Aktive und passive Beteiligung

Eine häufig genannte Differenzierung ist die von „aktiver“ und „passiver“ Beteiligung im Internet. Weil für manche schon die bloße Nutzung – als „Teilnahme“ am Medium – eine Form der Beteiligung im Internet darstellt, differenzieren die Nutzer unterschiedliche Aktivitätsgrade. Damit kommt die zuvor genannte aktive Dimension der Beteiligung erneut zum Tragen. Die reine Nutzung, das Aufnehmen von Informationen oder die Inanspruchnahme von Diensten, ein bloßes „Herumsurfen“ stellt demnach eine Form „passiver Beteiligung“ dar. Die Nutzer sind irgendwie „dabei“, sind Teil ihrer digitalen Lebenswelt, ohne aber selbst etwas zu dieser beizutragen.

„Das ist die passive Beteiligung. Also Nutzen. Ich hole mir nur das raus, was ich brauche.“

„Ich beteilige mich im Internet in der Form, dass ich ‚nur‘ Nutzen aus dem Netz ziehe. Es ist quasi auch nur eine passive Beteiligung.“

„Ich würde sagen, ich war im Internet beteiligt, da ich in den letzten Tagen nur aus Langeweile gesurft habe und nichts Weltbewegendes gemacht oder gesucht habe.“

Durch die passive Beteiligung wird die digitale Lebenswelt also nicht erweitert, es kommen keine neuen Informationen oder Angebote hinzu. Dennoch ist die passive Beteiligung in der Sicht der Nutzer nicht von einer Verantwortungsübernahme zu trennen. Denn schon allein durch die Nutzung des Mediums und seiner Angebote tragen die „passiv Beteiligten“ dazu bei, dass diese bestehen können, dass es diese gibt. Ohne Leser demnach kein Spiegel Online oder Facebook, ohne Käufer kein Amazon oder eBay.

„Ich finde, man ist immer dann beteiligt, wenn man, wie z.B. bei einem Computer, auf das Internetsymbol klickt. Weswegen ich die letzten Tage am Internet beteiligt war, ja. Ob ich engagiert war, würde ich mal nicht behaupten. Aber ich habe mich aktiv am Internet beteiligt und Lieder und Videos meinen Mitmenschen präsentiert, indem ich sie geteilt habe.“

Aktive Beteiligung ist dagegen nicht nur – wie der Name schon sagt – aktiver, sie ist auch durch einen höheren Aufwand, einen höheren Ressourceneinsatz und durch einen höheren Grad der Verantwortung geprägt. Aktiv Beteiligte tragen etwas zum Internet bei – oft indirekt, indem sie etwas zu einer Sache, einem Anliegen beitragen. Kommentare in einem Forum können etwa eine Diskussion voranbringen, sie machen zugleich das Forum interessanter, wertvoller – und damit zu einem winzigen Teil auch das Internet.

„Wenn ich mir jetzt auf irgendwelchen Seiten nur irgendwelche Informationen hole, dann beteilige ich mich nicht. Damit sich jemand beteiligt, da müsste man bloggen, müsste in solchen Foren anderen Hilfestellung geben, müsste versuchen, in irgendeiner Art und Weise Spenden zu sammeln, also in irgendeiner Weise im Netz aktiv sein. Das verstehe ich unter Beteiligung.“

Sehr vereinfacht ließe sich sagen: Alles, was mehr als eine bloße Nutzung des Internets ist, ein Rezipieren der vorhandenen Angebote, ist für die Nutzer also eine aktive Beteiligung im Internet. Kommentieren, „Liken“, Teilen, Hochladen – alles Formen aktiver Beteiligung. Doch es besteht ein Graubereich zwischen aktiver und passiver Beteiligung: Vor allem die Durchführung kommerzieller Transaktionen lässt sich nicht eindeutig der einen oder anderen Seite zuordnen. Online-Shopping oder -Banking sind zwar „aktiver“ als das Lesen eines Informationsangebots. Gleichzeitig wird aber nur ein ohnehin bestehendes Angebot wahrgenommen. Es entsteht im Internet nichts Neues. 

„Wenn ich mich auf einer Seite anmelde, weil ich darauf etwas lesen will, dann bin ich eine absolut passive Partei. Wenn ich mich anmelde und selbst etwas reinschreibe, dann bin ich aktiv.“

In diesem Punkt zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den befragten Internet-Milieus. Für manche wäre Online-Shopping bereits eine viel zu aktive Form der Beteiligung im Internet, die sie – aus verschiedenen Gründen – nie wahrnehmen würden. Für andere ist Online-Shopping der zentrale Bestandteil ihrer Beteiligung im Internet. Quer durch alle Internet-Milieus finden sich aber auch Befragte, die auf den kreativen, produktiven Teil einer aktiven Beteiligung Wert legen: Aktiv Beteiligte müssen demnach etwas Eigenes beitragen, etwas schaffen oder ergänzen oder verändern. Dieses Verständnis ist nahe am eingangs erwähnten Verständnis in der wissenschaftlichen Literatur.