4.3.1 Netz-Enthusiasten (15 Prozent)

Netz-Enthusiasten

„Also ohne das Internet ist es schon echt extrem schwer heutzutage. Natürlich, ich kann leben, aber mein Leben, so wie es jetzt ist, wäre komplett anders. Also auf den Kopf gestellt.“ (weiblich, 24 Jahre).

Die Netz-Enthusiasten lieben das Internet. Sie können und möchten sich ein Leben ohne das Netz nicht vorstellen. Sie sind besonders aktive und souveräne Nutzer, die ihren Alltag weitestgehend online leben und organisieren und eine ausgesprochene Begeisterung für Soziale Netzwerke teilen. 13 Prozent von ihnen sind fast den gesamten Tag online (7 Prozent im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung).

Im Internet-Milieu der Netz-Enthusiasten finden sich die meisten jungen Menschen. Der Altersschwerpunkt liegt bei 14 bis 24 Jahren. Die Geschlechterverteilung zeigt einen leichten Überhang männlicher Vertreter. Die Werteorientierung ist von postmodernen Selbstverwirklichungsidealen bestimmt, d.h. der Suche nach immer wieder neuen Erfahrungen und Herausforderungen, der Abkehr von Routinen und sowie der rhetorisch kultivierten Ablehnung eines klassisch-linearen Karrierewegs. Typisch sind Neugier und der Wunsch, Grenzen zu testen und idealerweise zu verschieben sowie spaßorientierter Genuss.

„Also am allerwichtigsten ist mir, dass man Spaß hat und viele neue Eindrücke sammelt, damit rückblickend betrachtet die Zeit langsamer vergeht, damit man auf etwas zurückschauen kann. Also viel Abwechslung, neue Eindrücke und dass man Spaß hat und glücklich ist.“ (männlich, 19 Jahre)

Soziodemografisches Profil − Netz-Enthusiasten

Die Rolle des Internets in der Lebenswelt der Netz-Enthusiasten

Kein anderes Internet-Milieu verbringt für private Zwecke täglich mehr Zeit online. Die Netz-Enthusiasten besitzen die meisten mobilen onlinefähigen Geräte. Die Hälfte von ihnen hat ein Tablet (gesamt: 27 Prozent). Das Smartphone ist ihr „treuer Begleiter“ in fast allen Alltagssituationen; 95 Prozent sind damit regelmäßig im Internet (gesamt: 62 Prozent). Auch geht keine andere Gruppe häufiger mit der Spielkonsole online, was die Spaß- und Unterhaltungsorientierung des Milieus unterstreicht.

Konkrete Situationen, in denen sie explizit „offline“ sein wollen, sind ihnen eher fremd. Sei es im Urlaub, bei gemeinsam mit Freunden verbrachter Zeit oder beim Fernsehen; eine parallel stattfindende Internetnutzung – meistens über das Smartphone – ist in ihrer digitalen Lebenswelt gang und gäbe. Sie reagieren mehrheitlich mit großer Neugier und Begeisterung auf neue Angebote und Entwicklungen im Internet und probieren sie immer sofort aus (60 Prozent vs. 30 Prozent gesamt). Ein Leben ohne Internet und insbesondere ohne Online-Communitys ist für sie im Milieu-Vergleich am allerwenigsten vorstellbar.

„Ich finde, das Internet ist eigentlich das Beste, was die Menschheit schaffen konnte. Das ist eine globale Vernetzung von allen Menschen. Es hätte nichts Besseres geben können und es gibt auch nichts Besseres, um die Welt zu verbinden.“ (männlich, 19 Jahre)

Nutzungshäufigkeit, Gerätebesitz und subjektive Internetkompetenz

Sie weisen ein sehr differenziertes Aktivitätsspektrum im Netz auf und sind bei fast allen Nutzungsmöglichkeiten überdurchschnittlich aktiv – vom Informationen recherchieren über die Nutzung von Mediatheken von TV-Sendern und Streamingplattformen bis zu Dating-Portalen, aber auch bei Online-Spielen in Sozialen Netzwerken oder auf Webseiten. Ein charakteristisches Merkmal dieser Gruppe ist die intensive Teilnahme und Teilhabe in Sozialen Netzwerken. Kein anderes Internet-Milieu ist aktiver beim Posten von eigenen Beiträgen oder dem Teilen von Beiträgen anderer (z.B. Bilder, Videos, Texte).

