5.5 Die Eltern-Kind-Beziehung bei digitalen Themen

Die heutige junge Generation ist mit der Beziehung zu den eigenen Eltern mehrheitlich zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Die quantitative Erhebung zeigt, dass 90 Prozent der befragten Kinder und 88 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr zufrieden oder zufrieden sind. Damit ergibt sich prinzipiell eine gute Basis für eine vertrauensvolle Hinwendung zu den Eltern. Dementsprechend gelten sie Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen heute in aller Regel – wenn auch mit lebensweltspezifischen Unterschieden – als Vorbilder und wichtige Ansprechpartner in zahlreichen Fragen der Lebensplanung, wie beispielsweise der beruflichen Orientierung, aber auch in Fragen des Alltags. Von Grabenkämpfen zwischen den Generationen kann heute kaum mehr die Rede sein. Zwischen Eltern und Kindern herrscht häufig ein vor allem harmonisch geprägtes Verhältnis.

Das bedeutet allerdings auch, dass es (vor allem) für Jugendliche und junge Erwachsene heute schwierig ist, das alterstypische Bedürfnis nach Abgrenzung von den Eltern umzusetzen. Sie finden nur noch wenige Räume, in denen sie den Eltern unverständlich bleiben können und die sie als eigene Domänen besetzen können. Es sind noch am ehesten die Online-Communitys, die – zumindest bislang – als der Jugend vorbehaltene Räume betrachtet werden können. Sie gelten als die Territorien, die sich Jugendliche als erste und damit auch für eine gewisse Zeit für sich allein erschlossen haben. Auch hier zeichnen sich allerdings Veränderungen ab: Die beobachtbare Bewegung hin zum Messaging-Dienst WhatsApp beispielweise ist ein Stück weit auch darin begründet, dass mehr und mehr Eltern Facebook-Profile pflegen und diesen Raum dadurch – auch wenn sie auf eine Freundschaft mit den eigenen Kindern verzichten – entmystifizieren.

Aber auch abseits des Eindringens der Eltern in diese vermeintlich jugendlichen Bastionen ist die Nutzung digitaler Medien ein wichtiges Thema zwischen Eltern und ihren Kindern. Eltern scheinen in einer, zum Teil dauerhaften, Alarmbereitschaft mit Blick auf die Internet-Nutzung ihrer Kinder zu sein – häufig jedoch ohne zu wissen, was genau zu tun wäre.1 Diese Unsicherheit nehmen letztlich auch die oft schon größeren Kinder wahr: Eltern können oft nur schwer vermitteln, warum sie beständig zur Vorsicht im Umgang mit dem Internet mahnen. Solange die Kinder noch klein sind, akzeptieren sie bis zu einem gewissen Alter die gesetzten Regeln, auch wenn sie nicht nachvollziehen können, warum bestimmte Dinge verboten und andere erlaubt sind. Spätestens ab 14 Jahren betonen die Jugendlichen jedoch, dass ihnen die pauschalen Warnungen der Eltern nicht viel bedeuten und sie sich als deutlich überlegen hinsichtlich ihrer Internet-Kompetenz fühlen.

Zu fragen ist somit, bis zu welchem Zeitpunkt Eltern in der Lage sind, die Internet-Nutzung ihrer Kinder zu beeinflussen oder auch nur an dieser teilzuhaben, auf welche Weise dies geschieht, inwiefern sie als kompetente Ansprechpartner gehandelt werden und an welchen Stellen Eltern – aus Sicht ihrer Kinder – schlicht abgehängt werden. So wird aufgezeigt, wie sich heute ein digitaler Abnabelungsprozess vollzieht und inwieweit er mit der allgemeinen Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung korrespondiert.

Starke Reglementierung der Internet-Nutzung bei Kindern, Kontrolle nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab

Bei den Kindern nehmen die Eltern noch beträchtlichen Einfluss auf die Internet-Nutzung. 14 Prozent der befragten 9- bis 13-Jährigen nutzen das Internet überhaupt nicht, und 67 Prozent davon nennen als Grund dafür elterliche Verbote. Auch wenn Eltern den Kindern den Zugang zum Internet erlauben, kontrollieren sie, was wann und wie lange online passiert: Sie reglementieren sowohl Nutzungszeiten und -dauer als auch die genutzten Inhalte.

