5.3 Internet = Facebook?

Ein wesentlicher Bestandteil der (mobilen) Internet-Nutzung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Nutzung von Online-Communitys. In der Pubertät gewinnen diese stark an Bedeutung, weil sie auch Räume für altersspezifische Entwicklungsaufgaben bieten, insbesondere im Bereich des Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements.1

Die Befunde der quantitativen Befragung verdeutlichen die immense Bedeutung von Facebook innerhalb der täglichen Internet-Nutzung: 60 Prozent der befragten Facebook-Nutzer – dies sind 68 Prozent der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – betätigen sich jeden Tag in der Online-Community. Nur wenige Nutzer sind hingegen sporadisch bei Facebook. Der Anteil aller Befragten, die Facebook zwar nutzen, sich aber nur alle zwei Wochen oder ein Mal im Monat einloggen, liegt bei fünf Prozent. Obwohl die Online-Plattform eine Nutzer-Registrierung offiziell erst ab einem Lebensalter von 13 Jahren freigibt, sind auch Kinder bereits auf der Plattform angemeldet und aktiv, und zwar 36 Prozent von ihnen täglich.

Nutzungshäufigkeit von Facebook

Nutzungshäufigkeit von Facebook

Insbesondere für weibliche Befragte spielt Facebook eine wichtige Rolle. Sie nutzen diese Online-Community häufiger täglich als männliche Befragte. Eine detailliertere Alterskurve zeigt, dass im Alter von 16 Jahren der geschlechtsspezifische Unterschied hinsichtlich der Facebook-Nutzung am deutlichsten ausgeprägt ist: Während 77 Prozent der weiblichen Jugendlichen täglich auf Facebook aktiv sind, sind es nur 38 Prozent der männlichen Jugendlichen. Erst ab 18 Jahren gleicht sich das Nutzungsverhalten auf ein gemeinsames Niveau an.

„Wenn ich Schluss habe, gehe ich nach Hause, geh‘ erst einmal auf Facebook, zocke eine Runde, danach treffe ich mich mit Freunden, und am Abend gucke ich, was ich für die Schule auf habe, dann guck‘ ich fern und geh‘ pennen.“ (9-13 Jahre, m)

„Dass man sich halt irgendwie nackig fühlt. Hört sich doof an, aber irgendwas fehlt einem die ganze Zeit, wo man was machen kann und dann bei Facebook reingehen kann. Also es ist schon irgendwie komisch, ohne Handy irgendwo hin zu gehen.“ (14-17 Jahre, m)

„Wir alle sind jetzt fast jeden Tag bei Facebook drinnen und das ist ja schon eigentlich die Sucht, dass wir jeden Tag bei Facebook reingucken müssen. Das macht gleich süchtig.“ (14-17 Jahre, m)

Facebook: Altersspezifische Nutzung

Facebook: Altersspezifische Nutzung

WhatsApp wird zum wichtigen Kommunikationskanal online

Neben Facebook hat sich in kürzester Zeit auch der Messaging-Dienst WhatsApp zum täglichen Begleiter und wichtigen Kommunikationsmittel entwickelt2 – vor allem für die Jugendlichen ab 14 Jahren. Die App dient dem synchronen Austausch von Nachrichten, Ton- und (Bewegt-)Bildmaterial oder auch Links zwischen Personen, die ihre Kontakte gegenseitig im Telefonbuch abgespeichert und die App ebenfalls installiert haben, bzw. auch innerhalb von Gruppen. Auch mit WhatsApp befinden sich die Nutzer dauerhaft in Chat-Konversationen. Weil dieser Kommunikationskanal ständig auf Empfang ist, haben viele Jugendliche und junge Erwachsene, wie weiter oben erläutert, den Eindruck, ständig online zu sein. Die quantitative Befragung zeigt, dass der Messaging-Dienst nach Facebook und Google mittlerweile die drittwichtigste Internet-Anwendung für Jugendliche ab 14 Jahren geworden ist: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat das Gefühl, dass WhatsApp unentbehrlich für die alltägliche Kommunikation geworden ist.