„Also ich habe zwei, drei Foto-Galerien und ich lade auf der einen aktiv hoch. Also ich schreibe ständig Kommentare, da wird jeden Tag drei, vier Mal reingeguckt und gepostet und kommentiert, mit Anderen kommuniziert, was beauftragt, Aufträge angenommen und so weiter und so fort.“ (weiblich, 24 Jahre)

Unter den Netz-Enthusiasten finden sich viele „junge Hipster“, die sich im Internet insbesondere für Veranstaltungstipps, Produktinformationen und alles rund um Musik, Kultur und Unterhaltung interessieren. Nachrichten, Politik und Zeitgeschehen finden als Themenbereiche dagegen seltener ihre Aufmerksamkeit. Ihr Interesse an Informationen zu Computerspielen und zu Entwicklungen im IT-Bereich ist im Milieu-Vergleich am stärksten ausgeprägt. Besonders wichtig ist ihnen das Internet aber auch für berufliche Fragen oder die Organisation ihres Ausbildungs- oder Uni-Alltags. Nicht nur bequeme und von überall durchzuführende Recherchetätigkeiten, sondern auch den Austausch mit anderen über Soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste sehen sie als praktische Möglichkeiten. Das Themenfeld Beruf und Karriere empfinden sie im Milieu-Vergleich am häufigsten als relevant und interessant im digitalen Kontext. Ihre vergleichsweise positive Einstellung gegenüber Dating-Portalen zeigt, dass sie einen Großteil ihres Lebens, inklusive sozialer Beziehungen, über das Netz organisieren. „Neue Leute“ und auch potenzielle Beziehungspartner über das Internet kennenzulernen ist aus ihrer Sicht heutzutage ohnehin keine Besonderheit.

Einstellungen zum Internet

Der Blick auf das Internet ist deutlich chancenfokussiert. 93 Prozent der Netz-Enthusiasten sind der Meinung, es berge mehr Chancen als Gefahren (gesamt: 72 Prozent). Die Begeisterung für die soziale Dimension des Internets spiegelt sich in den wahrgenommenen Vorteilen der digitalen Welt wider. Hier stechen nicht nur kostenlose Kommunikationsmöglichkeiten über Messenger-Dienste wie WhatsApp heraus, sondern insbesondere die Möglichkeit, sich über das, was im Bekannten- und Freundeskreis geschieht, auszutauschen und andere am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Als Vorteil des sozialen Austauschs über das Netz empfinden die Netz-Enthusiasten aber auch die Chance, sich kulturell einbringen zu können.

„Mit Freunden in Kontakt bin ich über Soziale Netzwerke wie Facebook und WhatsApp. Oder auch Instagram, Fotos reichen ja manchmal auch schon aus. Und wir telefonieren auf jeden Fall ganz viel. SMS schreiben wir nicht mehr so viel, weil es jetzt auch WhatsApp gibt. Und das ist ja kostenfrei.“ (weiblich, 23 Jahre)

Vertrauen, Sicherheit und Verantwortung

Mögliche Risiken bei der Internetnutzung lassen Netz-Enthusiasten eher unberührt. Nicht nur sehen sie weniger Risiken als die Vertreter aller anderen Internet-Milieus, sie fühlen sich auch am häufigsten in der Lage, Gefahren im Internet aus dem Weg gehen zu können und schreiben sich selbst die höchste Internetkompetenz im Milieu-Vergleich zu. Dies zeigt sich auch an diversen Maßnahmen zum Schutz vor Online-Gefahren, wobei sie vor allem auf technische Lösungen setzen: Netz-Enthusiasten haben am häufigsten eine Firewall installiert, nutzen am häufigsten Virenschutzprogramme und – relevant für den tatsächlichen Schutz – aktualisieren diese regelmäßig.

