10.1 Digitale Teilhabe als Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe

Trotz intensiver Nutzung des Internets über die verschiedenen formalen Bildungsniveaus hinweg zeigen sich unterschiedliche Voraussetzungen bezüglich der Zugangsbedingungen: Je niedriger der formale Bildungsgrad, desto eher müssen die Kosten für die heimische Internet-Nutzung selbst getragen werden – wobei hier jedoch auch die verfügbaren finanziellen Budgets umso geringer sind.

Auch bezüglich der subjektiven Souveränität und Sicherheit im Umgang mit dem Internet zeigen sich Bildungsunterschiede: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer formal niedrigeren Bildung sprechen sich selbst eine geringere Internet-Kompetenz zu als Befragte höherer formaler Bildung. Und auch wenn das Internet von den Befragten jedes Bildungsniveaus vorrangig als Kommunikations- und Unterhaltungsmedium genutzt wird, so nutzen die formal höher Gebildeten das Internet häufiger bewusst als Informations- und Bildungsinstrument als formal niedriger Gebildete.

Deutliche milieuspezifische Unterschiede zeigen sich bei der Einschätzung der zukünftigen Bedeutung des Internets in Zusammenhang mit der eigenen persönlichen und beruflichen Zukunft. Sowohl die Souveränen als auch die Pragmatischen gehen davon aus, dass ein Leben ohne Internet in Zukunft für sie nicht möglich sein wird. Demgegenüber stehen Teile der Milieus der Verantwortungsbedachten und Skeptiker, für die eine Zukunft ohne das Internet durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Auch das Milieu der Unbekümmerten schätzt die zukünftige Bedeutung dieses Mediums im Vergleich zum Durchschnitt tendenziell als geringer ein. Sie sehen und nutzen das Internet aktuell vorrangig als Unterhaltungs- und Kommunikationsinstrument, für das in einem Erwachsenenleben mit Erwerbsarbeit und Familie kein Platz mehr sein wird.

Ausgehend davon, dass ein souveräner Umgang mit den verschiedenen Möglichkeiten des Internets im Kontext von Information, Bildung und Weiterbildung – und dementsprechend auch bezüglich des Erwerbslebens – eine bedeutende Rolle spielt, zeichnet sich auf Basis der Befunde Handlungsbedarf ab. Der eher noch steigenden Bedeutung des Internets für eine chancenreiche Gestaltung der persönlichen Entwicklung sollte, sowohl hinsichtlich beruflicher Fragen als auch bezogen auf die Organisation des persönlichen Alltags, verstärkt Rechnung getragen werden. Vor allem im Bereich der Schule könnte die Vermittlung einer kompetenten Anwendung vielfältiger Recherche- und Informationsfunktionen und -möglichkeiten des Internets stärker in den Blick genommen werden. Eine Vermittlung der zukünftigen Bedeutung und Relevanz des Internets für das eigene Leben kann über die verschiedenen Bildungsgrade und die identifizierten DIVSI U25-Internet-Milieus hinweg gesellschaftliche Teilhabe gewährleisten und Chancengleichheit fördern.