Zum einen fordern Eltern das Gespräch über die genutzten Inhalte aktiv ein, das zeigte vor allem die qualitative Erhebung. Zum anderen kontrollieren sie auch, welche Internet-Seiten frequentiert werden und stellen hierfür konkrete Regeln auf. Das zeigt sich am Beispiel der Nutzung von Online-Communitys: 68 Prozent der Kinder, die in keiner Online-Community angemeldet sind, geben als Grund dafür das elterliche Verbot an. Mädchen geben diesen Grund zudem deutlich häufiger an als Jungen: Während 75 Prozent der Mädchen aufgrund eines Verbots keine Online-Community nutzen, trifft dies für 63 Prozent der Jungen zu. Gründe dafür können sowohl eine höhere Regelkonformität bei den Mädchen selbst als auch ein stärker ausgeprägtes Schutzverhalten der Eltern gegenüber den Töchtern sein.

Gründe für die Nicht-Nutzung von Online-Communitys

Gründe für die Nicht-Nutzung von Online-Communitys

62 Prozent der Kinder, die bei Facebook angemeldet sind, werden dort von den Eltern beobachtet. Bei den Jugendlichen betrifft das noch 23 Prozent und für die jungen Erwachsenen gibt es diese Regel nur noch bei knapp sechs Prozent. Bei den Kindern ist die Kontrolle zudem am strengsten – insbesondere wenn es sich um Facebook handelt. Sind die Befragten bei einer anderen Online-Community angemeldet, so stehen ihre Aktivitäten dort weniger unter Beobachtung. Bei den 9- bis 13-Jährigen knüpft etwa ein Drittel der Eltern die Erlaubnis, ein Facebook-Profil anlegen zu dürfen, an die Bedingung, dass ihre Kinder sich mit ihnen dort „anfreunden“. Bei den Jugendlichen sind es nur noch knapp zehn Prozent und bei den jungen Erwachsenen noch fünf Prozent. Kinder sehen die Motivation in einem solchen Regelwerk in der Sorge der Eltern („die wollen, dass mir im Internet nichts passiert“), so das Ergebnis der qualitativen Erhebung. Die qualitativen Befunde liefern allerdings auch zahlreiche Beispiele, die verdeutlichen, wie Jugendliche und junge Erwachsene diese elterliche Kontrolle zu umgehen lernen, weil sie deren Begründungen nicht nachvollziehen können und auch nicht (mehr) glauben, dass ihre Eltern sie im Internet schützen können.

„Also meine Mutter war nicht da, dann haben wir meinen ganz normalen Namen angegeben. Dann kam meine Mutter, hat gesagt, das geht so nicht, dass ich auf Facebook bin – schon in der sechsten Klasse, […] dann hat mein Vater meinen Namen in Kalle Bolle umgeändert […]. Das fand ich halt total Scheiße. Und irgendwann habe ich halt das Passwort rausgefunden und dann habe ich meinen Account richtig gemacht.“ (9-13 Jahre, m)

Facebook-Mitgliedschaft als Kontrollmöglichkeit

Um die Internet-Nutzung der Kinder besser überblicken zu können, beginnen viele Eltern, die digitalen Räume ihrer Kinder zu „erobern“. So legen sie selbst Profile bei Facebook an oder nutzen WhatsApp, um zu prüfen, ob die zeitlichen Beschränkungen, die beispielsweise für die WhatsApp-Nutzung gesetzt werden, auch eingehalten werden. Im Zuge der Ausbreitung neuer Kommunikationswege hat sich auf diese Weise auch der Umgang der Eltern mit diesen verändert: Es kommt häufiger vor, dass Erziehung über Medienanwendungen läuft, um die Jugendlichen besser zu erreichen (z. B. wird die Bitte, endlich nach Hause zu kommen, über WhatsApp versendet). Doch die „Überwachung“ über Facebook und WhatsApp funktioniert aufgrund wachsender Kompetenzvorsprünge der Jugendlichen mit zunehmendem Alter kaum noch.

Ab 14 Jahren läuft das Online-Verhalten weitgehend in Eigenregie. Eltern setzen nur wenige Regeln – und wenn, können sie deren Einhaltung, in der Wahrnehmung der Jugendlichen, nicht überprüfen. Denn ab ca. 14 Jahren verfügen die meisten, wie die qualitativen Befunde zeigen, über ausgeklügelte Strategien, die Eltern „stumm zu schalten“ oder ihnen nur ausschnitthafte Einblicke in ihr Online-Leben zu gewähren – dies bleibt, in der Wahrnehmung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber von den Eltern meist unbemerkt.

