4.2.4 Skeptiker (10%)

Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung SkeptikerZielorientierte junge Internet-Nutzer mit kritischer Grundhaltung zu Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Die Skeptiker machen nur einen kleinen Teil der jungen Internet-Nutzer aus und haben einen lebensweltlichen Schwerpunkt im sozialökologischen Segment, der bis ins junge konservativ-bürgerliche Segment hineinreicht. Dieses U25-Internet-Milieu weist eine im Durchschnitt höhere formale Bildung auf, die Altersgruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind hier gleich stark vertreten.

Das Werteprofil ist vorrangig geprägt durch Gerechtigkeit und Gleichheit, Demokratie und Bildung sowie Toleranz und Nächstenliebe. Die Skeptiker präsentieren gern Ihre Meinung – diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen verfügen also über ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein und übernehmen gern die Meinungsführerschaft. In der Wahrnehmung anderer U25-Internet-Milieus gelten sie daher auch schon einmal als Mahner oder Nörgler, die auf Political Correctness oder Mülltrennung pochen, zum Radfahren ermahnen und die Dominanz der Märkte kritisieren.

In ihrer Freizeit sind sie häufig in klassische Formen der Freizeitgestaltung eingebunden: Vereinssport und Musikunterricht, Pfadfinder oder Engagements rund um Kirche, Umwelt, Gemeinwohl und Politik. Kulturell sind die Skeptiker vielseitig interessiert. Vor allem ihre Begeisterung für hochkulturelle Angebote, wie Theater, Museen oder klassische Konzerte, unterscheidet sie lebensweltlich von anderen U25-Internet-Milieus. Das liegt auch daran, dass die entsprechenden elterlichen Herkunftsmilieus eine frühe Auseinandersetzung mit solchen Angeboten fördern. Entsprechend gehören die Skeptiker im Bereich popkultureller Szenen nicht zu den Trendsettern der jungen Generation.

Die Skeptiker nutzen das Internet selbstverständlich und regelmäßig, aber täglich etwas seltener als Souveräne oder Pragmatische. Ihre Nutzung ist vielseitig, aber bei Aktivitäten rund um Spielen und Shopping sind sie unterrepräsentiert. Ebenso sind „sich einfach treiben lassen“, „chatten1 oder „Facebook nutzen“ bei ihnen weniger populär als in anderen U25-Internet-Milieus.

Ihre subjektive Internet-Kompetenz bewegt sich im Mittelfeld. Die Skeptiker zeigen sich hier zwar weniger selbstbewusst als Souveräne oder Pragmatische, sie fühlen sich jedoch deutlich kompetenter als Vorsichtige oder Verunsicherte. Auch wenn die Skeptiker für sich gern einen Experten-Status in Anspruch nehmen, offenbart sich mit Blick auf die Kompetenzen in Sachen Internet demnach also eine gewisse Zurückhaltung. Skeptiker fühlen sich beispielweise seltener gut über die Möglichkeiten zum Schutz ihrer Daten im Internet informiert als andere. Dennoch sehen sich rund 57 Prozent als gut oder sehr gut informiert.

Informationsdefizite sehen diese jungen Menschen eher als inhärente Probleme der Internet-Themen an sich als im eigenen Unvermögen – sie gehen davon aus, dass es sich hier um Themen handelt, die so komplex sind, dass sie für kaum jemanden konkret verstehbar sind. Häufiger als andere haben sie dementsprechend auch den Eindruck, dass es nicht möglich ist, sich über Sicherheit im Internet informieren zu können. Rund die Hälfte der Skeptiker stimmt außerdem zu, dass sich das eigene Sicherheitsgefühl seit dem Bekanntwerden der breiten Geheimdienstaktivität im Internet verschlechtert hat. Das wahrgenommene Sicherheitsrisiko ist für rund 35 Prozent der Skeptiker ein Grund, die Online-Zeit zu beschränken – im Vergleich zu 21 Prozent im Durchschnitt ein recht hoher Wert.

