4.2.5 Verantwortungsbedachte (8%)

Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung VerantwortungsbedachteBodenständige, sicherheitsbedachte junge Internet-Nutzer. Moderates Netzwerk- und Konsumverhalten bei ausgeprägtem Gefahrenbewusstsein.

Verantwortungsbedachte junge Internet-Nutzer sind vor allem in den bürgerlich-traditionell geprägten Lebenswelten zu Hause. Weibliche und männliche Jugendliche bzw. junge Frauen und Männer sind in diesem U25-Internet-Milieu nahezu gleich verteilt. Die Unter-16- und Ab-20-Jährigen sind hier stärker vertreten als die Altersgruppen zwischen 16 und 20 Jahren.

Sie weisen eine für Jugendliche und junge Erwachsene insgesamt durchschnittliche regelmäßige Nutzungsdauer und -häufigkeit auf. Ihr Alltag ist, auch wenn sie sich vorsichtig im Netz bewegen, digitalisiert: 62 Prozent sind täglich online (im Vergleich zu 71 Prozent im Durchschnitt). Ihr Surfverhalten ist dabei eher selektiv. Sich einfach so durchs Netz treiben zu lassen, ist nicht typisch für diese Gruppe.

Vom Rummel um die angesagtesten elektronischen Markenprodukte grenzt sich dieses U25-Internet-Milieu eher ab. Dies zeigt sich auch in einer eher geringen Lifestyle-Orientierung dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Es muss nicht immer das Neueste und „Abgefahrenste“ sein – erst mal schauen, was die anderen machen und dann weitersehen, ist hier die Devise. Es besteht kaum Interesse daran, sich über Äußerlichkeiten zu produzieren oder sich innerhalb bestimmter jugendkultureller Szenen zu bewegen. Diese jungen Menschen verlassen sich gern auf Bewährtes und Erprobtes. Verantwortungsbedachte orientieren sich an bekannten Strukturen und Umfeldern und suchen Routinen, auf deren Abläufe sie sich verlassen können. Ihr Werteprofil ist geprägt durch traditionelle Tugendwerte wie Ordnung und Kontrolle, Gehorsam und Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Fairness, Verantwortung, Disziplin und Zuverlässigkeit. Dies zeigt sich auch daran, dass sie sich von ihren Eltern weniger abgrenzen, sondern sie vielmehr als Partner und Vorbilder in vielen Lebensbereichen betrachten.

Der natürlich gewachsene und lebensweltlich fest verankerte Respekt vor bestehenden Gesetzen und Regeln hält sie auch eher davon ab, dezidiert illegale oder rechtlich ungeklärte Aktivitäten rund ums Tauschen und Teilen im Internet zu praktizieren. Bedenkenloses Hoch- und Herunterladen von Dateien heißen sie deutlich seltener gut als Gleichaltrige und partizipieren an den Möglichkeiten zum kostenlosen Bezug kultureller Güter (Musik, Filme, Serien) geringer. Sicherheits- und Urheberrechtsfragen spielen bei den Verantwortungsbedachten eine größere Rolle als in anderen U25-Internet-Milieus.

Im Unterschied zu anderen U25-Internet-Milieus „fehlt“ ihnen die intrinsische Motivation zum kulturellen Online-Wilderer. In Sachen Kunst und Kultur orientieren sich diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Bewährtem und sind eher distanziert gegenüber Experimentellem und Neuem – sie greifen neue Musik, Filme oder Serien in der Regel dann auf, wenn sie bereits im Mainstream angekommen sind.

Gegenüber Facebook zeigen sich die Verantwortungsbedachten deutlich misstrauischer als die übrigen U25-Internet-Milieus. Ihr Netzwerkverhalten ist insgesamt eher durch Zurückhaltung geprägt – den alltagstauglichen Exhibitionismus und Voyeurismus in Online-Communitys lehnen sie ab. Sie zählen zu den Verfechtern von „kontrolliertem Spaß“ – die Auffassung, dass Facebook langweiliger wäre, wenn alle ihre persönlichen Daten besser schützen würden, teilen sie nicht. Für die Verantwortungsbedachten beginnt der Schutz der privaten Daten nicht erst bei heiklen und/oder intimen Informationen, sondern bei Angaben wie Wohnort oder Telefonnummer.

Sie konzentrieren sich beim Netzwerken eher darauf, die Kontakte der Offline-Welt online abzubilden, als eigene Online-Freundeskreise zu etablieren. Typischerweise sind die Freundeskreise der Verantwortungsbedachten zudem noch stärker analog organisiert: Sie wissen auch ohne Facebook, was bei den anderen los ist. Unter den Verantwortungsbedachten finden sich auch häufiger als in anderen U25-Internet-Milieus Facebook-Nichtnutzer. Gemeinschaft ist ein wichtiger Wert für diese jungen Menschen, sie suchen aber vor allem nach authentischen und unmittelbaren Erfahrungen sowie Räumen, in denen sie ganz sie selbst sein können. Sie haben wenig Interesse an einer öffentlichkeitswirksamen Inszenierung ihrer Person. Ihnen ist nicht daran gelegen, Freundeskreise in ihrer Quantität abzubilden, also möglichst viele „Freunde“ bei Facebook zu sammeln. Im Gegenteil wird hier besonders betont, sich auf die engen Freunde konzentrieren zu wollen.

