6. Vertrauen und Verantwortung: Was verschafft Sicherheit im Online-Alltag?

Mit zunehmender Digitalisierung und Vernetzung entstehen nicht nur Verbesserungen und Beschleunigungen, sondern auch neue Herausforderungen. Je existenzieller die Prozesse, die im Alltag digital gesteuert bzw. gespeichert werden (z.B. medizinische Behandlungen, politische Entscheidungen, Verwaltung von Finanzen), desto relevanter wird die Frage, ob und inwieweit man Online-Angeboten und Services (überhaupt) vertrauen kann und wer im Falle eines Schadens eigentlich die Verantwortung übernimmt. Zahlreiche Vorfälle in den vergangenen Jahren verstärken die öffentliche Wahrnehmung dieser Herausforderungen und machen die Suche nach Antworten und Lösungen zu einer dringenden Angelegenheit.

In Folge der Medienberichterstattung im Zusammenhang mit den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden und diverser Nachrichten über „Datenklau“ bei weltbekannten Unternehmen haben Fragen nach grundsätzlicher Sicherheit im Netz, aber auch nach konkreten potenziellen Risiken (für den Nutzer) ein stärkeres Gewicht im öffentlichen Diskurs bekommen. Bereits die Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen, dass die Befragten deutlich stärker für mögliche Gefahren im Internet sensibilisiert sind als noch vor wenigen Jahren. Dies betrifft sowohl die eher abstrakt wahrgenommenen Bedrohungen (Stichwort: NSA), als auch ganz konkrete, im Alltag „spürbare“ Erfahrungen von z.B. Hacker-Angriffen auf private Profile in Sozialen Netzwerken oder E-Mail-Konten.

„Dass einer die Garantie gibt, dass ein Konto definitiv nicht gehackt werden kann, das kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt ja auch Profi-Hacker. Wenn die sich bei der NSA einhacken, irgendwer schafft es immer.“ (männlich, 53 Jahre, Effizienzorientierte Performer)

„Mein Facebook-Account war das, der wurde halt gehackt.“ (weiblich, 24 Jahre, Unbekümmerte Hedonisten)

„Die Privatsphäre ist mir wertvoller geworden, weil man von so vielen Skandalen wie zum Beispiel mit dem NSA gehört hat. Und dann wird man natürlich hellhöriger und vorsichtiger.“ (männlich, 56 Jahre, Internetferne Verunsicherte)

Sicherheitsempfinden

Diese gestiegene Risikosensibilität führt bei der Mehrheit der Bevölkerung allerdings weniger zu erhöhter „Alarmbereitschaft“ oder einer vehementen Forderung nach Maßnahmen für mehr Internetsicherheit. Es hat sich vielmehr ein nüchterner Fatalismus eingestellt: Wie 2012 meinen nach wie vor drei Viertel der Bevölkerung, dass es noch ein langer Weg sei, bis man sich im Internet sicher fühlen könne. Aber heute bezweifeln deutlich mehr Menschen als noch vor vier Jahren, dass Datensicherheit im Internet überhaupt möglich ist (2016 gut zwei Drittel, 2012 nur etwas mehr als die Hälfte). Vor dem Hintergrund dieser Befunde drängen sich verschiedene Fragen auf: Worauf vertrauen die Menschen eigentlich, wenn sie trotz eines fehlenden grundsätzlichen Sicherheitsgefühls immer mehr Zeit online verbringen? Wen nehmen sie in die Verantwortung, wenn es um die Sicherheit im Netz geht? Sich selbst, den Staat oder die Unternehmen (d.h. Anbieter von Online-Diensten)? Die folgenden Ergebnisse zeigen, dass die Nutzer nicht auf einen dieser Akteure setzen, sondern – vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen digitalen Lebenswelt – ganz unterschiedlichen Vertrauens- und Verantwortungskonzepten folgen.