Kontrolle der Facebook-Nutzung

Kontrolle der Facebook-Nutzung

Je älter die jungen Menschen werden, desto schwieriger wird es also, Verbote durchzusetzen: Unter den Jugendlichen, die keine Online-Community nutzen, sind nur noch 36 Prozent wegen eines Verbots ihrer Eltern nicht auf einer dieser Plattformen angemeldet. Die jungen Erwachsenen sind davon kaum mehr betroffen. Je besser die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gebildet sind, desto seltener kommt es allerdings vor, dass Eltern ein solches Verbot aufstellen: Während im formal niedrigen Bildungssegment 20 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in keinem Online-Netzwerk angemeldet sind, weil die Eltern es verboten haben, sind es im formal höheren Bildungssegment nur acht Prozent.

Ab 14 Jahren zeigen sich jedoch milieuspezifische Unterschiede: Am häufigsten greifen noch die Eltern der Verunsicherten darauf zurück, ihren Kindern die Nutzung von Online-Communitys zu untersagen (32 Prozent). Auch rund 18 Prozent der Vorsichtigen erfahren ein solches elterliches Verbot, wie auch 17 Prozent der wesentlich internetaffineren Pragmatischen.

„Manchmal bin ich einfach nicht müde und dann bleibe ich einfach wach und bin auf Facebook oder so. Meine Mutter sagt, so lange ich morgens aus dem Bett komme und mich auf die Schule konzentrieren kann, ist eigentlich alles in Ordnung.“ (9-13 Jahre, m)

„Ich muss [zu einer] bestimmten Zeit auch das Handy weglegen. Meine Mutter hat sich jetzt auch WhatsApp geholt, und sieht jetzt auch, wenn ich da noch abends on bin. Ich habe sie auch schon ein paar Mal geblockt, wenn ich mal noch länger aufgeblieben bin. Aber wenn sie noch sieht, dass ich noch on war, so eine halbe Stunde nachdem ich eigentlich schon längst im Bett sein sollte, dann kriege ich keinen Ärger, aber sie schreibt mir dann schon manchmal, dass ich jetzt endlich ins Bett gehen soll.“ (9-13 Jahre, m)

„Also ich habe keine Bilder drauf, wo man mich von vorne sieht. Das darf ich auch nicht. […] Und die [ihre Eltern] sind auch auf Facebook, deshalb können die das auch kontrollieren und so.“ (9-13 Jahre, w)

„Ein Kumpel hat seine Mutter angenommen, aber hat sie dann gleich erst mal auf die Blockierliste gesetzt, das macht ja auch keinen Sinn. Die muss ja einfach nicht alles sehen, was man da so liket2 .“ (14-17 Jahre, w)

Medienzeit kann man sich verdienen

Sowohl die qualitative als auch die quantitative Erhebung machen an verschiedenen Stellen deutlich, dass Eltern die Internet-Nutzung ihrer Kinder auch zeitlich beeinflussen. In der Regel geben Eltern einen zeitlichen Rahmen für die Internet-Nutzung insgesamt vor. Das Spektrum reicht dabei jedoch von strengen Vorgaben, deren Einhaltung auch überprüft wird, bis hin zu lockeren Vereinbarungen auf Vertrauensbasis.

Am Wochenende werden Kindern häufig umfangreichere Online-Zeit-Budgets gewährt als an Wochentagen. Aber Medienzeit können sich viele auch „verdienen“. Der Wunsch der Kinder, Zeit im Internet verbringen zu dürfen, wird genutzt, um zur Mithilfe im Haushalt oder guten schulischen Leistungen zu motivieren.

Die Online-Zeit unterliegt mit zunehmendem Alter jedoch der Eigenverantwortung, solange alltägliche Pflichten – wie beispielsweise Schulaufgaben und Haushaltsmithilfe – nicht verletzt werden. Die qualitativen Befunde veranschaulichen, dass sich die Vorgaben der Eltern bei den Jugendlichen eher auf inhaltliche Details wie das Hochladen von Fotos oder das Preisgeben einzelner Informationen beziehen. Eine strenge Restriktion der Online-Zeit gibt es bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht mehr. Die qualitativen Befunde zeigen aber, dass das Online-Verbot heute als größtmögliche Strafe wahrgenommen wird – es ist gewissermaßen der Hausarrest des digitalen Zeitalters.