In diesem U25-Internet-Milieu gibt es kaum ein Interesse an Markenartikeln. Nicht nur bei elektronischen Geräten vertreten die Skeptiker die Auffassung, dass der Konsum nicht allein wegen vermeintlicher Trends und Moden unnötig weiter angeheizt werden sollte. Sie verzichten auch gern einmal ganz bewusst, um die Natur und ihre Ressourcen zu schonen und anderen mit gutem Beispiel voranzugehen.

Mit der Freude über kostenlose aktuelle Musik und Kinofilme im Internet sind die Skeptiker im Milieu-Vergleich eher zurückhaltend und berücksichtigen Fragen von Legalität und Illegalität stärker als Gleichaltrige. In dieses Bild fügt sich auch die Wahrnehmung ein, dass Urheberrechte geachtet werden müssen: Nur ein geringer Teil von ihnen vertritt die Auffassung, dass die Vermögen der Künstler das kostenlose Herunterladen ihrer Songs im Internet rechtfertigen. Die Skeptiker zählen noch am ehesten zu den expliziten Verfechtern des Urheberrechts – und kennen sich oft auch mit den entsprechenden Begrifflichkeiten aus, was sie wiederum von vielen Gleichaltrigen unterscheidet.

Gegenüber Online-Communitys positionieren sich die Skeptiker eher distanziert – „natürlich“ können sie sich ein Leben ohne Facebook vorstellen. Nutzungsgründe sind vor allem praktisch gelagert. Facebook ist für sie kaum Inszenierungsfläche oder Bühne, sondern vielmehr ein Organisationsinstrument. Die Skeptiker zählen auch zu den eher moderaten Netzwerkern. Sie konzentrieren sich vor allem, und zudem häufiger als Gleichaltrige, auf die Vernetzung mit Menschen, die sie auch persönlich kennen. Sie zählen zu den U25-Internet-Milieus, die gegenüber Facebook das ausgeprägteste Misstrauen hegen. In ihrer Wahrnehmung sind die Gewinnorientierung des Konzerns und die Lust an Voyeurismus deutlich prominenter als der individuelle Nutzen.

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Was sich am Beispiel der Haltung zu Online-Communitys bereits angedeutet hat, verfestigt sich in Bezug auf Sicherheit der eigenen Daten im Internet. Die Skeptiker geben sich diesbezüglich eher pessimistisch. Nur elf Prozent (im Durchschnitt der Altersgruppe sind es 40 Prozent) glauben, dass Daten im Internet sicher sind.

Die Risikowahrnehmung der Skeptiker konzentriert sich vor allem auf kriminelle Übergriffe und Verletzungen der Privatsphäre. Persönliche Verletzungen und Belästigung spielen aus ihrer Sicht eine eher marginale Rolle. Bei den angewandten Sicherheitsmaßnahmen verlassen sie sich eher nicht auf Software, also technische Lösungen, sondern setzen vor allem und zudem besonders ausgeprägt auf Datenkontrolle und manipulative Kontrolle (z. B. falsche bzw. irreführende persönliche Angaben). Skeptiker verlassen sich demnach also vor allem auf die Mechanismen, die sie selbst kontrollieren können bzw. selbst in der Hand haben.

Diese jungen Menschen zeigen, wie bereits erwähnt, ein ganz ausgeprägtes Interesse am Gemeinwohl. Zahlreiche Freizeitaktivitäten sind altruistisch geprägt – bewegen sich im Bereich des klassischen Ehrenamts oder Engagements. Stärker als andere fordern die Skeptiker daher auch verbindliche Regeln und Kontrollen, die die Nutzer schützen sowie weniger Eigenverantwortung im Umgang mit den Gefahren im Internet.

Vertrauen und Sicherheit

Vertrauen und Sicherheit

Gleichwohl gelten ihnen die Nutzer selbst auch als Schwachstelle in punkto Sicherheit im Internet. In ihrem Vertrauenskonzept weisen sie dem sozialen Vertrauen den niedrigsten Rang zu – zudem gilt der Rat von Freunden als überhaupt nicht verlässlich. Sich intuitiv leiten zu lassen oder schlicht auf die Gestaltung bestimmter Seiten zu achten, kommt für die Skeptiker ebenfalls nicht in Frage. Man verlässt sich auf Institutionen und den Rat nahestehender Personen aus der Familie oder auch von Lehrkräften.

