9.2 Risiken

Differenziertes Risikoempfinden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Bei den Kindern zeigt sich noch kein ausgefeiltes Risiken-Universum. Hier steht der Bezug zur eigenen Privatsphäre im Zentrum. Assoziierte Gefahren aus der Online-Welt können sich in ihrer Wahrnehmung direkt auf ihr eigenes Umfeld auswirken. Auch die befürchtete unbegrenzte Verfügbarkeit von ins Internet hochgeladenen Daten löst bei ihnen Unbehagen aus.

„Da war auch schon mal ein Mädchen, […] das hat auch so was gespielt und dann hat die halt mit einem Jungen gechattet, angeblich einem Jungen, der gesagt hat, ‚Ich bin 10 Jahre alt und du?‘, ‚Oh, ich auch, was für ein Zufall‘. Und die hat sich wirklich drauf eingelassen. Und die haben sich getroffen und auf einmal steht ein 40 Jahre alter Mann vor ihr. Tja, entführt und dann kam es zu der ganzen Geschichte und hinterher ging es mit zwei Toten aus.“ (9-13 Jahre, m)

„Ja, weil es können ja immer welche da hin. Zum Beispiel bei Facebook, wenn man sich dann halt im Netzwerk verliebt und dann sich verabreden möchte und denkt, es ist ein junger Mann und dann ist es nachher ein alter Opa der dich mitnimmt, oder so.“ (9-13 Jahre, w)

„Aus dem Internet kommt nie was raus. Selbst wenn du das jetzt löschst, dann ist das manchmal auch so, dass da Bilder hochgeladen sind ins Internet, und Bilder kann man im Internet nicht mehr löschen. Oder Videos. Die kriegt man da nicht mehr raus. Die sind irgendwo dann noch mal versteckt oder so. Das kann eigentlich niemand mehr löschen.“ (9-13 Jahre, m)

Die Wahrnehmung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist bereits differenzierter und konkreter. Sie nehmen vor allem eine Bedrohung durch Viren- und Schadprogramme sowie die unbefugte Weitergabe ihrer Daten als die größten Risiken der Internet-Nutzung wahr. Sind Schadprogramme und unerwünschte Datenweitergabe in allen Bevölkerungsgruppen Hauptrisiken der Internet-Nutzung, existieren darüber hinaus eine Reihe divergierender Risikowahrnehmungen, wie beispielsweise im Bereich der betrügerischen Delikte, der Spionage von Zugangsdaten oder der Gefahr durch Stalking. Bezüglich der Wahrnehmung dieser Bedrohungen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Während bei den jungen Erwachsenen betrügerische Aktivitäten und das Ausspionieren der Zugangsdaten beim Online-Einkauf oder beim Online-Banking deutlich als Risikofaktoren wahrgenommen werden, sind diese Risiken bei den Jugendlichen – auch weil sie eingeschränktere Möglichkeiten haben, online einzukaufen oder Bankgeschäfte zu tätigen – weniger relevant. Dafür haben die Jugendlichen im Vergleich zu den jungen Erwachsenen ein erhöhtes Risikobewusstsein hinsichtlich Übergriffen durch Stalking und Mobbing.

Risiken im Internet – 14- bis 24-Jährige

Risiken im Internet – 14- bis 24-Jährige

Persönliche Übergriffe sind in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsene von deutlich größerer Bedeutung als in der Gesamtbevölkerung. Während 44 Prozent der Befragten Beleidigungen im Netz fürchten, sind dies bei der Gesamtbevölkerung nur 16 Prozent. Mobbing gilt für 40 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Problem, aber nur für zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

Risikowahrnehmung hinsichtlich Mobbing

Risikowahrnehmung hinsichtlich Mobbing

Insgesamt lässt sich ein ausgeprägtes Bewusstsein für mögliche Gefahren durch die Internet-Nutzung feststellen. Die Häufigkeit der tatsächlich erlebten Schädigungen ist demgegenüber zwar auf den ersten Blick geringer, aber insbesondere hinsichtlich Infizierung mit Schadprogrammen, Belästigung durch unerwünschte E-Mails und dem Ausspionieren von Zugangsdaten auf hohem Niveau. 21 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren bis dato selbst von einer Infizierung des eigenen Computers mit Schadprogrammen betroffen. Berichte über vergleichbare Erlebnisse im Freundeskreis und die direkte Auswirkung mit eventuellen finanziellen Folgen tragen mit 58 Prozent zu einer relativ hohen Risikowahrnehmung bezüglich dieser Bedrohung bei.

Top-5-Risiken und Betroffenheit

Top-5-Risiken und Betroffenheit

Bei Kindern zeigt sich konkrete Betroffenheit nur durch Infizierung des Computers mit Schadprogrammen (elf Prozent).

Die Faktorenanalyse ermöglicht einen zusammenfassenden Blick auf die beschriebenen Unterschiede zwischen den Altersgruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bezüglich der wahrgenommenen Risiken bei der Online-Nutzung wurden fünf zugrundeliegende Dimensionen ermittelt:

Dimensionen Risiken

Jugendliche sehen vor allem soziale Risiken im Netz, junge Erwachsene betonen ökonomische Risiken

Für die Jugendlichen sind persönliche Verletzungen in Form von Mobbing, Stalking und Beleidigungen Hauptrisiken im Netz. Die nachfolgende Grafik zeigt eine Ausprägung bei den Jugendlichen im Bereich der Überrepräsentation, wohingegen die jungen Erwachsenen nur knapp im Durchschnitt liegen. Auch die Verletzung der Privatsphäre durch Fremde sowie durch die eigenen Eltern empfinden Jugendliche stärker als Risiko als die jungen Erwachsenen, die hier unterrepräsentiert sind.

Kriminelle Übergriffe, Verletzungen der Datensicherheit oder Belästigungen werden hingegen mit zunehmendem Alter relevanter. So nehmen die jungen Erwachsenen kriminelle Übergriffe, wie z. B. Betrug durch Online-Banking bzw. beim Online-Einkauf oder das Ausspionieren der Zugangsdaten, als größte Risiken im Internet wahr.

Dimensionen der Risikowahrnehmung

Dimensionen der Risikowahrnehmung

Lesebeispiel:
Die Verletzung der Privatsphäre ist für junge Erwachsene unterdurchschnittlich relevant, während kriminelle Übergriffe für sie eine überdurchschnittlich große Rolle spielen.