5.2 Online und Offline verschwimmen

Das Internet ist für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein mobiles Medium

Das Aufkommen von mobilen Geräten wie – allen voran – Smartphones, aber auch Tablets oder Spielekonsolen hat das Online-Sein vollkommen neu in den Alltag der Nutzer integriert. Das Smartphone ist für junge Menschen ein Begleiter für alle Lebenslagen geworden: Es ist Weg-Navigator, Organisationswerkzeug, Unterhaltungsmedium und Kommunikationsstandleitung zu den Freunden in einem. Sowohl in der qualitativen wie auch in der quantitativen Erhebung zeigt sich, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene deutlich weniger Zeit an Laptops oder stationären Computern verbringen – zugunsten von Smartphones. Rund 68 Prozent der Jugendlichen und 72 Prozent der jungen Erwachsenen, die das Internet täglich nutzen, verwenden dazu ihr Smartphone oder Handy. Auch bereits gut die Hälfte der Kinder, die das Internet täglich nutzen, ist jeden Tag mehrmals mit dem Smartphone online. Den stationären PC benutzen demgegenüber nur noch jeweils 18 Prozent der Jugendlichen, 19 Prozent der jungen Erwachsenen und 20 Prozent der Kinder für den täglichen Internet-Zugang.

Internet-Nutzung – Endgeräte

Internet-Nutzung – Endgeräte

Insbesondere bei den Kindern sind darüber hinaus Tablets auf dem Vormarsch: Zehn Prozent der 9- bis 13-Jährigen, die täglich das Internet nutzen (22 Prozent), verwenden dafür mehrmals täglich Tablet-Computer. Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren nutzen diese Geräte hingegen nur halb so häufig. Vorreiter sind die Kinder auch beim Zugang zum Internet über internetfähige Fernsehgeräte – auch wenn es sich hierbei nicht um einen mobilen Zugang handelt. Ein knappes Drittel dieser Altersgruppe surft mehrmals pro Tag über den Fernseher im Internet, während die Internet-Nutzung per Smart-TV unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen deutlich weniger verbreitet ist. Hier zeigt sich unter Umständen ein neuer Trend, der sich bei den Kindern bereits zu etablieren beginnt. Immerhin war 2012 bereits jeder zweite verkaufte Flachbildfernseher in Deutschland ein Smart-TV.1

Internet-Nutzung – Endgeräte (Kinder)

Internet-Nutzung – Endgeräte (Kinder)

Mädchen gehen besonders gern mobil ins Internet. Bei den 9- bis 13-Jährigen täglichen Internet-Nutzern verwenden 60 Prozent der Mädchen das Smartphone, um damit ins Internet zu gehen. Bei den Jungen sind es hingegen nur 41 Prozent. Und während 17 Prozent der Mädchen, die täglich online sind, ein Tablet nutzen, um im Internet zu surfen, machen dies nur sechs Prozent der Jungen. Aufgrund geringer Fallzahlen können diese Befunde lediglich als erste Trends, die eine weitere Überprüfung erfordern, betrachtet werden. Es scheint sich jedoch abzuzeichnen, dass Mädchen die noch vor einigen Jahren zu beobachtenden Defizite im Zusammenhang mit einer digitalen Teilhabe von Frauen längst aufgeholt haben.

„Laptop? Nicht mehr so oft, weil ich ja jetzt mit dem Handy ins Internet kann.“ (9-13 Jahre, w)

„Immer wenn ich auf den Bus oder die Bahn warte, bin ich eigentlich immer auf Facebook!“ (9-13 Jahre, m)

„Am meisten im Internet bin ich mit meinem Tablet, und – ja, damit bin ich meistens bei YouTube und guck‘ mir Videos an.“ (9-13 Jahre, m)

„Ich habe jetzt größtenteils […] mobiles Internet, weil ich viel unterwegs bin und dann viel surfe. Und dann habe ich auch noch einen kleineren Teil normales Internet, wenn ich zuhause bin und am Laptop bin.“ (14-17 Jahre, m)

Jugendliche und junge Erwachsene trennen kaum zwischen On- und Offline-Zeiten

Im Altersvergleich zeigt sich, dass das mobile Online-Sein (und dieses vor allem mit dem Smartphone) quantitativ vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene relevant ist. Ab 14 Jahren ist ein Leben „ohne“ für die meisten nicht mehr vorstellbar. Zwar ist das Smartphone auch schon für Kinder ab etwa elf Jahren zunehmend wichtig, zunächst allerdings – wie sich in der qualitativen Erhebung zeigte – vor allem für Telefonate, SMS, WhatsApp und Musik.

Durch die Verbreitung mobiler Endgeräte haben junge Menschen zunehmend den Eindruck, dauerhaft online zu sein. Im subjektiven Empfinden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die Grenzen zwischen Online- und Offline-Zeiten fließend (vgl. auch Kapitel 3, Definition: Online-Sein). Dieser subjektive Eindruck wird insbesondere dadurch genährt, dass man sich aus mobilen Apps2 wie der Facebook-App oder WhatsApp oftmals nicht explizit abmeldet, sondern im Bereitschaftsmodus für den Austausch von Nachrichten verweilt. Mit Smartphone oder Tablet ist man ständig verfügbar für den Chat-Modus. Die noch vor wenigen Jahren relevanten „Offline-Ankündigungen“ am Abend (z. B. „Hey Leute, ich geh gleich offline und werde schlafen“) scheinen nicht mehr zu existieren. Offline zu sein ist vielmehr ein Ausnahmezustand – eine Notsituation.

„Ich denke, dass man eigentlich immer online ist, immer sein Handy dabei hat.“ (14-17 Jahre, w)

„Man ist ja jetzt schon irgendwie fast die ganze Zeit irgendwie online und ich denke, dass es irgendwie noch krasser wird.“ (14-17 Jahre, w)

„[…] weil z. B. wenn ich jetzt bei WhatsApp schreibe, ich sage auch höchstens abends tschüss oder gute Nacht, aber so tagsüber sagt man sich ja nicht dann ständig tschüss. (18-24 Jahre, m)

„Also sobald ich morgens aufstehe, auf die Toilette gehe, bin ich kurz im Internet. Meist Facebook oder WhatsApp, und halt […] also ich bin eigentlich immer im Internet, außer wenn ich schlafe.“ (18-24 Jahre, m )

„Ich habe es immer an, also auf dem Handy, bin immer online.“ (18-24 Jahre, w)

„Ich bin eigentlich 24 Stunden online am Tag. Weil man bei WhatsApp und Kommunikations-Apps eigentlich immer Push-Notifications kriegt, das klingelt dann ja, da ist man ja die ganze Zeit verfügbar dadurch. Und auch wenn das Notebook aus ist, das Handy ist ja immer an […], es sei denn, der Akku ist leer.“ (18-24 Jahre, m)

  1. Vgl. Goldmedia Custom Research 2012 im Auftrag der BITKOM (n = 2.000); vgl. auch TFM Studie 2013: 20,4 Prozent der Smart-TV-Besitzer gehen tatsächlich mit ihrem Smart-TV ins Internet. []
  2. App ist die Kurzform von Applikation, also Anwendungsprogramm. Im deutschen Sprachraum wird die Abkürzung App seit dem Erscheinen des App Stores von Apple 2008 fast ausschließlich mit mobiler App gleichgesetzt, also Anwendungssoftware für Mobilgeräte wie Smartphones und Tablet-Computer. []