4.3.4 Unbekümmerte Hedonisten (11 Prozent)

Unbekümmerte Hedonisten

„Ohne Internet würde mir diese Gewohnheit fehlen, auch so etwas wie eine körperliche Gewohnheit, also aufzustehen und erst mal aufs Handy zu patschen. Dann würde mir auf jeden Fall der Zeitvertreib fehlen. Und der Kontakt, den man dann halt hat, es wäre alles etwas komplizierter so über SMS und Telefon.“ (weiblich, 26 Jahre)

Unbekümmerte Hedonisten partizipieren ausgiebig an den Möglichkeiten des Internets und sind dabei besonders begeistert von Sozialen Netzwerken. Dennoch sind sie nicht souverän im Umgang mit dem Netz und gestehen sich das auch selbst ein. Vor allem der Umgang mit persönlichen Daten ist unbedarft und ihre Gefahren- und Risikowahrnehmung widersprüchlich. Sicherheitsmaßnahmen ergreifen sie – aus Unwissenheit und Arglosigkeit – vergleichsweise selten.

Unbekümmerte Hedonisten liegen demografisch in der Mitte der Gesellschaft: Sie verfügen in der Regel über ein mittleres formales Bildungsniveau und zählen zu den Durchschnittsverdienern. Der Altersdurchschnitt liegt bei 44 Jahren. Der Frauenanteil in dieser Gruppe ist geringfügig höher als der Männeranteil. Ihr Wertekanon wird bestimmt von einem unverkopften Wunsch nach Spaß, Freizeit, Unterhaltung und Spontaneität. Sie reagieren eher distanziert auf Regeln beziehungsweise Autoritäten und (Leistungs-)Anforderungen der Gesellschaft. In diesem Sinne sehen sie sich selbst häufig als Außenseiter.

„Ich verfolge nicht so ehrgeizig Ziele, wie mir scheint, habe aber gute Laune dabei!“ (weiblich, 26 Jahre)

„Ich bin locker, aufgeschlossen und lerne gerne neue Leute kennen. Ich sehe gerne neue Sachen, irgendwelche neuen Plätze oder so. Ich verreise furchtbar gern, mache furchtbar gern Urlaub, unternehme immer gern etwas Neues, bin aktiv auf jeden Fall, ich mache Sport.“ (männlich, 28 Jahre)

Soziodemografisches Profil – Unbekümmerte Hedonisten

Die Rolle des Internets in der Lebenswelt der Unbekümmerten Hedonisten

Unbekümmerte Hedonisten möchten „unbedingt“ am Geschehen im Internet teilhaben. 46 Prozent probieren neue Angebote und Entwicklungen immer sofort aus (gesamt: 30 Prozent), ein Leben ohne Internet ist für sie überdurchschnittlich oft nicht vorstellbar. Das Internet gilt in dieser Gruppe mehrheitlich als eine der besten Erfindungen, die es je gab (73 Prozent, gesamt: 70 Prozent).

Aus ihrer Sicht birgt das Internet mehr Chancen als Gefahren. Als herausragenden Vorteil sehen sie die Möglichkeiten des sozialen Miteinanders über das Netz (neue Menschen kennenlernen, andere am eigenen Leben teilhaben lassen, sich austauschen). Maßgeschneiderte und ihren Bedürfnissen angepasste Informationen und Werbung empfindet ein überdurchschnittlich großer Teil dieses Internet-Milieus als Vorteil. Zeit- und vor allem kostensparende Aspekte spielen eine bedeutende Rolle mit Blick auf die Vorteile und Chancen des Internets.

„Man spart ja nicht nur Zeit und Weg, sondern auch das Geld. Das Meiste, was in der Zeitung steht, sehe ich online. Da spare ich mir dann jeden Tag 70, 80 Cent. Wenn man das mal hochrechnet auf 365 Tage, also ohne Internet wird es schwerer.“ (männlich, 31 Jahre)

Nutzungshäufigkeit, Gerätebesitz und subjektive Internetkompetenz

Unbekümmerte Hedonisten sind etwas häufiger als der Durchschnitt täglich online (64 Prozent, gesamt: 58 Prozent). Smartphones sind überdurchschnittlich verbreitet und ein beliebtes Instrument, um mit anderen zu kommunizieren und Dinge im Internet zu „checken“. Sie besitzen im Vergleich mit anderen internet-affinen Milieus seltener ein Tablet. Die Geräteausstattung spiegelt auch ihr Interesse an Unterhaltungsangeboten wider: Sie besitzen überdurchschnittlich oft eine Spielekonsole, 20 Prozent nutzen Online-Funktionen am Fernseher (gesamt: 14 Prozent).