„Ich kann es mir eigentlich aussuchen, ob ich jetzt drei Stunden am Computer hängen will oder drei Stunden am Fernsehen hängen will. Also ich kann es auch so machen: Eine Stunde am Fernsehen und eine Stunde am Computer. […] Meine Mutter meinte, das wäre besser für mich.“ (9-13 Jahre, m)

„Wir haben neuerdings ein Smiley-System angefangen. Das heißt, wenn ich irgendwas Haushaltsmäßiges mache, dann kriege ich einen Smiley. Und diesen Smiley kann ich dann für andere Aktionen eintauschen wie Computer oder Fernsehen. Das funktioniert auch ganz gut, weil… Ich weiß nicht. Da macht jeder was im Haushalt und wird letztendlich dafür belohnt. Oder noch eine halbe Stunde auf den Fußballplatz abends. Das ist eigentlich auch ganz cool.“ (9-13 Jahre, m)

„Direkt Einschränkungen nicht. Es ist natürlich schwer zu überprüfen, aber sie hätten Probleme damit, wenn ich den ganzen Tag damit spielen würde. Aber solange ich damit telefoniere, rumschreibe oder kommuniziere, dann ist das noch relativ okay. Nur halt spielen nicht. Aber wer weiß das schon?“ (14-17 Jahre, m)

„Nee, also eigentlich nicht. So manchmal kommt dann irgendwie so was ‚Leg’ doch mal das Handy weg‘ oder so, aber da drauf hört sowieso keiner.“ (14-17 Jahre, m)

„Also vor zwei Jahren oder so war das noch bei mir, dass es abends immer so war, dass meine Mama kontrolliert hat, ob ich überhaupt noch am Handy bin oder so. Mittlerweile ist es meiner Mama eigentlich auch egal, ob ich bis zwei Uhr morgens am Handy sitze. Ich muss morgens früh aufstehen und zur Schule, also von daher gibt’s da halt keine Verbote irgendwie so.“ (14-17 Jahre, w)

Kostenpflichtige Angebote sind Sache der Eltern

Die qualitative Erhebung zeigte deutlich, dass insbesondere der Umgang von Kindern mit kostenpflichtigen Inhalten im Internet durch die Eltern streng reglementiert wird. Zumeist wird es den befragten Kindern nicht erlaubt, online Geld selbstständig auszugeben. Außerdem fehlt es ihnen an eigenen finanziellen Mitteln und entsprechenden Instrumenten. Wenn Kinder etwas im Internet kaufen möchten, so bedarf dies des Einverständnisses der Eltern sowie deren Unterstützung. Online-Shopping-Portale wie Amazon oder Ebay zählen daher zu den Internet-Anwendungen, die erst ab 14 Jahren relevant werden. Jugendliche und junge Erwachsene haben häufig schon ein eigenes Regelwerk für sicheres Online-Shopping entwickelt. Das verdeutlichen die qualitativen Befunde. Tabu sind vor allem Seiten im außereuropäischen Ausland. Als vertrauenswürdig gelten beispielweise Seiten, bei denen man mit PayPal bezahlen kann.

Bei den Jugendlichen laufen die konkreten finanziellen Transaktionen häufig noch über die Eltern. Bei den jungen Erwachsenen greifen die Eltern in der Regel nur noch dann ein, wenn bereits etwas „schief gegangen“ ist – auch für Jugendliche trifft das teils zu. Dann handelt es sich zum Beispiel aber auch um einen gemeinsamen Lernprozess hinsichtlich des Umgangs mit Kreditkartendaten im Internet für Eltern und ihre Kinder, sprich: Auch die Eltern haben die Gefahren vorab nicht wahrgenommen.

