3.1 Was sind heute eigentlich Medien und wann ist man online?

Seit den 1990er Jahren ist eine große Dynamik in der technischen Entwicklung zu verzeichnen, von der auch die Lebenswelten der befragten jungen Menschen nicht unberührt bleiben. Waren die Veränderungen seit den 1960er Jahren wesentlich durch die Erweiterung um neue Geräte gekennzeichnet (z. B. Radio, (Farb-)Fernsehen, Tonbandgeräte, Videorecorder etc.), so konzentrieren sich technische Errungenschaften der jüngeren Vergangenheit insbesondere auf neue Formen der Bedienungsweisen und Oberflächenstrukturen (z. B. Touch-Screen, App-basierte Services), neue Funktionalitäten im Bereich Benutzerfreundlichkeit und Vernetzungsmöglichkeiten (z.B. Miniaturisierung, All-in-One-Lösungen, mobile Internet-Nutzung) und neue Formen der Kommunikation (z.B. soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste).

Gerade in den letzten Jahren haben die Möglichkeiten der Verbreitung von Texten und Bildern noch einmal stark zugenommen. Waren die Kommunikationsmöglichkeiten im Internet früher auf das Versenden und Empfangen von E-Mails sowie auf die Teilnahme an Chat-Foren beschränkt, haben sich die Vernetzungsoptionen in den letzten Jahren vervielfältigt. Mit steigender Tendenz nehmen auch viele andere Online-Angebote neben den klassischen Online-Communitys wie z. B. Facebook einen Netzwerk-Charakter an (z. B. YouTube1, Twitter2).

Damit vollzieht sich ein wesentlicher Umbruch im Verständnis dessen, was Medien sind: Medien werden in dieser Studie als Werkzeuge bezeichnet, mit denen Texte, Töne und Bilder übertragen und geteilt werden können und mit denen gleichzeitig kommuniziert werden kann.

Gerade diese Entwicklung von Verbreitungs- zu Kommunikationswerkzeugen liefert einen Schlüssel für das Verständnis der Mediennutzung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Für sie steht vor allem die Kommunikation im Vordergrund. Wie die Ergebnisse dieser Studie zeigen, sind Medien-Angebote für junge Menschen zu fast schon notwendigen Infrastrukturen für Freundschaften geworden. Vor allem Online-Communitys sind selbstverständliche Datenautobahnen, auf denen nahezu alle unterwegs sind – wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Fahrweise.

Zentral für die Nutzung der Medienvielfalt ist in der internetbasierten Kommunikation der Begriff des „Online-Seins“. Allerdings mangelt es an einer Definition, was „Online-Sein“ in Zeiten von ständig vernetzten Smartphones eigentlich bedeutet. Bislang setzte das Verständnis von „Online-Sein“ eine Vorbereitung (Rechner hochfahren, Internet-Verbindung herstellen, Browser öffnen) voraus und meinte dann eine bewusst ausgeführte Aktivität, die nur auf der Basis dieser Internet-Verbindung möglich ist.

Smartphones und/oder Tablets sind jedoch in der Regel durchgängig mit dem Internet verbunden, wenn sie angeschaltet sind, sofern eine Internet-Verbindung technisch vorhanden ist. Da gerade diese Geräte im Alltagsleben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine große Rolle spielen, herrscht bei ihnen der subjektive Eindruck vor, immer dann online zu sein, wenn das entsprechende Gerät angeschaltet ist – also die meiste Zeit.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Definition von „Online-Sein“ in der vorliegenden Untersuchung aus der Perspektive der Befragten heraus zu erweitern, so dass auch das subjektive Verständnis – das Gefühl, online zu sein – einzubeziehen ist. Es hat sich deutlich gezeigt, dass die Befragten das „Online-Sein“ weniger als technisch hergestellte Verbindung betrachten, sondern als Beschreibung einer Situation: „Online-Sein“ meint somit das empfundene Zugriffspotenzial auf eine Vielzahl von Daten in Echtzeit und die gleichzeitige Empfangsbereitschaft für eintreffende Daten, die als persönlich relevante Informationen eingeordnet werden.

Online zu sein ist für Menschen unter 25 Jahren somit zu einem Synonym für das Verbundensein mit dem Kosmos des persönlichen Freundes-, Bekannten- und Familien-Netzwerkes geworden.

  1. Auf dem Internet-Videoportal YouTube können die Benutzer Video-Clips ansehen, aber auch bewerten und kommentieren und selbst Video-Clips hochladen. []
  2. Twitter (englisch für „Gezwitscher“) ist eine digitale Echtzeit-Anwendung zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten. Es wird zudem als Kommunikationsplattform, soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Online-Tagebuch beschrieben. []