8.1 Intensive Nutzung online verfügbarer kultureller Güter

Inhalte aus dem Internet zu beziehen, ohne dafür zu bezahlen, ist für junge Menschen selbstverständlich. Insbesondere zum Musikhören und zur Beschaffung von Musik nutzen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor allem YouTube sowie entsprechende Converter1 für das Herunterladen der Dateien, um diese offline weiter zu hören. Die qualitativen Befunde zeigen, dass das Konvertieren von Musikvideos und Abspeichern auf der eigenen Festplatte auch bei Kindern teilweise gängige Praxis ist. Alternativ wird gestreamt, d. h. es werden online Musik und Filme konsumiert. Ton- und Bildqualität sind dabei kaum von Bedeutung: Musik hören Kinder ab elf Jahren überwiegend über das Handy; Serien und Filme werden via YouTube angeschaut, auch wenn man sie dafür in zahlreiche Einzelteile zerlegen muss – Hauptsache man muss nichts bezahlen. Für die meisten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gilt: Man wäre zwar bereit, für eine Musik-CD Geld auszugeben, nicht aber für einzelne Musiktitel, die kostenfrei auf YouTube gehört werden können. Ein physisches Format (z. B. CD, DVD) gilt als wertiger, aber nicht als attraktiver.

Je routinierter und kompetenter sich die Befragten im Internet bewegen, desto eher werden Online-Unterhaltungsangebote traditionellen Medienangeboten wie z. B. Fernseh-Formaten vorgezogen. Ausnahmen bilden hier ausgewählte Filme, die, vor allem auf Grund von Spezialeffekten, im Kino geschaut werden „müssen“. Hierbei geht es um ein optimiertes Medienerlebnis, der Wert geistigen Eigentums wird hingegen sowohl bei Filmen wie auch bei Musik von fast keinem der Befragten der qualitativen Leitstudie aktiv zur Sprache gebracht – schon gar nicht als Begründung für die Notwendigkeit, für ein Produkt Geld auszugeben.

Mit zunehmendem Alter wird das Streamen2 und Herunterladen von Musik und Filmen immer häufiger in Anspruch genommen. Nahezu alle in der Tabelle auf der folgenden Seite aufgeführten Aktivitäten werden von den Kindern weniger genutzt als von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Lediglich online verfügbare Video- und Computerspiele haben für die 9- bis 13-Jährigen eine überdurchschnittlich große Bedeutung.

In allen Altersgruppen wird Musik am häufigsten gestreamt. Danach folgt das Hören von Musik per YouTube-Converter und Filesharing-Dienste3 wie BitTorrent. Nur jeder zehnte kauft Musikstücke im Internet. Ein analoges Bild ergibt sich bei Filmen. Auch sie werden am häufigsten gestreamt. Nur sechs Prozent laden darüber hinaus auch Filme auf Ihre Festplatten herunter.

Lesebeispiel für die nebenstehende Grafik:
69 Prozent der Gesamtheit der Befragten geben an, dass sie das Internet dazu nutzen, E-Mails zu verschicken oder zu empfangen. Die 9- bis 13-Jährigen liegen um 29 Prozentpunkte unter diesem Wert, die 18- bis 24-Jährigen dagegen um 16 Prozentpunkte über ihm.

Relevanz von Online-Aktivitäten

Relevanz von Online-Aktivitäten

Web 2.0 – ein Traum von übermorgen? Nur wenige stellen selbst Content zur Verfügung

Typisch ist unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine rezeptive Haltung – User-generated content4 produziert nur eine Minderheit. Das Hochladen von selbstgedrehten Filmen und Kinofilmen spielt nur für fünf bzw. vier Prozent der Befragten eine Rolle. Eine wesentlich größere Bedeutung hat für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene das Teilen von bereits zur Verfügung stehenden Angeboten im Internet.

Die qualitativen Ergebnisse zeigen, dass es vor allem unter den Kindern noch gängige Praxis ist, gebrannte CDs und DVDs auszutauschen. Ältere berichten davon kaum. Durch den privaten Tausch kopierter Computerspiele umgehen Kinder außerdem die (elterliche) Kontrolle, die beim Kauf der Spiele in bestimmten Fällen greifen würde.

  1. Mit Converter ist in diesem Fall ein Programm gemeint, welches das Herunterladen einzelner oder mehrerer Videos von der Video-Plattform YouTube ermöglicht. Die Videos werden während des Herunterladens in Dateien konvertiert, die auf dem Computer abgespeichert werden können. []
  2. Streaming meint ein Datenübertragungsverfahren, bei dem die Daten bereits während der Übertragung angesehen oder angehört werden können und nicht erst nach der vollständigen Übertragung. Des weiteren werden die Daten nicht auf dem jeweils genutzten Endgrät gespeichert. []
  3. Filesharing meint das direkte Weitergeben von Dateien zwischen Benutzern des Internets (meist) unter Verwendung eines Filesharing-Netzwerks. Dabei befinden sich die Dateien normalerweise auf den Computern der einzelnen Teilnehmer oder dedizierten Servern, von wo sie an interessierte Nutzer verteilt werden. Im Regelfall werden Dateien von den einzelnen Nutzern sowohl heruntergeladen als auch gleichzeitig für andere Netzwerkteilnehmer hochgeladen. []
  4. User-generated content (englisch für „nutzergenerierte Inhalte“) steht für Medieninhalte, die nicht vom Anbieter Web-Angebots, sondern von dessen Nutzern erstellt werden. []