Eine Zukunft ohne Internet ist für die jungen Skeptiker trotz aller Bedenken nicht vorstellbar. Stärker als andere fordern sie jedoch Regeln und Schutzmechanismen für den digitalen Raum. Sie begreifen das Netz nicht nur als Unterhaltungs- und Kommunikationsangebot, sondern als gesellschaftliche Sphäre mit Gestaltungsbedarf, die kritisch wahrgenommen und aufmerksam erfahren werden muss.

„Also ich hab‘ nen E-Reader. Ich hab‘ ihn wegen der Uni eigentlich, wegen der Texte da. Ich kenn‘ mich halt, ich lese nicht jeden einzelnen Text, und deswegen wusste ich eben immer nicht so genau: Soll ich den jetzt ausdrucken oder nicht? Und dann hab‘ ich nachgelesen und da heißt es, so ab 4000 Seiten ist ein E-Reader irgendwie ökologisch und ökonomisch besser. Dann hab‘ ich mir gedacht: Ich hol‘ mir so ein Ding.“ (18-24 Jahre, m)

„[…] dann noch der Strom für die ganze Scheiße, und ein Buch funktioniert auch ohne Strom. Also unsere Welt wird irgendwann einen tierischen Stromkollaps kriegen, die ganzen großen Kulturen sind eigentlich an irgendwelchen solchen Sachen verreckt, ob’s die Inkas waren, die Mayas oder ob’s die Chinesen waren oder die Hochkultur der Ägypter, da waren immer solche Sachen der Grund.“ (18-24 Jahre, m)

„Ich finde, es hat auch viel damit zu tun, was man dem Künstler für Respekt zollt. Also zum Beispiel wenn man alles einfach runterlädt, dann können die natürlich überhaupt nicht leben.“ (18-24 Jahre, w)

„Ich weiger‘ mich strikt, irgendwo bei Facebook oder Studi-VZ oder schießmich-tot was hochzuladen, ich benutze nicht WhatsApp oder sonst was, weil das sind alles Sachen, wo erstens die Daten alle gespeichert werden, also das ganze Netz ist ja ein riesiger Schwamm: Es saugt alles auf, es wird nichts gelöscht. Und das Problem ist, dass ja bei vielen Sachen wirklich der Datenschutz so untergehebelt wird, dass man nicht mehr die eigenen Rechte daran hat.“ (18-24 Jahre, m)

„Aber ich les‘ mir die Datenschutzbestimmungen eben immer ordentlich durch, und da, wo ich überhaupt angemeldet bin, sind sie halt so, dass ich sagen kann: Ja, damit komm‘ ich klar. Aber Facebook ist der allergrößte Rotz, und Myspace ist meiner Meinung nach noch schlimmer.“ (18-24 Jahre, m)

„Ansonsten ist es so, dass ich Facebook eigentlich nur nutze, um mit Nachrichten und in Gruppen zu schreiben, ich selbst schreibe nichts auf die Timeline und hab‘ auch ewig glaub‘ ich nichts draufgeschrieben. Also es ist immer irgendwie nur dazu da: Wann treffen wir uns? Und das geht eben über Facebook meistens am besten.“ (18-24 Jahre, m)

„Ich find‘ Google ganz gruselig. Also, dass die ja auch meine Suchanfragen abspeichern wollen oder den Schrott, also ich find‘ das gruselig.“ (18-24 Jahre, w)

„Ich vertrau‘ erst mal generell gar nichts. Ja, ein gewisser Zweifel gehört immer dazu in der heutigen Welt.“ (18-24 Jahre, m)

„Mich interessieren Handys gar nicht. Ich telefoniere und simse zwar, aber nur, wenn es sein muss. Telefonieren mache ich dann schon öfter als simsen. Aber Handys interessieren mich wirklich nicht. Ich habe auch selber kein Smartphone […].“

„Durch Seiten wie Facebook verlieren wir diese Rechte. Wir geben sie ja dadurch ab.“ (18-24 Jahre, w)

  1. Eingedeutschte Verwendung des aus dem Englischen stammenden Verbs „to chat – plaudern, sich unterhalten“. Häufige Verwendung im Zusammenhang mit Unterhaltungen, die im Internet/online stattfinden. []