6.2 Geschlecht

Keine digitalen Gräben zwischen den Geschlechtern, aber deutliche Unterschiede in der Risiko- und Sicherheitswahrnehmung

Neben der Bildung ist das Geschlecht ein möglicher Ungleichheitsfaktor, sowohl hinsichtlich gesellschaftlicher Teilhabe als auch hinsichtlich der Teilhabe im Netz. Galt vor einigen Jahren noch, dass Offliner oder Digital Outsiders eher weiblich sind1, so zeigt sich bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass dieser Graben längst überwunden ist. Die weiblichen Befragten stehen ihren männlichen Altersgenossen in Sachen Internet-Nutzung in nichts nach. Abgesehen davon, dass männliche Jugendliche und junge Männer häufiger Online-Gaming betreiben als weibliche Jugendliche und junge Frauen, gibt es im Bereich der genutzten Angebote deutlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern. Unterschiede zeigen sich jedoch bei der selbst eingeschätzten Internet-Kompetenz und der Wahrnehmung von Risiken und Sicherheit im Internet.

Das subjektive Kompetenzgefälle, das sich hinsichtlich der formalen Bildungsunterschiede zu Ungunsten der formal niedriger Gebildeten abzeichnet, lässt sich ebenso zwischen den männlichen und weiblichen Nutzern – hier zu Ungunsten der Nutzerinnen – beobachten. Mädchen, weibliche Jugendliche und junge Frauen trauen sich im Netz weniger zu als die männlichen Altersgenossen. Das heißt nicht, dass weibliche Nutzer im Umgang mit dem Internet per se unsicher sind. Es verweist aber darauf, dass sich bei den formal niedriger gebildeten weiblichen Befragten Ungleichheitsfaktoren möglicherweise verschränken: Mädchen, weibliche Jugendliche und junge Frauen sind weniger gut über die Möglichkeiten des Datenschutzes im Internet informiert, interessieren sich weniger für die Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre und schränken häufiger als Jungen, männliche Jugendliche und junge Männer aufgrund der wahrgenommen Risiken ihre Online-Zeit ein.

Internet-Kompetenz und Sicherheitsempfinden

Internet-Kompetenz und Sicherheitsempfinden

Die Top-10-Risiken aus Sicht von weiblichen und männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterscheiden sich nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich ihrer Relevanz. Die Infizierung mit Schadprogrammen, die Weitergabe persönlicher Daten an Dritte, das Ausspionieren der persönlichen Daten und die Belästigung durch Spam-Mails gelten zwar sowohl bei weiblichen wie auch bei männlichen Befragten als Top-4-Risiken, weibliche Befragte nehmen diese Risiken jedoch etwas deutlicher wahr. Außerdem rangieren Beleidigung und Belästigung im Internet, Mobbing und Stalking bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen auf höheren Plätzen als bei den männlichen Befragten.

Insgesamt ist die tatsächliche Betroffenheit bei den einzelnen Risiken gering. Das Top-Risiko Viren wird jedoch nicht ohne Grund als solches eingestuft: Hier zeigt sich auch die größte Betroffenheit. Männliche Jugendliche und junge Männer sind dabei häufiger betroffen als weibliche Jugendliche und junge Frauen. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen gelten Viren – das hat die qualitative Vorstudie klar gezeigt – vor allem als „Jungenproblem“. Diese Bewertung ist rückgebunden an die Wahrnehmung – oder auch teils reale Erfahrung –, dass Schadprogramme vor allem über den Besuch von Erotik- oder Pornoseiten, aber auch durch Online-Gaming auf den eigenen Computer gelangen.

Top-10-Risiken im Internet

Top-10-Risiken im Internet

Risikowahrnehmung bei der Internet-Nutzung

Risikowahrnehmung bei der Internet-Nutzung

Negative Erfahrungen bei der Internet-Nutzung

Negative Erfahrungen bei der Internet-Nutzung

  1. Siehe dazu die im Zuge der DIVSI Milieu-Studie 2012 identifizierten Milieus der Digital Outsiders, welche jeweils einen Frauenanteil von 62 Prozent haben. Vgl. Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit 2012: DIVSI Milieu-Studie 2012. S. 127 und S. 143
    Vgl. dazu auch Gerhards/Mende 2009: Offliner: Ab 60-jährige Frauen bilden die Kerngruppe. Ergebnisse der ARD/ZDF-Offlinestudie 2009. Frankfurt/Main. S. 366 []