4.2.2 Pragmatische (28%)

Kurzbeschreibung PragmatischeLeistungsorientierte und zielstrebige junge Internet-Profis. Selbstverständlich digital vernetzt, konsum- und trendorientiert.

Die Pragmatischen bilden das größte U25-Internet-Milieu der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Weibliche und männliche Jugendliche bzw. junge Frauen und Männer sind hier nahezu gleich stark vertreten, wie auch alle Altersgruppen zwischen 14 und 24 Jahren. Formal höher Gebildete sind in diesem U25-Internet-Milieu allerdings deutlich stärker repräsentiert als Jugendliche und junge Erwachsene mittlerer und niedriger formaler Bildungsniveaus. Ihr lebensweltlicher Schwerpunkt liegt in der modernen, bürgerlichen jungen Mitte der Gesellschaft, die durch eine hohe Anpassungsbereitschaft einerseits und bereitwillige Leistungsorientierung andererseits gekennzeichnet ist.

Die Pragmatischen gehören zu den Zufriedensten unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen: An der Beziehung zu Freunden, zu den Eltern, an den schulischen Leistungen oder am eigenen Aussehen hat im Vergleich zu Gleichaltrigen in anderen U25-Internet-Milieus kaum jemand etwas zu bemängeln. Dieser Befund passt zur eher liberalen und auf Eigenverantwortung abzielenden Grundorientierung der Pragmatischen. Ihr Motto könnte lauten: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Sie pochen darauf, dass jeder erreichen kann, was er will, wenn er nur will.

Mit dieser Einstellung stellen sie sich den Herausforderungen der modernen Leistungsgesellschaft. Sie setzen sich früh klare Ziele – ein erfüllender Job, ein sicheres Einkommen, eine glückliche Familie und moderater Luxus – und arbeiten diszipliniert auf deren Erreichen hin. Diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollen im Leben viel erreichen, aber dabei doch eher an- als weiterkommen. Pragmatische streben damit eine modernisierte Variante der bürgerlichen Normalbiografie an, die ihre Entsprechung auch im dominanten Werteprofil findet. Neben bürgerlichen Tugendwerten, wie Pünktlichkeit und Fleiß, Vertrauen und Bodenständigkeit, sind auch moderne und hedonistische Werte relevant: Sie möchten Spaß haben und das Leben genießen, wünschen sich die Freiheit, zumindest für eine Weile tun zu können, was sie möchten und stellen sich offen neuen Herausforderungen.

Pragmatische pflegen einen selbstverständlichen Umgang mit dem Internet und fühlen sich gut informiert über Gefahren und Risiken. Sie attestieren sich selbst überdurchschnittlich häufig sehr gute und gute Internet-Kenntnisse und fühlen sich dabei in der Regel auch den Eltern einen Schritt voraus. Sie sind täglich online, aber im Vergleich zu den Souveränen, deren Vertreter einen ähnlich großen Anteil an den 14- bis 24-Jährigen ausmachen (26 Prozent), verbringen sie deutlich weniger Zeit im Netz. Sie pflegen eher einen gemäßigten Umgang und zählen nicht zu den Intensiv-Nutzern. Ihr Online-Verhalten ist vielseitig; Kommunikation, Unterhaltung und Konsum spielen jedoch eine größere Rolle als Information bzw. Bildung.

Sie haben Spaß daran, im Online-Kontext neue Anwendungen und Geräte zu entdecken und sie sich frühzeitig anzueignen. Sie gehören zwar nicht zu den Trendsettern oder „Early-Adoptern“, aber sie sind diejenigen, die Trends massentauglich machen. Ihnen liegt viel an der Teilhabe am popkulturellen Mainstream und den Trends der modernen Freizeitkultur. Pragmatische bilden den jungen modernen Mainstream, der mitbestimmt, welche Trends sich tatsächlich durchsetzen.

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Vernetzung und Austausch über Online-Communitys, vor allem Facebook, ist für die Pragmatischen selbstverständlich. Sie können sich ein Leben ohne Online-Communitys am wenigsten vorstellen: „Facebook checken“ gehört zum Alltag wie Zähneputzen. WhatsApp hat jedoch mindestens eine ebenso große Bindekraft entwickelt und wird zunehmend populärer. Hier finden Jugendliche und junge Erwachsene letztlich auch die vor Eltern und anderen Erwachsenen oder sonstigen kontrollierenden Instanzen geschützten Räume, die nach und nach rar werden.

