4.2.6 Vorsichtige (7%)

Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung VorsichtigeVorsichtig selektive junge Internet-Nutzer mit ausgeprägtem Risikobewusstsein und geringem Selbstvertrauen im Umgang mit Gefahren.

Etwa sieben Prozent der Internet-Nutzer zwischen 14 und 24 Jahren können in erster Linie als vorsichtig im Umgang mit dem Internet betrachtet werden. Ihre Sensibilität gegenüber möglichen Risiken im Internet ist so ausgeprägt, dass sie sich auf ihre Nutzungsintensität auswirkt – im Vergleich zum Durchschnitt nutzt nur ein etwa halb so großer Anteil das Internet täglich und rund 40 Prozent stimmen zu, aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos ihre Online-Zeit einzuschränken
(21 Prozent im Altersdurchschnitt). Die Vorsichtigen zählen zu den eher „unsichtbaren“ Internet-Nutzern und sind bei Anwendungen rund um Kommunikation und Unterhaltung (z. B. Facebook, Chatten, YouTube) zum Teil deutlich unterrepräsentiert.

Dieses U25-Internet-Milieu rekrutiert sich aus allen Altersgruppen und formalen Bildungsniveaus. Der lebensweltliche Schwerpunkt liegt jedoch klar im jungen bürgerlichen und hier eher im traditionell ausgerichteten Segment. Die subjektive Lebenszufriedenheit bewegt sich in dieser Gruppe im Mittelfeld – es gibt keine Bereiche auffälliger Zufrieden- oder Unzufriedenheit. „Ist doch alles gut so, wie es ist“, könnte ihr Motto lauten. In ihrer normativen Grundorientierung sind sie den Verantwortungsbedachten sehr ähnlich. Sie haben eine Affinität zu Werten rund um Familie, Traditionsbewusstsein, Sparsamkeit und Pflichtbewusstsein, Zusammenhalt und Zugehörigkeit. Diese jungen Menschen sind bei vielem eher am Rand dabei als mittendrin – eher Beobachter als Gestalter. Zukunftsentwürfe orientieren sich zum Teil recht deutlich an den biografischen Vorgaben der Eltern. Sie wünschen sich ein Leben in geordneten Bahnen ohne exzentrische Ausflüchte oder Experimente. Sie sind klar heimatorientiert und wenig mobil mit Blick auf Ausbildung und Berufseinstieg.

Ihre Teilhabe an der populären Jugendkultur fällt eher gering aus. Vor allem die digitalen Statusmarker – Profile in Online-Communitys, das Hochladen ausgewählter Bilder und aktives Inszenieren der eigenen Person – sowie der Besitz elektronischer Markenprodukte sind wenig relevant. Diese Bereiche werden häufig als zu schnelllebig und zu oberflächlich wahrgenommen. Die Vorsichtigen ziehen sich hier dann jedoch eher leise zurück, als offenkundig Kritik zu üben.

Zwar haben auch die Vorsichtigen in der Regel ein Profil bei Facebook, sie misstrauen dem Angebot jedoch ausdrücklich und geben an, gut darauf verzichten zu können. Die Vorsichtigen realisieren, dass Facebook heute zu einem jugendlichen Leben dazu gehört und sie sich schnell ins Abseits manövrieren, wenn sie verzichten. Aber sie integrieren die Online-Community nicht wirklich in ihre Alltagsroutine. Nur ein Viertel von ihnen nutzt Facebook täglich, im Vergleich zu 53 Prozent im Durchschnitt der 14- bis 24-Jährigen.

Bei den Vorsichtigen findet sich ein hoher Anteil von Personen, die die eigene Internet-Kompetenz als mangelhaft oder ungenügend bewerten. Dieser Anteil fällt zwar deutlich kleiner aus als bei den Verunsicherten1 (fünf Prozent bei den Vorsichtigen vs. 24 Prozent bei den Verunsicherten), aber der Unterschied zu anderen Gleichaltrigen und deren selbstbewusstem Umgang mit dem Internet ist groß. Für die Vorsichtigen ist auch weniger selbstverständlich, sich in der Online-Welt besser auszukennen als die Eltern.

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Die Vorsichtigen haben eine klare Einschätzung bezüglich Tauschen und Teilen im Netz: Was offline verboten ist, ist auch online nicht dadurch entschuldbar, dass es möglicherweise niemand mitbekommt. Kein anderes U25-Internet-Milieu verortet das „kostenlose“ Herunterladen von Inhalten über illegale Seiten im Netz so deutlich als Diebstahl. Die Vorsichtigen legen großen Wert darauf, genau zu wissen, ob es sich bei den betreffenden Aktivitäten um legale oder illegale Praktiken handelt. Im Zweifel verzichten sie eher. Auch die Achtung der Urheberrechte von Künstlern fordern sie stärker als andere Gleichaltrige.

Diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind sich mehrheitlich sicher, dass ihre Daten im Internet noch nicht missbraucht wurden – auch, weil es schlicht wenig Gelegenheit dazu gegeben hätte. In ihrer Wahrnehmung kontrollieren sie ihr Nutzungsverhalten umfangreich und versuchen Risiken und Gefahren zu vermeiden. Damit ist auch ihr Sicherheitsverhalten beschrieben: Die Vorsichtigen nutzen die Möglichkeiten der Datenkontrolle, die im Wesentlichen auf Verzicht basieren. Andere Kontrollfunktionen spielen keine Rolle.

Ihr Blick für Risiken ist deutlich ausgeprägt. Sie sehen das gesamte Spektrum möglicher Risikobündel mit Ausnahme von Belästigung (durch E-Mails), die sie explizit nicht als Risiko im Internet sehen. In diesem U25-Internet-Milieu haben auch populäre „Berichte von Betroffenen“ große Strahlkraft:

Vertrauen und Sicherheit

Vertrauen und Sicherheit

Übergriffe auf Minderjährige, die im Internet angesprochen wurden; Einbrüche, weil man gepostet hat, dass die Familie im Urlaub ist oder ungewollte Online-Einkäufe mit hohen finanziellen Kosten.

Eine Zukunft ohne Internet können sich diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Milieu-Vergleich noch am ehesten vorstellen. Nur 14 Prozent von ihnen stimmen voll und ganz zu, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, komplett offline zu sein (32 Prozent im Durchschnitt der Altersgruppe).

„Deswegen ist so dieses gesamte Internet, sage ich mal, relativ unsicher und relativ gefährlich.“ (14-17 Jahre, m)

„E-Mails checken. Also E-Mail, Twitter oder GMX. Das hasse ich eigentlich ziemlich. Ich geh‘ da jetzt nicht so häufig rein, nur alle paar Wochen, aber ich muss dann immer tausend E-Mails löschen, weil ich so viel Werbung auch bekomme oder Benachrichtigungen von Facebook, die total unnötig sind.“ (14-17 Jahre, m)

„Ich hab‘ kein Profilbild bei Facebook. Weil ich nicht will, dass man mich da gleich findet.“ (14-17 Jahre, m)

„Ich weiß nicht, ich bin nicht so oft bei Facebook, aber ich mag das nicht so. Nichts gegen euch, die viele Fotos haben.“ (14-17 Jahre, w)

„Ja, zumindest weil man sich damit nicht auskennt und dann möchte man ja… Man geht ja nicht irgendwie blindlings da irgendwie irgendwohin ins Internet und … weiß ich nicht. Also ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll. Ich habe einfach nur Angst davor, dass ich halt mich damit zu wenig auskenne, dass ich dann wirklich dafür zur Rechenschaft gezogen werde und wenn ich dann sage, ja, keine Ahnung davon gehabt, dann heißt es halt irgendwie selbst schuld.“ (18-24 Jahre, m)

„Bedenken, ja, schon. Ich habe eine Bachelor-Arbeit gelesen über die Gefahren von Facebook, und was da zum Teil hochkam, da schaudert es einen doch.“ (14-17 Jahre, m)

„Also E-Mail-Adresse oder Telefonnummer habe ich halt nicht angegeben, einfach um sich da zu schützen.“ (14-17 Jahre, w)

„Irgendwelche jungen Mädchen, die versuchen, ihren ersten Freund da zu finden und dann ist es so ein älterer Mann, der dann so tut, als wäre er jünger. Das ist halt gefährlich, weil keiner weiß, wer der andere wirklich ist. Man kann sich als jemand ganz anderes ausgeben.“ (14-17 Jahre, w)

„Also man kann sich ja dort auch ganz leicht mit falschem Namen und so anmelden. Und dann hört man ja auch von den ganzen Geschichten. Vergewaltigung und so was. Also hat man ja auch schon mitbekommen.“ (14-17 Jahre, m)

„Sobald man eine E-Mail kriegt und auf einen falschen Link klickt und dann zack hat man schnell einen Virus auf dem PC. Das kann ganz schön schnell gehen.“ (14-17 Jahre, w)

  1. Das DIVSI U25-Internet-Milieu der Verunsicherten wird im folgenden Kapitel vorgestellt. []