8.3 Der Handel mit persönlichen Daten: Ablehnen, was man selbst praktiziert

Es ist der breiten Mehrheit (75 Prozent) bekannt, dass die im Internet preisgegebenen Informationen von Firmen zu Geld gemacht werden können. Beispielsweise lassen sich über Cookies und IP-Adressen Profile der Internetnutzer erstellen, die viel über persönliche (Kauf-)Präferenzen aussagen und somit wertvoll für den Kundengewinn sind. Der Erfolg „kommerzieller Datensammler“ basiert darauf, dass die Menschen oft arglos das „Kleingedruckte“ in den Geschäftsbedingungen überlesen oder sich schlichtweg kein Bild darüber machen wollen oder können, wie viele kommerziell verwertbare Spuren sie von sich im Internet hinterlassen. Darauf deuten auch folgende Befunde hin: Lediglich 6 Prozent der Internetnutzer gehen davon aus, dass ihr Online-Verhalten schon einmal getrackt wurde. Ebenfalls nur 6 Prozent der Onliner nutzen anonyme Suchmaschinen (z.B. Startpage, DuckDuckGo oder ixquick), die Datensammlern das Leben erschweren.

Inwiefern wären die Menschen aber bereit, bewusst Daten von sich preiszugeben, wenn ihnen dadurch ein persönlicher Vorteil entstünde? Um dieser Frage nachzugehen, wurden folgende Aussagen zur Bewertung gestellt:

1. Ist es für Sie in Ordnung, wenn im Tausch für einen Service (z.B. eine App) andere Zugriff auf Ihre persönlichen Daten erhalten?

Nur 21 Prozent stimmen hier zu, und in keinem der DIVSI Internet-Milieus findet sich eine mehrheitlich offene Einstellung zu diesem „Geschäftsmodell“. Dennoch sind die milieuspezifischen Unterschiede groß: Während nur 4 Prozent der Internetfernen Verunsicherten bereit sind zum Tausch, sind es bei den Unbekümmerten Hedonisten, die einen offeneren Umgang mit den eigenen Daten pflegen, fast 50 Prozent. An zweiter Stelle folgen die Netz-Enthusiasten, die im Umgang mit den eigenen Daten unkritischer und pragmatischer agieren, als der Großteil der anderen Internet-Milieus. Knapp ein Drittel von ihnen ist bereit, persönliche Daten gegen einen Service zu tauschen.

Die mehr oder weniger deutliche milieuübergreifende Verschlossenheit gegenüber einem Verkauf der eigenen Daten widerspricht dem tatsächlichen Verhalten und impliziert Unwissenheit über den faktisch stattfindenden Umgang mit persönlichen Daten. Das legt ein Blick auf die mit am häufigsten genutzten Online-Dienste nahe. Die Nutzung des Messenger-Dienstes WhatsApp zum Beispiel setzt das Einverständnis der User voraus, dass einige ihrer Daten kommerziell verwertet werden dürfen. Offensichtlich wird dieser Aspekt von den Usern aber ausgeblendet. Auch mit jeder Suchanfrage bei Google wird letztlich ein Tauschgeschäft abgeschlossen: Nutzer erhalten Rechercheergebnisse und vermitteln gleichzeitig dem Unternehmen über die Suchbegriffe Informationen über sich. Das Suchmaschinenangebot von Google hatte im Februar 2015 in Deutschland einen Marktanteil von 95 Prozent.1 ) Die Menschen lehnen also eine Idee ab, die sie gleichzeitig längst in ihren Alltag integriert haben.

2. Wären Sie bereit, persönliche Daten von sich im Internet weiterzugeben, wenn der Preis stimmt?

Dieser Aussage stimmt nur knapp ein Fünftel zu. Mit 47 Prozent wären die Unbekümmerten Hedonisten noch am ehesten dazu bereit, persönliche Daten für einen entsprechenden Preis weiterzugeben. Der zweithöchste Zustimmungswert kommt von den Netz-Enthusiasten, wo allerdings nur noch 23 Prozent zustimmen. In den übrigen DIVSI Internet-Milieus stößt die Vorstellung auf sehr große Ablehnung. Die Idee, die eigenen Daten zu verkaufen, scheint den Menschen insgesamt noch fremd zu sein. Unternehmen gegen Geld Einblicke in das Private zu geben, fühlt sich für viele falsch oder gar unmoralisch an.

Handel mit persönlichen Daten – Milieu-Unterschiede

Die große Mehrheit ist beim Tausch von persönlichen Daten zurückhaltend – sei es gegen einen Service oder gegen Geld. Viele sind grundsätzlich gegen eine Kommerzialisierung und wünschen sich, dass der Umgang mit persönlichen Daten (seitens der Unternehmen und Anbieter) auf struktureller, d.h. sicherheitstechnischer und nicht auf wirtschaftlicher Ebene gelöst wird.

Erklärungsansatz #1: Die Akzeptanz des Geschäfts mit persönlichen Daten ist eine Altersfrage

Zwar ist die Bereitschaft, mit den persönlichen Daten zu handeln, in der Gesellschaft eher gering ausgeprägt, es weist aber manches darauf hin, dass die Internetnutzer in Zukunft offener dafür werden könnten. Neben den oben dargestellten Einstellungsausprägungen in den digitalen Lebenswelten gibt es hier auch nennenswerte Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Die junge Generation ist offener für den Tausch persönlicher Daten gegen einen Service oder gegen Geld. Vor allem für Befragte, die 65 Jahre und älter sind, ist ein Handel mit den persönlichen Daten hingegen weitestgehend tabu.

Handel mit persönlichen Daten – Altersunterschiede

Erklärungsansatz #2: Die Bereitschaft, für den Schutz der eigenen Daten zu zahlen, ist größer als die Bereitschaft, die eigenen Daten zu verkaufen

Neben einem Tausch von Daten gegen Services wird häufig auch die Möglichkeit diskutiert, für den Schutz der eigenen Daten Geld zu zahlen. Dabei zeigt sich, dass der Anteil derer, die dazu bereit wären, mit 42 Prozent deutlich über dem Anteil derer liegt, für die der Verkauf der eigenen Daten in Frage käme (19 Prozent). Die eigenen Daten sind also eher ein Gut, das es zu schützen gilt, als ein Gut, mit dem man Handel treibt. Auch bei der Zahlungsbereitschaft gibt es altersspezifische Unterschiede. Sie verhalten sich jedoch anders als die Tendenzen bei der Verkaufsbereitschaft: Die jüngste und die älteste Generation sind selten bereit, ein „Schutzgeld“ für die persönlichen Daten zu zahlen. Die 14- bis 29-jährigen Internetnutzer sind es kaum gewohnt, für Online-Dienste Geld einzusetzen und schätzen das Internet sehr für seine vermeintlich kostenlosen Angebote. Bei der Gruppe der über 64-Jährigen spielen die Privatsphäre- und Datenschutzfragen im Netz eine entscheidende Rolle. Bevor sie dafür bezahlen, würden sie aber wohl eher gänzlich auf solche Angebote verzichten. Am ehesten bereit zu zahlen wären die 30- bis 64-Jährigen. Viele in dieser Altersgruppe „brauchen“ das Internet schlichtweg und bewerten die Privatheit im Netz als wichtig. Die Gratis-Mentalität der jüngeren Internetnutzer ist hier eher selten vertreten.

Zahlungsbereitschaft für den Schutz eigener Daten – Altersunterschiede

  1. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167841/umfrage/marktanteile-ausgewaehlter-suchmaschinen-in-deutschland/ (Zugriff: 23.05.2016 []