6.1 Bildung

Wer einen niedrigeren Bildungsgrad aufweist, traut sich im Netz weniger zu

Bereits bei den Kindern zeichnet sich ab, dass die formal niedriger Gebildeten ihre Internet-Kompetenz schlechter bewerten als die formal höher Gebildeten. Dieser Trend setzt sich bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen fort. Diese subjektive Kompetenzzuschreibung sagt nur teilweise etwas über die tatsächliche Kompetenz im Umgang mit dem Internet aus. Sie verweist aber darauf, dass möglicherweise die Selbstsicherheit im Umgang mit dem Internet, die Bewertung von Chancen und Risiken und auch die Vielfalt der Nutzungsweisen unterschiedlich sind. Formal höher Gebildete zeigen demnach ein größeres Selbstvertrauen im Umgang mit dem Internet.

Internet-Kompetenz – Kinder

Internet-Kompetenz – Kinder

Internet-Kompetenz – Jugendliche und junge Erwachsene

Internet-Kompetenz – Jugendliche und junge Erwachsene

Ein Blick auf die genutzten Angebote bestätigt, dass eine stärker unterhaltungs- und kommunikationsgeprägte Nutzungsweise bei formal niedriger Gebildeten einer vielfältigeren Nutzungsweise bei den formal höher Gebildeten gegenübersteht, die das Internet auch als Informationsmedium (im klassischen Sinne) und Bildungsinstrument verstehen. Dieser Befund korrespondiert mit einem jeweils engen bzw. weiter gefassten Bildungsbegriff bei jungen Menschen unterschiedlicher formaler Bildungsniveaus. Der enge Bildungsbegriff der formal niedrig Gebildeten, der Lernen vor allem als curricular, an Schule gebunden und mit messbarem Erfolg in Form von guten Noten begreift, verstellt den Blick auf das Internet als ein Bildungsmedium. D. h. auch bei den formal niedriger gebildeten jungen Menschen ist der Umgang mit dem Internet eine Art des Lernens, jedoch häufig nicht in bewusster Form. Sie nutzen das Internet zwar seltener explizit für Schule, Ausbildung oder Studium, informieren sich auch seltener über Politik und Gesellschaft, aber sie nutzen ebenfalls die Möglichkeiten einer digitalisierten Dienstleistungsgesellschaft und üben damit wichtige Modi gesellschaftlicher Teilhabe aus. Auch wenn das Internet vorrangig Kommunikations- und Unterhaltungsmedium ist, werden hier auch Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben. Nicht zuletzt wird Selbstverständlichkeit und Sicherheit im Umgang mit dem Netz sowie Vertrauen in eine digitalisierte Dienstleistungsgesellschaft ausgebaut. Dies sind wichtige und hilfreiche Voraussetzungen für eine Sicherung sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe in der Zukunft.

Internet-Aktivitäten – Bildung

Internet-Aktivitäten – Bildung

Relevanz von Online-Angeboten – Bildung

Relevanz von Online-Angeboten – Bildung

Auch in der Haltung zum Thema Sicherheit im Internet werden Bildungsunterschiede sichtbar. Jugendliche und junge Erwachsene mit formal mittlerer Bildung fühlen sich weniger gut über Sicherheit im Internet informiert. Je niedriger der formale Bildungsgrad, desto weniger umfangreich ist auch das Interesse an Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre und desto häufiger hat man das Gefühl, dass es nicht ausreichend Möglichkeiten gibt, sich über das Thema Sicherheit im Internet zu informieren.

Bildung und Sicherheitswahrnehmung

Bildung und Sicherheitswahrnehmung

Diese Unterschiede im Sicherheitsprofil werden flankiert von entsprechenden Unterschieden im jeweiligen Vertrauenskonzept. Nicht nur zeigen die formal niedriger Gebildeten größeres Vertrauen in kommerzielle Anbieter. Zugleich ist – bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen – auch das institutionelle Vertrauen (also das Vertrauen in Informationen von Verbraucherzentralen, Ämtern und Behörden, in den Rat der Polizei, in Tipps in Nachrichten und Fachzeitschriften sowie in Expertenmeinungen im Internet) negativ ausgeprägt. Das zum Teil „blinde“ Vertrauen, das Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit niedrigerem formalem Bildungsgrad kommerziellen Anbietern entgegenbringen, müssen sich staatliche und unabhängige Institutionen erst nach und nach erarbeiten. Die Vermutung liegt nahe, dass hier lebensweltspezifische Erfahrungen abseits der Online-Welt transferiert werden und Misstrauen, Benachteiligungsgefühle und Skepsis gegenüber institutionalisierten Autoritäten wirksam werden.

Bildung und Vertrauen – Facebook

Bildung und Vertrauen – Facebook

Bildung und Vertrauenskonzepte

Bildung und Vertrauenskonzepte

Lesebeispiel:
Formal niedriger gebildete Jugendliche und junge Erwachsene weisen ein unterdurchschnittliches institutionelles Vertrauen auf. Formal höher Gebildete weisen ein höheres institutionelles Vertrauen auf.