4.3.5 Verantwortungsbedachte Etablierte (16 Prozent)

Verantwortungsbedachte Etablierte

„Also ich würde mich auch ohne Internet nicht langweilen. Dann könnte ich mich endlich meinen ganzen Büchern, meinen CDs und Sprach-CDs widmen, und dann habe ich auch noch das Fernsehen.“ (weiblich, 52 Jahre)

Verantwortungsbedachte Etablierte sehen die Digitalisierung als positive und wichtige Entwicklung, an der sie in jedem Fall teilhaben möchten. Ihre Einstellung zum Netz ist aber nicht euphorisch, sondern eher abwägend und besonnen. Sie sind zwar regelmäßig, aber selektiv im Netz unterwegs. Soziale Netzwerke und Unterhaltungsansprüche spielen nur eine unterdurchschnittliche Rolle. In punkto Sicherheit sehen sie den Nutzer selbst in der Verantwortung, erwarten aber auch vom Staat ein eindeutiges Engagement.

Im Internet-Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten finden sich zu einem großen Anteil formal Hochgebildete. Die Geschlechterverteilung zeigt einen leicht höheren Anteil an Frauen. Das Einkommensniveau liegt leicht über dem Mittel der Gesellschaft. Das Durchschnittsalter liegt bei 52 Jahren. Ihre Grundeinstellung zum Leben und zur Gesellschaft wird von bürgerlich-liberalen, leistungs- und sicherheitsorientierten Wertvorstellungen dominiert. Sie plädieren für eine ausgewogene Balance zwischen Fortschritt und Entschleunigung.

„Es war das Wichtigste in meinem Leben, dass meine Söhne gut erzogen und gut ausgebildet wurden. Diese Phase ist mehr als abgeschlossen. Insofern habe ich im privaten wie im beruflichen Umfeld den Erfolg gehabt, den man sich wünschen kann.“ (männlich, 54 Jahre)

„Also wir haben sicher einen gehobenen Lebensstil, wir haben Geld, wir haben eine sehr schöne Wohnung. Wir können uns Reisen leisten, wir essen gut, wir trinken gut, und ich arbeite viel, das ist mein Lebensstil.“ (weiblich, 58 Jahre)

Soziodemografisches Profil – Verantwortungsbedachte Etablierte

Die Rolle des Internets in der Lebenswelt der Verantwortungsbedachten Etablierten

Ein Leben ganz ohne Internet können sich die Verantwortungsbedachten Etablierten mehrheitlich nicht vorstellen und liegen damit im Durchschnitt der Internet-Milieus. Gleichzeitig erholen sich 55 Prozent dieser Gruppe am besten, wenn sie offline sind (gesamt: 51 Prozent) und haben konkrete Vorstellungen von Situationen, in denen sie explizit nicht online sein wollen − nämlich bei Restaurant-Besuchen, bei den Mahlzeiten zu Hause und wenn sie Zeit mit Freunden oder Familie verbringen.

„Sagen wir mal so, ich kann problemlos Wochen darauf verzichten. Ich muss das auch nicht jeden Tag haben. Oder wenn ich mal gar kein Internet habe in irgendeinem hintersten Urlaubsort, dann ist das auch gut. Aber ich wollte jetzt nicht grundsätzlich im Alltag mehr darauf verzichten.“ (weiblich, 58 Jahre)

„Und wenn ich genug Stress hatte, dann erhole ich mich auch nicht, wenn ich etwas Angenehmes im Internet mache. Dann mache ich lieber erst mal etwas anderes, zum Beispiel spazieren gehen oder auf dem Balkon sitzen und in den Himmel schauen oder Musik hören.“ (weiblich, 52 Jahre)

Etwas mehr als die Hälfte der Verantwortungsbedachten Etablierten ist täglich im Internet (54 Prozent, gesamt: 58 Prozent). Im Milieu-Vergleich nutzen sie das Internet am häufigsten mehrmals die Woche. Sowohl die Geräteausstattung als auch die im Netz unternommenen Aktivitäten zeugen von einem selektiven, pragmatischen und im Milieu-Vergleich deutlich weniger unterhaltungsorientierten Umgang mit dem Netz. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil besitzt eine Spielekonsole oder ein Tablet.