„Also ich würde auch nur auf Seiten einkaufen, die ich halt auch kenne. So größere Seiten wie Amazon und Ebay und halt so was, wo man halt auch weiß, dass die … die man irgendwie auch kennt. Und wenn man der Seite jetzt nicht so vertraut, dann würde ich halt auch mit PayPal bezahlen, weil da halt das über PayPal geht und da man dann seine Kontonummer oder so nicht angeben muss. Und ansonsten, ja, hat man ja seine Erfahrungen auch damit gemacht und dass alles funktioniert bei so größeren Seiten, deswegen mache ich mir da auch keine Gedanken drüber.“ (14-17 Jahre, m)

„Nicht unbedingt irgendwelche chinesischen Seiten nehmen. Das dauert erstens vier Wochen, dann muss man noch Zoll bezahlen. Die meisten Sachen sollten aus Deutschland oder England kommen. Nicht unbedingt Asien. Das ist mir zu unsicher. Wie soll ich da bitte mein Geld zurückverlangen? Eine Riesenfirma verklage ich doch nicht wegen 50 Euro oder so.“ (14-17 Jahre, w)

„Alles, was so bezahltechnisch ist, geht über meinen Papa, also das mache nicht ich.“ (14-17 Jahre, w)

Eltern verlieren als Ansprechpartner bei Fragen zum Internet mit zunehmendem Alter ihrer Kinder an Glaubwürdigkeit

Wenn es um die Internet-Nutzung allgemein oder auch ganz konkret um Risiken im Internet geht, sind Eltern für die 9- bis 13-Jährigen neben den älteren Geschwistern die ersten Ansprechpartner. Mit zunehmendem Alter verliert der Rat der Eltern jedoch an Relevanz. Jugendliche und junge Erwachsene holen sich in Sachen Internet eher Rat bei ihren Freunden. Diese Verschiebung korrespondiert mit einer allgemein stärkeren Orientierung an der Peergroup in diesem Alter.

Zusätzlich wächst ab dem Alter von 14 Jahren aber auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet und die subjektive Internet-Kompetenz überschreitet zudem die den Eltern zugestandene Kompetenz. Knapp ein Drittel der Kinder nimmt an, sich online besser auszukennen als die Eltern. Aber schon 65 Prozent der Jugendlichen und 81 Prozent der jungen Erwachsenen haben voll und ganz oder eher das Gefühl, ihren Eltern bei digitalen Themen überlegen zu sein.

Die detaillierte Alterskurve zeigt, dass das Selbstvertrauen der Jugendlichen schon mit 17 Jahren einen ersten Höhepunkt erreicht.

Allerdings zeigt sich auch bei den 9- bis 13-Jährigen: Je mehr Zeit Kinder im Internet verbringen, desto selbstsicherer wird ihr Umgang damit. 65 Prozent der Kinder, die täglich online sind, bewerten ihre eigenen Internet-Kenntnisse mit sehr gut. Der Anteil der Kinder, die das Internet in diesem Alter jeden Tag nutzen, ist mit 22 Prozent jedoch vergleichsweise gering. Nutzen Kinder seltener als ein paar Mal pro Monat das Internet, bewertet knapp ein Drittel die eigenen Internet-Kenntnisse mit mangelhaft bzw. ungenügend. Nur knapp fünf Prozent der Kinder, die seltener als ein paar Mal pro Monat online sind, bewerten ihre Internet-Kenntnisse hingegen trotzdem mit sehr gut.

Altersunterschiede in der Internet-Kompetenz

Altersunterschiede in der Internet-Kompetenz

Entwicklung der Internet-Kompetenz

Entwicklung der Internet-Kompetenz

Im Gegensatz zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen wirkt sich die wahrgenommene hohe eigene Internet-Kompetenz bei Kindern nicht negativ auf die Rolle der Eltern als Ansprechpartner aus: Auch unter Kindern, die bereits täglich online sind, werden die Eltern als kompetente Ratgeber angesehen. Knapp 70 Prozent der 9- bis 13-Jährigen würden ihre Eltern um Rat oder Hilfe bitten, wenn sie Fragen zu digitalen Themen haben. Ein Drittel der befragten Kinder sucht jedes Mal das Gespräch mit den Eltern, wenn eine persönlich unbekannte Webseite aufgerufen wird.

Ratgeber im Kontext Internet

Ratgeber im Kontext Internet

Aus den qualitativen Befunden geht außerdem hervor, dass die Auseinandersetzung mit Online-Themen durch die Eltern vor allem von Jugendlichen häufig als unangenehm problemzentriert wahrgenommen wird. Gespräche mit den Eltern über das Internet bestehen – in der Wahrnehmung der Jugendlichen – hauptsächlich in pauschalen und eher oberflächlichen bzw. wenig konkreten Vorsichtsermahnungen. Eltern scheinen nur schlecht oder kaum begründen zu können, warum sie auf die Einhaltung bestimmter Regeln bei der Internet-Nutzung bestehen oder aufgrund welcher Risiken sie Warnungen aussprechen. Gespräche darüber, was in Sachen Internet Spaß macht und was es zu lernen lohnt, scheinen demgegenüber eher selten.