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Die Verantwortungsbedachten sind insgesamt sehr stark für Risiken im Internet sensibilisiert: Verletzungen der Privatsphäre, Belästigung und insbesondere die Sicherheit der Daten betrachten sie als relevante persönliche Risiken. In ihrer Nutzung lassen sie sich von den Gefahren im Netz nicht vollständig abschrecken, aber sie plädieren für einen konsequent verantwortungsbewussten Umgang. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich bei Sicherheitsmaßnahmen besser auskennen als andere.

Die Verantwortung für Datenschutz und Datensicherheit verorten sie vor allem beim Staat und bei den Betreibern von Websites. Dementsprechend nimmt das institutionelle Vertrauen einen relativ hohen Stellenwert in ihrem Vertrauenskonzept ein. Sie fordern verbindliche Regeln und einen klaren Orientierungsrahmen. Sich auf die Einschätzungen von Freunden zu verlassen, ist aus Sicht der Verantwortungsbedachten eher ein unsicheres Unterfangen – wer weiß, ob die wirklich gut informiert sind.

Vertrauen und Sicherheit

Vertrauen und Sicherheit

Mit Blick auf ihre Sicherheitsbedenken verwundert es nicht, dass die Verantwortungsbedachten die Wahrscheinlichkeit eines zukünftig konsequent digitalisierten Alltags geringer einschätzen als andere Jugendliche und junge Erwachsene: Nur rund 20 Prozent stimmen zu, dass es zukünftig nicht mehr möglich sein wird, komplett offline zu sein (32 Prozent im Durchschnitt der Altersgruppe).

„Also was ich werden will, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall weiß ich, dass ich irgendwie ein festes Bein im Leben haben will, damit ich später meiner Familie auch was bieten kann.“ (18-24 Jahre, w)

„Später eine eigene Familie gründen.“ (18-24 Jahre, w)

„Ich möchte auch gern ein gesichertes Einkommen haben.“ (18-24 Jahre, m)

„Diese Tauschportale nutze ich gar nicht. Da habe ich Angst vor, dass die Polizei mich damit irgendwie verfolgt. Aber ich habe das auch noch nie genutzt oder mich damit auseinandergesetzt. Gerade deshalb.“ (18-24 Jahre, m)

„Ja, ich muss dazu sagen, ich kenne mich gar nicht so extrem mit Tauschportalen aus. Also mir sagt das jetzt auch gar nicht so richtig was. Weil ich mich damit auch nicht befasse oder auseinandersetze, habe ich da irgendwie auch gar keinen Konflikt.“ (18-24 Jahre, m)

„Wenn dir dein Freund sagt, das ist legal, nur weil er noch nicht erwischt wurde und das selbst nicht besser weiß … naja.“ (18-24 Jahre, m)

„Ich muss sagen, ich habe eigentlich so gut wie gar keine Apps. Also ich habe eigentlich die beiden Apps WhatsApp und Facebook und … Obwohl, doch, ich habe YouTube noch und die HVV-App. Ansonsten habe ich da nur so, weiß ich nicht, viele Spiele, glaube ich. Aber die benutze ich so gut wie nie. Und dann grenze ich das schon ein, mehr so auch in Amazon und Ebay und das war es schon.“ (18-24 Jahre, m)

[Freundschaftsanfrage bei Facebook] „Wenn ich eine Anfrage bekomme und ich sage, kenne ich nicht, dann frage ich jedes Mal: ‚Woher kennen wir uns denn?‘ Und dann in dem Moment muss er sich ja, oder sie sich ja an mich erinnern, weil ansonsten würde sie ja in dem Moment keine Anfrage schicken.“ (18-24 Jahre, m)

„Also ich mache gar keine Fotos von mir selbst rein. Deswegen habe ich das nicht, dass ich jemanden fragen muss. Also ich mag das nicht so. Ich mag auch nicht, so Fotos von mir rein zu machen.“ (18-24 Jahre, w)

[Sicherheitseinstellungen bei Facebook] „Aber ich möchte mich gar nicht so damit befassen. Eigentlich möchte ich das Ding haben, um evtl. mit Leuten zu schreiben oder mir auch irgendwelche Ereignisse anzugucken, wenn da einer Geburtstagsfeier hatte und ein paar witzige Bilder reingestellt hat und so. Ansonsten brauche ich das ja gar nicht und deswegen möchte ich mich da auch gar nicht so damit befassen, bei dem die Einstellungen und bei dem wieder die.“ (18-24 Jahre, m)

„Aber ich finde es noch mal ganz wichtig, weil wir haben ja auch darüber gesprochen, dass wir dann mal Bekanntschaften auch hinzufügen, die man jetzt hier kennengelernt hat. Aber ich möchte jetzt nicht unbedingt, dass jeder meine Telefonnummer z. B. hat und dann evtl. sogar Scherze damit macht, also dass man mich irgendwie nachts um 3 anruft und sagt, he.“ (18-24 Jahre, m)