6.3 Die Unternehmen: Verantwortung übernehmen ohne Vertrauen zu genießen?

Der dritte relevante Akteur im Kontext Vertrauen und Sicherheit sind aus Nutzersicht die Anbieter von Online-Diensten, d.h. Unternehmen, die ganz konkret mit Nutzerdaten arbeiten. Welche Erwartungen haben die Menschen an sie und welches Vertrauen schenken sie ihnen?

88 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Auffassung, dass Unternehmen für einen besseren Datenschutz sorgen müssen. Diese Erwartung an Unternehmen unterscheidet sich nur unwesentlich in den digitalen Lebenswelten.

Die Vertrauenswürdigkeit der Unternehmen ist in den Augen der breiten Mehrheit mehr als fraglich: 74 Prozent empfinden es als Gefahr, dass Großkonzerne wie Google oder Facebook immer mehr Daten von Internetnutzern sammeln. Vor allem großen, bekannten Marken unterstellen einige, nicht sorgfältig mit Kundendaten umzugehen. Bei dieser Einschätzung unterscheiden sich die digitalen Lebenswelten erheblich: Insbesondere die Vorsichtigen Skeptiker schenken den Großunternehmen ein sehr eingeschränktes Vertrauen. Sie gehen nur zu 15 Prozent davon aus, dass diese verantwortungsvoll mit Nutzerdaten umgehen. Aber auch Internetferne Verunsicherte und Souveräne Realisten sind hier kritisch. In diesen Internet-Milieus herrscht die Auffassung vor, dass Unternehmen die eigenen Interessen über die Privatsphäre ihrer Nutzer beziehungsweise Kunden stellen. Auch wenn Souveräne Realisten und Netz-Enthusiasten beide ein eher geringes Vertrauen in die Unternehmen setzen, unterscheiden sie sich in ihrer Verantwortungszuschreibung deutlich: Während die Souveränen Realisten dies deutlich weniger erwarten, fordern Netz-Enthusiasten mehr Verantwortung der Unternehmen für die Sicherheit im Internet. Effizienzorientierte Performer, Unbekümmerte Hedonisten und Verantwortungsbedachte Etablierte setzen das größte Vertrauen in die Unternehmen. Ca. drei Viertel dieser Internet-Milieus sind der Meinung, dass man großen, bekannten Marken im Umgang mit persönlichen Daten vertrauen kann. Die Argumentation von Effizienzorientierten Performern und Verantwortungsbedachten Etablierten lautet dabei meist, dass derart große Akteure Imageschäden befürchten müssen, wenn sie nicht gewissenhaft mit den Daten ihrer Kunden umgehen. Den Unbekümmerten Hedonisten hingegen ist dies einerlei: Sie fordern erst gar nicht, dass Unternehmen mehr Verantwortung für Sicherheit im Internet übernehmen sollten.

Die folgende Grafik stellt die milieuspezifischen Ausprägungen von Verantwortungszuschreibung und Vertrauen einander gegenüber und ist Ergebnis der quantitativen und qualitativen Datenanalyse. Die Verortung der jeweiligen Verantwortungszuschreibung erfolgte primär über die Zustimmung zur Aussage „Die Unternehmen müssen für einen besseren Datenschutz sorgen“. Das Ausmaß des Vertrauens basiert insbesondere auf dem Item „Ich bin überzeugt davon, dass große, bekannte Marken mit persönlichen Daten im Internet sorgfältig umgehen“.

Sicherheit im Internet: Die Rolle der Unternehmen – Milieu-Unterschiede

„Ich glaube, Sicherheit im Internet wird immer mehr ein Thema. Und das finde ich gut so. Es wird diskutiert. Und auch Google und Facebook merken, dass sie ihre Nutzer verlieren, wenn sie da nicht tätig werden und Möglichkeiten einräumen.“ (weiblich, 52 Jahre, Verantwortungsbedachte Etablierte)

„Ich erwarte, wenn ich irgendwo in irgendeiner Form registriert bin als Kunde, dass mit meinen Daten sehr vertraulich umgegangen wird. Aber ich bin sicher, dass es nicht so ist.“ (männlich, 42 Jahre, Verantwortungsbedachte Etablierte)

„Also ich habe da so ein bisschen blindes Vertrauen, würde ich sagen, weil ich vertraue diesen Konzernen schon. Also Facebook ein bisschen weniger jetzt, weil, ich weiß auch nicht, Facebook gegenüber hat man irgendwie ein bisschen mehr Misstrauen als Google gegenüber zum Beispiel. Vielleicht habe ich mich da auch beeinflussen lassen, aber Google hat für mich ein eher positives Bild.“ (weiblich, 24 Jahre, Netz-Enthusiasten)

„Wenn ich bei Facebook wäre, kann ich denen sowieso alles nachschmeißen. Mit Datenschutz haben die es zum einen nicht. Und zum anderen, ich lasse mich doch von denen nicht beobachten, was ich tue und was ich will.“ (männlich, 53 Jahre, Effizienzorientierte Performer)