„Fürs Internet nutze ich zu 80 Prozent das Smartphone. 10 Prozent den Laptop für Präsentationen und Businessdokumente. Und 10 Prozent das Tablet für Infos und Entertainment.“ (männlich, 54 Jahre)

Nutzungshäufigkeit, Gerätebesitz und subjektive Internetkompetenz

Die Online-Aktivitäten dieser Gruppe fallen recht nüchtern und „seriös“ aus. Ihre Hauptbeschäftigungen im Netz sind Informationssuche, E-Mail-Verkehr und das Lesen von Online-Nachrichten. Neben Produkt- und Dienstleistungsangeboten interessieren sie sich insbesondere für allgemeine Nach- richten, aber auch für Informationen aus ihrer Region. Gesundheitsthemen und Ernährung verfolgen sie häufiger als der Durchschnitt der Internet-Milieus.

Deutlich seltener als der Durchschnitt kommunizieren die Onliner über Messenger-Dienste wie beispielsweise WhatsApp. Der (inhaltliche) Austausch über Soziale Netzwerke spielt im Medienalltag der Verantwortungsbedachten Etablierten eine sehr untergeordnete Rolle: Über die Hälfte der Onliner nutzt keine Sozialen Netzwerke (59 Prozent, gesamt Onliner: 31 Prozent) und lediglich 10 Prozent von ihnen teilen Beiträge anderer beziehungsweise stellen eigene Fotos, Videos oder Texte auf entsprechenden Plattformen ein (gesamt Onliner: 37 Prozent beziehungsweise 34 Prozent). Deutlich seltener als der Durchschnitt konsumieren sie online verfügbare Inhalte wie Filme und Musik, sei es aus TV-Mediatheken oder über Streaminganbieter, die eine Registrierung beziehungsweise Gebühr verlangen oder auch nicht.

Der Blick auf das Internet ist klar chancenorientiert, 81 Prozent sind der Meinung, es berge mehr Chancen als Risiken (gesamt: 72 Prozent). Alltagserleichternde Aspekte, der schnelle und bequeme Zugang zu günstigen Angeboten und Dienstleistungen und die immense Informationsfülle stehen für sie im Vordergrund. Kritisch sehen sie die Möglichkeiten, aber insbesondere die Auswirkungen des sozialen Austauschs über das Netz. Sie befürchten überdurchschnittlich oft, dass die Qualität persönlicher Beziehungen unter zu viel Online-Kommunikation leiden würde (74 Prozent vs. gesamt: 64 Prozent).

„Das, was Kontaktpflege ausmacht, ist natürlich nicht das Internet, sondern es ist die persönliche Begegnung. Und man wird vereinsamen, wenn man keine persönliche Begegnung mehr hat, also sprich nur noch übers Internet Kontakte pflegt.“ (weiblich, 58 Jahre)

Einstellungen zum Internet

Vertrauen, Sicherheit und Verantwortung

Verantwortungsbedachte Etablierte sind sehr aufmerksam hinsichtlich möglicher Risiken und gestalten ihre persönliche Internetnutzung auch auf Basis dieser Gefahrenwahrnehmung: 36 Prozent der Onliner machen kein Online-Banking, weil sie es für zu riskant halten (gesamt Onliner: 27 Prozent), 35 Prozent speichern aus demselben Grund keine Fotos oder Videos auf Online-Speicherdiensten (gesamt Onliner: 26 Prozent). Insbesondere die Themen Datenschutz und der Umgang mit persönlichen Daten spielen eine zentrale Rolle in ihrer Gefahrenwahrnehmung und wirken sich überdurchschnittlich oft auf das eigene Handeln im Netz aus: 93 Prozent bewegen sich stets vorsichtig im Internet und stellen zum Beispiel keine privaten Daten und Fotos ein (gesamt: 67 Prozent).

