1.1 Hintergrund und Aufgabenstellung der Studie

Junge Menschen stehen häufig im Aufmerksamkeitsfokus, wenn es um digitales Leben und Diskurse rund um Urheberrecht oder Online-Communitys1 geht. Motiviert ist dies u. a. durch die Annahme, dass es in den nächsten Jahren vor allem diese Gruppe sein wird, die wesentlich mitbestimmt, was im Hinblick auf Handeln im Internet zum Allgemeingut wird und damit auch den Handlungsrahmen für andere gesellschaftliche Gruppen definiert.

Gleichzeitig existiert bislang keine Studie, die das wertebasierte Rechts- und Sicherheitsverständnis von Menschen unter 25 Jahren im Online-Kontext untersucht hat. Die Kombination „Jugend plus Digital“ ist zwar ein beliebter Themenkomplex, der in diversen Jugendstudien behandelt wird. Wie jedoch digitale Verhaltensmuster an das jeweilige Wertesystem gekoppelt sind, wird dabei kaum berücksichtigt. Anders als andere etablierte Jugendstudien, die auf digitale Themenfelder hinsichtlich Endgeräte-Besitz und Nutzungsintensitäten (Dauer, Häufigkeit, Art der Aktivitäten) fokussieren, konzentriert sich die vorliegende Studie auf die Denk- und Handlungslogiken von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen2 und bringt mit dem Milieu-Ansatz soziokulturelle Tiefenschärfe in die Analyse.

Die Studie fragt nicht nur nach Nutzungsarten und -gewohnheiten, sondern ermittelt das zugrundeliegende Wertegerüst, sie erklärt Nutzungstrends vor dem Hintergrund der Lebenswelten und identifiziert damit erste Anzeichen grundlegender Veränderungsprozesse im gesellschaftlichen Verständnis von Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Die vorliegende Untersuchung stellt die avisierten Themenkomplexe aus der Sicht der jungen Menschen selbst dar: Durch vorauslaufende qualitative Explorationen – sowohl in Form klassischer Fokusgruppen wie auch Online-Chats3 – wurde sichergestellt, dass insbesondere diejenigen Themen quantitativ vertieft werden, die im Alltag junger Menschen tatsächlich Relevanz haben. Zudem wurde darauf geachtet, die Themen in der Sprachwelt der jungen Menschen zu fassen. Die DIVSI U25-Studie zeigt eine Landkarte der aktuellen digitalen Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und ihren jeweiligen Anforderungen. Sie liefert damit wertvolle Hinweise für eine differenzierte Ansprache junger Menschen und schafft somit auch eine Basis für Angebote zur Entwicklung der Medien- und Internet-Kompetenz.

  1. Der Begriff Online-Communitys wird in dieser Studie im Sinne von sozialen Plattformen im Internet verwendet. Online-Communitys können Foren, Chatrooms, Soziale Netzwerke (z. B. Facebook, Xing), Microblogging-Dienste (z. B. Twitter), Fotoplattformen (z. B. Flickr) u. Ä. sein. []
  2. Als Kinder werden im Folgenden Befragte von 9 bis 13 Jahren, als Jugendliche werden Befragte von 14 bis 17 Jahren und als junge Erwachsene werden Befragte von 18 bis 24 Jahren bezeichnet. Zur Begründung für die Auswahl dieser Altersspannen vgl. Kapitel 3 („Konsequenzen für die Konzeption der Studie: 9- bis 24-Jährige im Fokus“). []
  3. Qualitative Gruppendiskussionen, die auf einer für diesen Zweck eingerichteten Internet-Plattform durchgeführt werden. []