Charakteristisch für dieses Internet-Milieu ist gleichzeitig eine optimistisch unbeschwerte Art, sich im Netz zu bewegen. Eine einfache Handhabung und Bedienung der verschiedenen Anwendungen spielt für sie eine deutlich wichtigere Rolle als der Schutz der eigenen Daten. Dass sie bestimmte Aktivitäten nicht durchführen, weil sie ihnen zu riskant erscheinen, ist eher keine Option. Sie vertrauen – teils auch unhinterfragt – in ein weiterhin reibungsloses Online-Sein.

„Also vielleicht gehe ich damit auch zu sorglos um, aber für mich gehört das alles so dazu. Ich habe mir, wie gesagt, ich habe halt noch nie schlechte Erfahrungen gemacht und dann hat man da vielleicht auch so das Gefühl: ‚Ja, warum soll was passieren? Ist ja auch bis jetzt nie was passiert.‘“ (weiblich, 24 Jahre)

Die Verantwortung, für die eigene Sicherheit im Internet zu sorgen, sehen Netz-Enthusiasten häufiger als alle anderen Internet-Milieus bei sich selbst. Eine Erwartung an den Staat, dass dieser aktiv für Sicherheit sorgt, findet sich nur bei knapp der Hälfte (gesamt: 70 Prozent); sie sind im Gegenteil mit Abstand am deutlichsten der Meinung, dass der Staat das Netz nicht reglementieren sollte. Der Wunsch nach Sicherheit im Internet steht eindeutig hinter dem Wunsch nach Freiheit zurück. Sie können sich nicht vorstellen, auf Freiheiten zu verzichten, um dafür im Gegenzug mehr Sicherheit zu bekommen oder für den Schutz der eigenen persönlichen Daten etwas zu bezahlen. Unternehmen möchten sie dagegen durchaus in die Pflicht nehmen; 90 Prozent denken, dass diese für einen besseren Datenschutz sorgen müssten (gesamt: 88 Prozent).

Einstellungen zum Internet

Der Blick in die digitalisierte Zukunft

Die sich weiter entwickelnde Digitalisierung und die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, lösen bei den Netz-Enthusiasten im Milieu-Vergleich am seltensten Ängste oder Unbehagen aus. Im Gegenteil hat ihre sehr enge und intensive Verbindung zum Netz eher zur Folge, dass sie ein „Nicht-Dabei-Sein“ als problematisch sehen. Gleichaltrige, die beispielsweise kein Mitglied auf Facebook oder WhatsApp sind, wären ihrer Meinung nach im Nachteil, da Informationen und Wissenswertes spät oder gar nicht zu ihnen gelangen.

Im Milieu-Vergleich gehen Netz-Enthusiasten recht offen mit den eigenen persönlichen Daten um. Die deutliche Mehrheit hat Informationen in Sozialen Netzwerken unter bürgerlichem Namen veröffentlicht. Dass Großkonzerne, wie Google oder Facebook, immer mehr Daten von Internetnutzern sammeln, empfinden sie deutlich seltener als Gefahr als der Durchschnitt (59 Prozent vs. 74 Prozent gesamt). Sie gehen grundsätzlich davon aus, dass man sich an einen freieren Umgang mit Daten gewöhnen muss und haben zum Teil eine recht unbekümmerte Haltung gegenüber der möglichen Verwertung der eigenen Daten durch Dritte.

„Vielleicht bin ich aber jetzt auch schon aus einer anderen Generation, die das ein bisschen lockerer sieht. Und ich hatte auch noch nie Probleme damit. Und was die dann wirklich mit den Daten machen, sollte mir eigentlich relativ egal sein.“ (weiblich, 23 Jahre)

Gleichzeitig halten sie ihre eigenen Daten nicht für wertlos und können sich durchaus vorstellen, einen Nutzen aus der Weitergabe derselben zu ziehen. Einer möglichen Monetarisierung persönlicher Daten stehen sie offener gegenüber als die meisten anderen Internet-Milieus (mit Ausnahme der Unbekümmerten Hedonisten, die hier besonders herausstechen): Für 30 Prozent der Netz-Enthusiasten ist es in Ordnung, wenn im Tausch für einen Service (z.B. eine App) andere Zugriff auf ihre Daten erhalten (gesamt: 19 Prozent).

Netz-Enthusiasten – Wohnbilder

Nähere Erläuterungen zu den Wohnbildern vergleiche Kapitel 10.