„Meistens sage ich das meiner Mama, wenn mich z. B. jemand gefragt hat, was meine Hobbys sind, oder wie ich heiße. Dann sage ich das und ich habe dort geantwortet ‚musst du nicht wissen‘ oder so.“ (9-13 Jahre, w)

„Wir hatten das Thema in der Familie und bei Ausflügen, mit der Polizei. […] Über Menschen, die in Chats böse sein können und das wir uns, außer wir kennen uns schon vorher, verabreden und wie man mit dem Internet so umgeht, […] Aber über Comedy-Videos lachen und sprechen wir auch!“ (9-13 Jahre, w)

„Also eigentlich wollen uns die Eltern schützen oder so, also sie wollen ja nur, dass uns nichts passiert, aber andererseits, keine Ahnung, irgendwie ist es auch ein bisschen blöd so mit den Regeln.“ (9-13 Jahre, w)

„Meine Mama sagt einfach nur, dass ich keine persönlichen Daten kundgeben soll.“ (14-17 Jahre, w)

„Das geht die [Eltern] gar nichts an, was ich im Internet mache.“ (14-17 Jahre, w)

„Ich hab‘ eigentlich mehr Erfahrung als meine Eltern.“ (14-17 Jahre, m)

Online-Zugang wird von den Eltern finanziert – mit Ausnahme des Smartphones

Eine wichtige Rolle übernehmen die Eltern sowohl für Kinder als auch für Jugendliche als Finanzierer des Internet-Zugangs. Vor allem Kinder müssen natürlich für den Internet-Anschluss zu Hause nicht selbst aufkommen und das gilt auch noch weitgehend für die Jugendlichen. Die quantitative Erhebung zeigt, dass nur zwei Prozent der Jugendlichen für den heimischen Internet-Anschluss finanziell aufkommen müssen. Bei den jungen Erwachsenen tragen schließlich knapp 40 Prozent die Kosten selbst.

Der Blick auf die detaillierte Alterskurve zeigt, dass Eltern mit dem Eintreten der Volljährigkeit ihrer Kinder beginnen, ihnen auch finanzielle Verantwortung zu übergeben: Mit 18 Jahren tragen elf Prozent die Kosten selbst. Dieser Trend nimmt dann kontinuierlich zu.

Finanzierung der Internet-Kosten

Finanzierung der Internet-Kosten

Welche Möglichkeiten haben die jungen Menschen heute, den Internet-Zugang selbst zu finanzieren? Ein Blick auf die verfügbaren finanziellen Budgets der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verdeutlicht die zu erwartenden signifikanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Zwei Drittel der befragten Kinder verfügt monatlich über ein Taschengeld in Höhe von 10 bis 29 Euro. Mit diesem finanziellen Budget sind 28 Prozent der Kinder sehr zufrieden oder eher zufrieden. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die noch zur Schule gehen, verfügt über 30 bis 100 Euro Taschengeld. Unter den jungen Erwachsenen, die noch zur Schule gehen, haben 17 Prozent monatlich 50 bis 100 Euro zur Verfügung, 39 Prozent sogar 100 Euro und mehr. Mit höherem Taschengeld geht dann aber sowohl bei Jugendlichen als auch bei jungen Erwachsenen, die noch die Schule besuchen, oft auch die Verantwortung einher, Kosten für die Internet-Nutzung selbst tragen zu müssen.

Verfügbares Budget – Alter

Verfügbares Budget – Alter

Verfügbares Budget – Bildung

Verfügbares Budget – Bildung

Unterschiede hinsichtlich des verfügbaren Budgets lassen sich vor allem mit Blick auf das formale Bildungsniveau aufzeigen. So bekommen 28 Prozent der formal niedrig gebildeten Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren 20 bis 29 Euro Taschengeld monatlich. Wohingegen nur zwölf Prozent der formal höher Gebildeten über diesen im Vergleich niedrigen Betrag verfügen. Demgegenüber haben 32 Prozent der formal höher Gebildeten 50 bis 99 Euro pro Monat zur Verfügung und nur sieben Prozent der formal niedriger Gebildeten.

