9. Vertrauen und Sicherheit: Orientierung im digitalen Alltag

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sehen eine Vielzahl von Gefahren beim Surfen im Internet – allerdings erst, wenn das Thema problematisiert wird. Zunächst ist es eine unhinterfragte Selbstverständlichkeit, zahlreiche Alltagsaktivitäten (insbesondere die Pflege der sozialen Kontakte) online zu erledigen. Dennoch sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durchaus sensibilisiert hinsichtlich Risiken im Netz und haben auf Basis unterschiedlicher Vertrauenskonzepte Sicherheitsmaßnahmen etabliert.

Auch hat sich bei jungen Menschen aufgrund der Nachrichten zur Tätigkeit der Geheimdienste (vor allem internationale Spionageangriffe auf souveräne Staaten) das Sicherheitsgefühl im Netz verändert. Nach einer repräsentativen Online-Befragung des DIVSI zur Überwachung elektronischer Daten und deren Einfluss auf das Nutzungsverhalten im Internet1 hat sich in der Gesamtbevölkerung bei knapp vier von zehn Befragten (37 Prozent) das Sicherheitsgefühl verschlechtert. Immerhin 18 Prozent gaben an, ihre Online-Nutzung bereits entsprechend verändert zu haben. Diese Entwicklung ist nicht nur in der Gesamtbevölkerung zu beobachten, sondern auch bei den Jüngeren. So hat sich auch das Sicherheitsempfinden der jungen Erwachsenen seit Bekanntwerden der NSA-Affäre in ähnlichem Maße verschlechtert (38 Prozent). Das Verhältnis zwischen wahrgenommenen Risiken und tatsächlichem Handeln ist hier jedoch widersprüchlich.

Wie junge Menschen die Widersprüche zwischen mangelndem Vertrauen in Online-Angebote einerseits und deren intensive Nutzung andererseits gestalten, soll im Folgenden beleuchtet werden. Daher wird der Fokus auf zentrale Aspekte der Risikowahrnehmung, die vorgenommenen Sicherheitsmaßnahmen und das Verhältnis zwischen Nutzung und spezifischen Vertrauenskonzepten gelenkt. Mit Hilfe einer Faktorenanalyse – welche in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt wurde und deren methodischer Aufbau und Ablauf im Anhang detailliert erklärt wird – konnten diese drei Themenkomplexe zu übergeordneten Sicherheits- und Vertrauenskonzepten verdichtet werden, wodurch die grundlegenden Zugangsweisen zur Thematik noch einmal zusammenfassend veranschaulicht werden.

  1. Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet 2013: PRISM und die Folgen – Sicherheitsgefühl im Internet verschlechtert. Blitzumfrage zu PRISM im Juli 2013., http://46.30.3.106/wp-content/uploads/2013/07/2013-07-03-DIVSI-PRISM-Blitzumfrage-PK.pdf []