Die Pragmatischen haben das Gefühl, über die Möglichkeiten zum Datenschutz und zum Schutz der Privatsphäre im Internet gut informiert zu sein. Sie schätzen die diesbezüglichen Risiken im Vergleich der U25-Internet-Milieus jedoch auch als am geringsten ein und zeigen sich im Milieu- Vergleich am zufriedensten mit den Möglichkeiten, in Online-Communitys wie Facebook die Privatsphäre schützen zu können. Sie nutzen jedoch auch insgesamt ein breites Spektrum an Sicherheitsmaßnahmen, von aktiver Daten- über Software- bis hin zur Passwort-Kontrolle.1

Die Pragmatischen glauben an Datensicherheit im Internet. 61 Prozent gehen davon aus, dass ihre Daten im Internet sicher oder sehr sicher sind (40 Prozent im Durchschnitt der befragten 14- bis 24-Jährigen). Sie vermuten die größten Risiken bei persönlichen Verletzungen – also einem Bereich, der technisch nicht kontrollierbar ist und auch stärker außerhalb der eigenen Kontrollmöglichkeiten liegt. Das Risiko im Internet stellen aus Sicht der Pragmatischen dementsprechend vor allem „die Anderen“ dar. Auch hier zeigt sich ihre Betonung von Eigenverantwortung. Pragmatische plädieren dafür, dass sich prinzipiell jeder selber informieren und das eigene Verhalten online kontrollieren muss – insbesondere auch, um andere nicht zu gefährden.

Vertrauen und Sicherheit

Vertrauen und Sicherheit

Das Vertrauenskonzept der Pragmatischen strukturiert sich um institutionelles, soziales und inhaltsorientiertes Vertrauen2 und ist damit recht breit aufgestellt.

Wenngleich Jugendliche und junge Erwachsene insgesamt in recht hoher Zahl davon überzeugt sind, dass ihre Daten aus den Online-Communitys weitergegeben werden, findet sich unter den Pragmatischen im Milieu-Vergleich ein größerer Anteil, der das nicht wahrhaben will. Die Pragmatischen zeigen insgesamt ein enorm hohes Vertrauen in das Unternehmen Facebook – das höchste im Milieu-Vergleich. Häufiger als andere Jugendliche und junge Erwachsene stimmen sie zu, dass mehr Datenschutz in sozialen Online-Communitys letztlich zu mehr Langeweile führen würde.

Die Pragmatischen nutzen gern die Möglichkeiten, kostenlos Dateien (z. B. Musik) im Internet herunterzuladen. Sie freuen sich, dass es hier Dinge umsonst gibt und investieren das gesparte Geld dann lieber an anderer Stelle. In diesem Milieu findet sich ein vergleichsweise hoher Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die davon ausgehen, dass Musiker genug Geld verdienen und man deshalb auch kein schlechtes Gewissen beim Herunterladen haben muss.

Eine Zukunft ohne Internet können sich in diesem U25-Internet-Milieu die Wenigsten vorstellen. Eine Veränderung der Nutzungsgewohnheiten und vor allem auch -möglichkeiten halten sie allerdings für wahrscheinlich und absehbar. Sie blicken mit Freude und Spannung auf die Zukunft ihres digitalen Alltags.

„Ich habe es immer an, also auf dem Handy bin ich immer online.“ (18-24 Jahre, m)

„Das ist ja nicht gut. Das lenkt auch ab. Vielleicht will man was für die Schule oder Uni oder so machen und dann hat man es trotzdem meistens immer irgendwie offen und dann schreibt einer und dann wird man abgelenkt.“ (18-24 Jahre, m)

„Beim Essen geht kein Handy. Aber sonst sollte man auch in der Schule sein Handy aushaben, aber da hat auch jeder sein Handy an und kommuniziert die ganze Zeit rum.“ (14-17 Jahre, m)

„Und im Moment nutze ich auch viel Spotify. Aber da eher so die kostenfreie Variante. Und das ist aber dann ja nur stationär, also nur am Computer dann. Und für Musik mitnehmen oder auf Geräte spielen habe ich dann diesen Converter von YouTube.“ (18-24 Jahre, m)

„Aber ich sehe das immer so, auf YouTube ist das veröffentlicht. Und wenn im Radio die gleiche Musik laufen würde und ich es einfach aufnehmen würde, hätte ich ja auch die Musik. Also im Prinzip.“ (18-24 Jahre, m)

„Aber wenn man dann jetzt auf unseriöse Seiten geht wie Jamba oder keine Ahnung, was es da alles noch so gibt, dann ist es klar, dass da meistens Kostenfallen oder Viren oder so enthalten sind.“ (18-24 Jahre, m)

  1. Zur Erläuterung der verschiedenen Kontrollbegriffe siehe Kapitel 9.“ []
  2. Zur Erläuterung der verschiedenen Kontrollbegriffe siehe Kapitel 9. []