„Ich kann mit meinem Blue-ray-Player ins Internet gehen, darüber gucke ich auch meistens die Filme. Mit der Playstation kann ich auch ins Internet gehen.“ (männlich, 31 Jahre)

„Wobei ich benutze größtenteils mein Smartphone, aber manchmal auch mein iPad. Also größtenteils benutzt mein Freund den Computer und ich mein Handy.“ (weiblich, 24 Jahre)

81 Prozent der Onliner unter ihnen recherchieren im Internet nach Informationen – gemeinsam mit den Internetfernen Verunsicherten am seltensten im Milieu-Vergleich (gesamt Onliner: 90 Prozent). Das Interesse an Online-Informationen über Politik und Zeitgeschehen liegt in dieser Gruppe unter dem Durchschnitt (26 Prozent, gesamt Onliner: 32 Prozent). Etwas überdurchschnittlich fällt hingegen das Interesse an Informationen zum Komplex Beruf und Karriere beziehungsweise Stellenanzeigen aus (30 Prozent der Onliner, gesamt Onliner: 25 Prozent). Weitere Themenfelder, die sie häufiger als alle anderen Internet-Milieus verfolgen, sind Wellness- und Schönheit sowie Dekorations- und Einrichtungsfragen. Überdurchschnittlich oft verbringen sie Zeit mit Online-Spielen, sei es auf dem PC, der Konsole oder in Sozialen Netzwerken und mit Online-Wetten und Glücksspielen.

Soziale Netzwerke spielen eine bedeutende Rolle im Leben der Unbekümmerten Hedonisten: 70 Prozent können sich ein Leben ohne die Mitgliedschaft in einer Online-Community nicht vorstellen (gesamt: 33 Prozent). Sie erstellen und/oder teilen häufiger als der Durchschnitt der Internet-Milieus (eigene) Beiträge und halten damit ihren Freundes- und Bekanntenkreis auf dem Laufenden, insbesondere in Sachen Freizeitgestaltung.

„Was mache ich auf Facebook? Ich trage meine Bilder ein, wo ich jetzt im Urlaub war und so. Was ich unternehme mit Freunden zusammen, so was stelle ich da rein.“ (männlich, 31 Jahre)

„Ja, ich bin bei tumblr, Instagram, Twitter, Snapchat, oder was sind noch Soziale Netzwerke?“ (weiblich, 26 Jahre)

Einstellungen zum Internet

Vertrauen, Sicherheit und Verantwortung

Charakteristisch für dieses Internet-Milieu ist eine diffuse bis widersprüchliche Risiken- und Gefahrenwahrnehmung. Fast die Hälfte der Onliner der Unbekümmerten Hedonisten sieht beispielsweise bei der Nutzung von TV-Mediatheken, dem Kommunizieren mit Ämtern und Behörden oder dem Lesen von Kommentaren und Bewertungen auf Webseiten ein Risiko. Damit liegen sie jeweils über dem Durchschnitt aller Internet-Milieus. Umgekehrt sehen sie das Herunterladen oder Streamen von Filmen und/oder Musik ohne dafür zu bezahlen überdurchschnittlich oft nicht als Risiko. Hinsichtlich konkreter Gefahren, denen sie persönlich ausgesetzt sein könnten, sind sie besonders unbedarft: Dass sie ihren Computer mit einem Virus infizierten könnten, dass sie Opfer eines Betrugs beim Online-Banking werden oder ihre persönlichen Daten unerwünscht an Dritte weitergegeben werden könnten sehen sie im Milieu-Vergleich jeweils am seltensten als eine für sie persönlich relevante Gefahr. Unbekümmerte Hedonisten fühlen sich hinsichtlich Sicherheitsfragen als eine Art Außenseiter und sehen sich nicht persönlich in der Gefahrenzone oder „Schusslinie“: Sie wissen nicht was an ihren Daten für andere interessant sein könnte und behaupten daher nichts zu verbergen zu haben (56 Prozent, gesamt: 34 Prozent).

