6.1 Das Individuum: Wie viel Eigenverantwortung im Internet ist gewünscht?

„Jeder muss selbst für die eigene Sicherheit im Internet sorgen“ – diese Auffassung teilen 82 Prozent aller Onliner. Wer das Internet nutzt, geht überwiegend davon aus, eigenverantwortlich auf die eigene Sicherheit achten zu müssen. Innerhalb der DIVSI Internet-Milieus zeigt sich eine große Spannbreite hinsichtlich der Zustimmung zu dieser Aussage. Sie reicht von 63 Prozent bei den Internetfernen Verunsicherten bis zu 89 Prozent bei den Netz-Enthusiasten. Diese Heterogenität lässt sich mit der milieuspezifischen Selbst-Zuschreibung von Internetkompetenz erklären: Je souveräner die Vertreter eines Internet-Milieus sind, desto eher sehen sie auch die Verantwortung bei sich selbst. Und umgekehrt: Internetferne Verunsicherte und Vorsichtige Skeptiker, die Defizite bei ihrer Sicherheitskompetenz artikulieren, sehen die Verantwortung für die Sicherheit im Netz weniger bei sich selbst. Im Vergleich der Internet-Milieus sind sie besonders sicherheitsbedacht und sehen überdurchschnittlich viele Gefahren bei der Internetnutzung. Diese Ergebnisse decken sich mit einer zentralen Erkenntnis der ersten DIVSI Milieu-Studie aus dem Jahr 2012: Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz; wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit.1

Erwartungen an den Staat – Milieu-Unterschiede

Auch die Ergebnisse der qualitativen Vorstudie verdeutlichen, dass für Onliner in unterschiedlichen Internet-Milieus die Eigenverantwortung eine zentrale Rolle spielt.

„Zunächst gibt es die Eigenverantwortung. Wenn ich mit solchen Dingen umgehe, dann muss ich auch das Mindestinteresse haben, zu lernen, wie damit halbwegs sicher umzugehen ist. Zum Zweiten gibt es die Verantwortung der Hersteller. Die würde ich aber nicht allzu hoch ansetzen. Und es gibt die Verantwortung des Staates. Der kann aber auch nur bedingt flexibel agieren. Und das war es eigentlich schon. In dieser Triade zwischen Eigenverantwortung, Hersteller und Politik muss jeder seinen Teil dazu beitragen.“ (männlich, 54 Jahre, Verantwortungsbedachte Etablierte)

„Ist ähnlich wie im Straßenverkehr. Der Staat regelt, dass rechts vor links gilt, per Gesetz, aber derjenige, der sich auf den Straßen bewegt, muss sich daran halten, bzw. muss auch mal gucken.“ (männlich, 39 Jahre, Effizienzorientierte Performer)

„Ich würde mir wünschen, ehrlich gesagt, dass ich als einzelner Bürger mehr Rechte bekomme und auch darüber entsprechend informiert werde. Also das fände ich sinnvoll. Dass der einzelne, wie ich selber auch gerade merke, mehr Verantwortung über sich selber nimmt und auch das Kleingedruckte liest und sich erkundigt, wo kann ich mich besser schützen. Das finde ich wichtig.“ (männlich, 64 Jahre, Internetferne Verunsicherte)

„Internetschutz war halt für mich so selbstverständlich, das geht von dir aus, das wird dir anerzogen. Du kannst dir die, also… Mir wurde von klein auf gesagt: ‚Also wenn du im Internet bist, du weißt schon, ne? Was du dir anguckst, das guckst du dir halt an, und das wissen vielleicht auch andere Menschen, dass du dir das anguckst.‘“ (weiblich, 20 Jahre, Netz-Enthusiasten)

  1. DIVSI (2012): DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet. Hamburg. S. 157 []