Relevanz von Online-Angeboten

Relevanz von Online-Angeboten

30 Prozent der Kinder haben WhatsApp bereits auf ihren Smartphones installiert – auch wenn eine Nutzung seitens des Anbieters erst ab 16 Jahren offiziell freigegeben ist. Bei der Hälfte der Kinder, die die App nutzen, ist sie bereits fest in die alltägliche Kommunikation integriert. 72 Prozent der Jugendlichen und 70 Prozent der jungen Erwachsenen, die WhatsApp installiert haben, nutzen die App täglich.

Die qualitativen Befunde liefern Anhaltspunkte für diesen Trend: Messaging-Dienste wie WhatsApp oder die Facebook-App werden häufig im Vergleich zu Telefon-Angeboten gesehen. Im Unterschied zum Versenden von Nachrichten und Bildern via SMS und MMS verursachen diese Anwendungen keinerlei Kosten.

Nutzungshäufigkeit von WhatsApp

Nutzungshäufigkeit von WhatsApp

Die Alterseffekte bei der Nutzung von Facebook und WhatsApp entsprechen sich in etwa. Der detaillierte Altersverlauf zeigt genauer, dass in der Übergangsphase von der Kindheit zur Jugend die Verwendung von WhatsApp stark zunimmt. Von den 16-Jährigen wird der Messaging-Dienst am intensivsten genutzt. Außerdem zeigen sich hier gewisse geschlechtsspezifische Unterschiede: Im Alter von 16 Jahren kommunizieren 81 Prozent der befragten weiblichen Jugendlichen und 72 Prozent der männlichen Jugendlichen täglich über diesen Messaging-Dienst.

Altersspezifische Nutzung von WhatsApp

Altersspezifische Nutzung von WhatsApp

Facebook vs. WhatsApp – der Reiz des Neuen?

Ob WhatsApp Facebook zukünftig den Rang ablaufen wird, kann hier nicht beantwortet werden. Fest steht allerdings, dass WhatsApp anders gelagerte Kommunikationsbedürfnisse der jungen Menschen erfüllt. WhatsApp dient vor allem der (tages)aktuellen und direkten Kommunikation und wird dementsprechend häufiger als Facebook für Verabredungen, Gespräche über private Nachrichten und das Versenden von Fotos genutzt. Aktivitäten, die häufiger bei Facebook als bei WhatsApp stattfinden, sind demgegenüber eher ungerichtet – d. h. sie wenden sich nicht ausschließlich an einen bestimmten Empfänger – und deutlicher asynchron, d. h. es erfolgt keine direkte zeitliche Reaktion auf einen Kommunikationsimpuls.

Nutzungsunterschiede – Facebook vs. WhatsApp

Nutzungsunterschiede – Facebook vs. WhatsApp
Diese Einschätzung wird auch von den Befunden zur Häufigkeit der Nutzung beider Angebote gestützt. WhatsApp wird von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Regel täglich und nur in geringem Umfang seltener, sprich mehrmals pro Woche, genutzt. Bei Facebook ist die tägliche Nutzung geringer ausgeprägt, eine Nutzung mehrmals die Woche ist dagegen deutlich häufiger der Fall.

Nutzungshäufigkeit – Facebook vs. WhatsApp

Nutzungshäufigkeit – Facebook vs. WhatsApp

  1. Vgl.Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2011: Heranwachsen mit dem Social Web. Berlin. S.210-212. []
  2. WhatsApp Inc. wurde 2009 in Santa Clara, Kalifornien von Diana Chub gegründet und ist seit 2010 auch in Deutschland verfügbar. Erstmals im Juni 2013 veröffentlichte das Unternehmen aktuelle Nutzerzahlen im Wall Street Journal, wonach WhatsApp 250 Mio. Nutzer weltweit haben soll. Im August wurden zudem 20 Mio. Nutzer in Deutschland gegenüber dem US-Blog „AllThingsD“ bestätigt: http://allthingsd.com/20130806/the-quiet-mobile-giant-with-300m-active-users-whatsapp-adds-voice/ []