„Ich glaube, die Leute, die da etwas Böses wollen, die haben es auf Leute abgesehen, wo es etwas zu holen gibt. Ich fühle mich da jetzt nicht so bedroht oder habe groß Angst, dass sich da jemand in mein Bankkonto reinhackt oder so.“ (männlich, 28 Jahre)

„Aber wenn da irgendwas passiert, dann kann ich das auch mit der Bank klären und gut ist. Soviel Geld ist da jetzt auch nicht drauf, dass irgendjemand mein Konto leer räumt.“ (weiblich, 27 Jahre)

Gleichzeitig gesteht sich aber ein weit überdurchschnittlicher Teil (knapp die Hälfte) ein, mit dem Internet eigentlich überfordert und auf die Hilfe aus dem Freundes- und Bekanntenkreis angewiesen zu sein. Bei aller Begeisterung fehlt es den Unbekümmerten Hedonisten also an Souveränität im Umgang mit dem Netz: Knapp die Hälfte hat den Eindruck, sich nicht genügend auszukennen und ist damit eigentlich überfordert. 55 Prozent fühlen sich sogar den Gefahren im Internet hilflos ausgesetzt (gesamt: 39 Prozent). Trotzdem beziehungsweise gerade deswegen ergreifen sie Sicherheitsmaßnahmen nur sehr eingeschränkt. Beispielsweise haben die Onliner im Milieu-Vergleich am seltensten ein Virenschutzprogramm installiert (53 Prozent vs. gesamt Onliner: 76 Prozent). Auch stellt nur ein Viertel – aus Sicherheitsgründen – so wenig private Daten wie möglich ins Internet (gesamt Onliner: 44 Prozent). Hintergrund sind sowohl ihre Überforderung und ein fehlendes Wissen über Möglichkeiten, die eigenen Daten zu schützen, als auch ihre Unbedarftheit: Der Wunsch nach einer einfachen und bequemen Bedienung von Anwendungen hat für sie deutlich Vorrang vor der Sicherheit der eigenen Daten. Die fehlende Souveränität im Umgang mit dem Netz – insbesondere mit Blick auf Sicherheitsfragen – führt bei den Unbekümmerten Hedonisten zu einem gewissen Fatalismus: Sie haben sich im Milieu-Vergleich am häufigsten damit abgefunden, dass das Internet an sich unsicher sei (66 Prozent vs. gesamt: 58 Prozent).

Einstellungen zum Internet

Hinsichtlich der Frage, wer für Sicherheit im Internet verantwortlich sein könnte, nehmen sie mehrheitlich den Nutzer selbst, aber auch den Staat in die Pflicht. Hier unterscheiden sie sich nicht vom Durchschnitt aller Internet-Milieus. Am häufigsten nehmen sie jedoch andere Nutzer in die Verantwortung, für Schäden zu haften, wenn deren Geräte nicht genügend gesichert seien und somit andere gefährdeten (61 Prozent vs. gesamt: 49 Prozent).

Der Blick in die digitalisierte Zukunft

Der weitergehenden Digitalisierung des Alltags begegnen die Unbekümmerten Hedonisten mit gemischten Gefühlen und einem Mix aus Interesse und diffuser Sorge. So sagen 71 Prozent, dass das Internet als freies Medium unter keinen Umständen reglementiert werden solle (gesamt: 60 Prozent). Gleichzeitig empfinden 66 Prozent die Möglichkeit, im Internet machen zu können, „was man wolle“, als eine Gefahr für das demokratische System (gesamt: 45 Prozent).

Sie pflegen einen unbedarften Umgang mit ihren eigenen persönlichen Daten, basierend auf der Überzeugung, dass sie selbst nichts zu verbergen hätten und ihnen dementsprechend auch nichts passieren könne, beziehungsweise sie sich keine weiteren Gedanken darüber machen müssten. Die Bedeutung und den Wert der eigenen persönlichen Daten ermessen zu können, fällt ihnen schwer, was sie zum Teil auch resignieren lässt: 60 Prozent der Unbekümmerten Hedonisten ist es egal, was mit ihren Daten im Internet geschieht (gesamt: 12 Prozent). Sie gehen überdurchschnittlich oft davon aus, dass man sich an einen freieren Umgang mit Daten gewöhnen müsse (73 Prozent vs. gesamt: 59 Prozent). Gleichzeitig sind sie im Milieu-Vergleich am ehesten dazu bereit, persönliche Daten für eine geldwerte Gegenleistung weiterzugeben (47 Prozent vs. gesamt: 19 Prozent) und haben zum Teil eine Ahnung davon, dass diese heute schon ein Handelsgut darstellen.

„Sozusagen verkaufe ich meine Daten für die Annehmlichkeit einfach bei Google das einzutippen. Aber das ist dann auch aus Ahnungslosigkeit und Bequemlichkeit.“ (weiblich, 26 Jahre)

„Also dass digitale Information praktisch die Währung ist in Zukunft? Nein, das glaube ich nicht. Das ist Science Fiction.“ (männlich, 39 Jahre)

„Also ich würde mich auf jeden Fall tracken lassen, das könnte ich mir vorstellen, auf jeden Fall.“ (männlich, 39 Jahre)

Unbekümmerte Hedonisten – Wohnbilder

Unbekümmerte Hedonisten – Wohnbilder