5. Chancengerechtigkeit im Internet – digitale und soziale Teilhabe

Der souveräne Umgang mit digitalen Medien und dem Internet bekommt eine immer wichtigere Rolle, wenn es um die Frage nach Chancengerechtigkeit in einer Gesellschaft geht. Wenn immer mehr Alltagsorganisation und -gestaltung heute digital gesteuert ist, bedeutet digitale Teilhabe gleichzeitig auch soziale Teilhabe. Denn „teilzuhaben“ meint die Möglichkeit, an den Infrastrukturen und Angeboten einer Gesellschaft umfassend partizipieren zu können und dadurch ein gleiches Maß an sowohl beruflichen wie auch privaten Chancen zu erlangen. Wer nicht von Online-Infrastrukturen profitieren kann oder möchte, ist von bestimmten Prozessen ausgeschlossen oder muss sich entsprechende Unterstützung organisieren, vor allem wenn Vorgänge nicht mehr in anderer Form durchführbar sind bzw. sein werden.

84 Prozent der Menschen in Deutschland sind online. Das ist ein großer Anteil der Bevölkerung. Dabei ist allerdings zu bedenken:

  • 16 Prozent der deutschen Bevölkerung gehen nie ins Internet und nutzen Online-Angebote daher nicht.
  • Die anderen 84 Prozent sind sehr unterschiedlich aufgestellt hinsichtlich Wunsch und Fähigkeit, an den Möglichkeiten einer digital vernetzten Gesellschaft teilzuhaben.

Die unterschiedlichen digitalen Lebenswelten gilt es daher auch mit Blick auf ihr jeweiliges Teilhabe-Potenzial bzw. mögliche Barrieren und Einschränkungen zu beschreiben, um darzulegen, wie Chancengerechtigkeit aktuell verteilt ist bzw. künftig verteilt sein wird. Es stellt sich somit die Frage, ob alle gleichermaßen in der Lage sind, die Optionen und Chancen der Digitalisierung zu nutzen, „nur“ weil sie rein technisch über Zugangsmöglichkeiten und die notwendigen technischen Geräte verfügen. Kann ferner vorausgesetzt werden, dass die festgestellte intensivere und vielfältigere Nutzung automatisch einen souveränen Umgang nach sich zieht? Führen heute immer einfacher zu bedienende, nutzerfreundlichere Endgeräte zu einer offeneren Haltung gegenüber dem Internet? Welche neuen Gräben werden sich künftig in der digitalen Gesellschaft auftun, d.h. wer ist abgehängt oder droht, in den nächsten Jahren nicht mehr mitzukommen?