelche Leute irgendwelche Weiber angeschrieben haben und so Geschichten. Das gab es auch mal.“ (männlich, 35 Jahre, Vorsichtige Skeptiker)

„Also ich nicht, aber mein kleiner Bruder hat mal über das Handy meiner Eltern etwas runtergeladen und dann hatten wir ein Abo an der Backe.“ (weiblich, 26 Jahre, Unbekümmerte Hedonisten)

„Ich habe mal diese Geisel-Software gekriegt. Da gibt es ja diese Software, die einem den Rechner sperrt und sagt, Sie sollen soundsoviel Euro überweisen, damit dann der Rechner wieder freikommt. Das war auch das Einzige. Ich konnte es mit einer Software überwinden und habe im Prinzip meinen Rechner zurückerobert. Also das ging. Ich habe dann sogar den Rechner nochmal neu installiert. Das war das einzige Mal, dass ich irgendwie groß irgendwelche Viren kassiert habe.“ (männlich, 29 Jahre, Souveräne Realisten)

Interessant ist der Blick auf diejenigen Gefahrenaspekte, die einerseits von vielen als Risiko wahrgenommen werden, denen andererseits aber nur wenige persönlich negative Alltagserfahrungen gegenüber stehen. So ist das wahrgenommene Risiko Opfer eines Betrugs beim Online-Banking oder beim Online-Einkauf zu werden in Prozentpunkten deutlich stärker gestiegen als die tatsächlich gemachte negative Erfahrung. Auch die nicht gewollte Weitergabe persönlicher Daten an Dritte hat in der Wahrnehmung deutlich stärker an Gewicht gewonnen als sie tatsächlich häufiger erlebt wurde. Offenbar ist es die Antizipation eines hohen Schadens durch eine solche Erfahrung, die zu einer ausgeprägten Gefahrenwahrnehmung führt. Hierzu gehören insbesondere finanzielle Verluste (Betrug beim Online-Banking oder Online-Shopping) und die Beschädigung der eigenen Privatsphäre (unerwünschte Weitergabe, Verwendung oder Veränderung persönlicher Daten). Der potenzielle Schaden erscheint wesentlich essentieller als bei der Infizierung durch Schadprogramme oder der Belästigung durch unerwünschte E-Mails.

Verletzungen der Privatsphäre sind vor allem für Jüngere ein Risiko im Netz. Online gemobbt zu werden befürchten deutlich mehr jüngere als ältere Onliner: 38 Prozent bei den unter 30-Jährigen vs. „nur“ 23 Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen (bei den über 50-Jährigen sind es nochmals weniger). Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei Online-Stalking. Verantwortlich für diese Unterschiede in der Gefahrenwahrnehmung dürfte die Tatsache sein, dass diese Erfahrungen von der jüngeren Altersgruppe auch häufiger gemacht werden. Mobbing tritt tendenziell an Orten auf, an denen junge Menschen üblicherweise aufeinandertreffen – sowohl offline als auch online (z.B. Schule, Soziale Netzwerke …).

Mobbing und Stalking im Internet – Altersunterschiede