„Ja, dass jemand meine Daten gegen meinen Willen verwendet, in irgendeiner Form. Ich habe auch letztens die Diskussion mit jemandem gehabt über Fotos. Ein Stück weit muss man sich natürlich die Frage stellen, wenn ein Foto irgendwo im Internet ist, kann es sein, dass es irgendwo für blöde Zwecke verwendet wird.“ (weiblich, 33 Jahre)

Verantwortungsbedachte Etablierte sehen Staat wie Individuum in der Verantwortung in Sachen Internetsicherheit. 81 Prozent erwarten, dass sich der Staat aktiv um die Sicherheit im Netz kümmert (gesamt: 70 Prozent). Im Milieu-Vergleich gehen sie am häufigsten davon aus, dass man Internetangeboten von staatlichen Einrichtungen vertrauen kann (84 Prozent, gesamt: 63 Prozent). Gleichzeitig sagen aber auch 74 Prozent, dass die Nutzer selbst für den eigenen Datenschutz verantwortlich sind (gesamt: 68 Prozent). Hier geht ein leicht überdurchschnittlicher Anteil mit gutem Vorbild voraus: 80 Prozent der Onliner haben einen Virenscanner (gesamt Onliner: 76 Prozent) und 64 Prozent aktualisieren die Antiviren-Software regelmäßig (gesamt: 60 Prozent). Zum anderen greifen sie häufiger als der Schnitt auf ein Unterstützungsnetzwerk zurück. Auch wenn sie sich durchaus dazu in der Lage sehen, Risiken richtig einzuschätzen und entsprechend darauf reagieren zu können, gehen sie bezüglich Sicherheitsfragen auf Nummer sicher und holen sich Unterstützung von versierteren Bekannten oder Freunden: Bei einem Viertel der Onliner kümmert sich jemand anderes um ihre IT-Sicherheit (gesamt Onliner: 18 Prozent).

Einstellungen zum Internet

Der Blick in die digitalisierte Zukunft

Die Vorstellung, dass zukünftig vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, bereitet den Verantwortungsbedachten Etablierten eher kein Unbehagen. Ihnen ist klar, dass die Digitalisierung mit großen Schritten weitergehen wird. Dabei haben sie zwar den Eindruck, sich heute noch gar kein Bild davon machen zu können, „was da in den nächsten Jahren noch so kommt“. Gleichzeitig haben sie aber das Gefühl, die Lage insgesamt kompetent einschätzen zu können und sich im Internet gut genug auszukennen.

„Mein Sohn hat mir neulich erzählt, dass die Autos zukünftig sowieso automatisch gesteuert sein werden und dass es dadurch keine Unfälle mehr geben wird. Also dass solche Entwicklungen kommen werden, glaube ich schon. Ich finde das einerseits gut, weil es das Unfallrisiko ausschließt und dadurch auch die Volkswirtschaft nicht so belastet wird. Aber andererseits ist das eben das Leben, dass es individuell ist und dass man seine eigenen Entscheidungen trifft. Deswegen finde ich es sehr unattraktiv, so kontrolliert und gesteuert zu leben.“ (weiblich, 52 Jahre)

Einer zu erwartenden Ökonomisierung persönlicher Daten stehen sie kritisch gegenüber. Heute schon empfinden sie den Umstand, dass Großkonzerne wie Google oder Facebook immer mehr Daten von Internetnutzern sammeln, überdurchschnittlich als Gefahr (85 Prozent, gesamt: 74 Prozent). Hintergrund dieser Sorge ist eine befürchtete Kontrolle der einzelnen Bürger beziehungsweise Nutzer und damit ein Rückgang freiheitlicher Werte und nach dem Solidarprinzip funktionierender Systeme und Mechanismen.

„Also ich hoffe, dass da die Politik einen Riegel vorschiebt. Das ist ja die gleiche Diskussion, ob derjenige, der eine Schachtel Zigaretten am Tag raucht, mehr Krankenversicherungsbeitrag bezahlen muss. Wie will man das kontrollieren? Das kann man nicht und soll man nicht kontrollieren. Ich denke, dass das eine falsche Entwicklung wäre.“ (weiblich, 58 Jahre)

Verantwortungsbedachte Etablierte – Wohnbilder