Fest steht: Online sein zu können gilt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als zentrales Element gesellschaftlicher Teilhabe. Je niedriger jedoch der formale Bildungsgrad, desto eher müssen die Befragten die Internet-Kosten selbst tragen und desto niedriger sind auch die verfügbaren Budgets hierfür. Bei den formal höher Gebildeten wird der Anschluss bei 68 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von den Eltern getragen, bei formal niedriger Bildung nur bei 48 Prozent. Dieser Befund deutet an, dass sich Herkunftseffekte, die sich im formalen Bildungsniveau niederschlagen, auch in der digitalen Teilhabe zeigen – und zwar nicht hinsichtlich der Kompetenz und in den Nutzungsgewohnheiten, sondern auch in den Zugangsbedingungen selbst.

Dieser Trend lässt sich auch mit Blick auf die U25-Internet-Milieus beobachten. Die quantitative Erhebung zeigt, dass vor allem die Vorsichtigen und die Verunsicherten mit einem eher geringen Taschengeld von unter 20 Euro monatlich haushalten müssen. Trotzdem muss knapp ein Drittel der Vorsichtigen für den heimischen Internet-Zugang selbst zahlen. Auch ein gutes Viertel der Unbekümmerten (26 Prozent) muss finanzielle Verantwortung für den heimischen Internet-Anschluss übernehmen. Sie verfügen jedoch über umfangreichere Budgets (ein Drittel der Unbekümmerten erhält ein Taschengeld von 50 bis 99 Euro im Monat). Demgegenüber bekommt beispielweise ein Drittel der Pragmatischen ein Taschengeld von 100 Euro und mehr, doch auch von ihnen muss lediglich ein knappes Drittel den Internet-Anschluss selbst zahlen.

Internet-Kosten (zu Hause) – Alter und Bildung

Internet-Kosten (zu Hause) – Alter und Bildung

Was die Kosten für den Internet-Zugang auf dem Smartphone betrifft, so zeichnet sich ein deutlicherer Unterscheid zwischen den Altersgruppen ab. Auch hier zeigen die Befunde, dass Eltern ihren Kindern im Jugendalter zunehmend die finanzielle Verantwortung für die Kosten im Zusammenhang mit dem Smartphone übertragen. Unter den Jugendlichen bezahlen 30 Prozent die Kosten für ihren Internet-Zugang auf dem Smartphone selbst. Vier von fünf der 18- bis 24-Jährigen tragen die Kosten für ihr Mobiltelefon selbst – auch die Kosten für Datenpakete. Junge Erwachsene geben damit nach Kleidung am meisten Geld für ihr Smartphone aus. Betrachtet man die einzelnen Milieus, so zeigt sich, dass Jugendliche und junge Erwachsene milieuübergreifend für die Internet-Kosten des Smartphones selbst aufkommen müssen. Die Verantwortungsbedachten tragen am häufigsten die Kosten für das Smartphone selbst, die Unbekümmerten am seltensten.

Internet-Kosten (zu Hause) – Milieus

Internet-Kosten (zu Hause) – Milieus

Internet-Kosten (mobil) – Alter und Bildung

Internet-Kosten (mobil) – Alter und Bildung

Internet-Kosten (mobil) – Milieus

Internet-Kosten (mobil) – Milieus

  1. Vgl. dazu auch die öffentliche Debatte um und den Erfolg des Buches „Digitale Demenz“ des Autors Manfred Spitzer (Spitzer, Manfred 2012: Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. Droemer, München). Besprechung dazu in Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 10.9.2012: Manfred Spitzers „Digitale Demenz – Mein Kopf gehört mir. Online über http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/manfred-spitzers-digitale-demenz-mein-kopf-gehoert-mir-11883726.html (letzter Zugriff 11.12.2013). []
  2. Eingedeutschte Verwendung des aus dem Englischen stammenden Verbs „to likes.b./s.th.–jdn./etw. mögen“. Die Verwendung des Begriffs wurde vor allem durch die Facebook-Nutzung hervorgerufen. Die Plattform bietet den so genannten Like-Button d. h. die Gefällt-mir-Schaltfläche, mit welcher man Gefallen an z. B. einer Internet-Seite, einem Kommentar, einem Foto u. Ä. zum Ausdruck bringen kann. []