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Die Unbekümmerten Hedonisten nutzen das Internet insbesondere für konsumtive, unterhaltungsorientierte Zwecke. Anwendungen wie „Gamen“ („Zocken“) und Shoppen stehen im Zentrum der Nutzung. Vertreter des Milieus bevorzugen Kommunikation in abgeschlossenen, kleinen Gruppen, auf sozialen Netzwerken (vor allem Facebook) oder interpersonelle Kommunikation. Im Vergleich zu den anderen Milieus der Digital Natives weist das Feld der Gesundheit eine relativ hohe Bedeutung auf. Möglicherweise, weil hier lebensweltliche, alltagsnahe Herausforderungen adressiert werden können. Auch in kommerziellen und kulturellen Kontexten beteiligen sich die Unbekümmerten Hedonisten – in aller Regel jedoch sehr konsumnah. Politische und zivilgesellschaftliche Beteiligung sowie Engagement im Bildungsbereich spielen hingegen kaum eine Rolle.

„Ich bin sehr auf Facebook engagiert. Dort informiere ich darüber, was mich momentan bewegt und was mich momentan stört!“

Beteiligung in der Wirtschaft

In diesem Milieu spielen Auktions- und Verkaufsplattformen wie eBay, Amazon oder mobile.de eine wichtige Rolle. Mehrere Vertreter des Milieus stellen regelmäßig Dinge zum Verkauf bereit und eröffnen sich so Möglichkeiten für einen Nebenerwerb. Auch die Teilnahme an Umfragen oder Wettbewerben nehmen die Unbekümmerten Hedonisten gerne als Chance für einen Zuverdienst wahr. Da die aktive Nutzung von eBay, der Verkauf von Produkten relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordert, wird dies schon als eine starke Form der Beteiligung oder gar als Engagement betrachtet.

„Ja, eBay, Mobile.de, Amazon, so was. […] Doch, ich habe meinen Roller da reingestellt, war also dadurch beteiligt.“

„Dass man überhaupt erst mal was anbietet auf der Plattform, das ist Engagement. Aber wie kann man denn bei eBay ohne Engagement dabei sein?“

Im Rahmen des Konsums werden immer wieder auch Formen der Beurteilung oder Kritik eingesetzt, um Anbietern ein Feedback zu geben und anderen Nutzern Empfehlungen. Produktbewertungen auf Amazon werden daher auch als Engagement gewertet.

„Amazon. Bestes Beispiel, weil man sich durch die persönliche Bewertung eines Produktes engagiert. Man kann seine Bewertung sogar im Nachhinein zum Positiven oder Negativen dazu, schreiben.“

Beteiligung in der Kultur

Unbekümmerte Hedonisten nutzen relativ intensiv Online-Foren, um ihren Interessen nachzugehen. Je nach Hobby des Nutzers kann so eine Beteiligung oder ein Engagement zu sehr unterschiedlichen Interessen entstehen – wie Sport, Haustiere, Musik oder Automobile. Aktive Nutzer von Foren verbringen relativ viel Zeit in diesen Communitys und bringen sich auch in diversen Online-Diskussionen aktiv ein.

Abbildung 13: Bildassoziationen der Unbekümmerten Hedonisten mit Beteiligung im Internet

Abbildung 13: Bildassoziationen der Unbekümmerten Hedonisten mit Beteiligung im Internet

„Ja, unser Kater ist an einem Virus gestorben, und der war halt vier Monate, und deswegen bin ich da drauf gekommen, habe mich halt ausgetauscht mit anderen, die es auch so ähnlich hatten, und habe mich mit denen da ausgetauscht, was man dagegen machen könnte.“

„Ich bin sehr viel in Autoforen unterwegs, wo man halt auch sehr schnell eine große Masse an Menschen erreicht. Wenn man z.B. ein bestimmtes Teil braucht. Ich habe so seltene Fahrzeuge, wenn ich da ein Teil brauche, da habe ich früher ewig gebraucht, das über Spezialhändler zu bekommen. Erübrigt sich jetzt alles, indem ich einfach im Forum Leute anschreibe, von denen ich weiß, die schlachten regelmäßig Fahrzeuge aus oder sage, ‚Suche folgendes Teil‘. Da erreicht man so viele Menschen.“

Die jüngeren Unbekümmerten Hedonisten verlagern ihre kulturelle Beteiligung eher in soziale Netzwerke wie Facebook. Ihre Haltung gegenüber diesen Plattformen ist dennoch kritisch. Bemängelt wird etwa ein übermäßiger „Exhibitionismus“ anderer Nutzer und das Teilen banaler Neuigkeiten.

„Aber das ist das, was ich gemeint habe, wo man dann stundenlang dasitzt, nur um zu gucken, die hat Burger zu Mittag gegessen. Guck, die isst jetzt noch ein Donut! Oh Gott. Alles steht dann da drin.“

Beteiligung an Gesundheitsfragen

Gesundheitsfragen spielen, wie erwähnt, in diesem Milieu eine relativ große Rolle. Ärzteforen und Empfehlungsseiten werden beispielsweise intensiv genutzt, allerdings eher passiv, um Informationen zu konsultieren, und nicht aktiv, um selbst Inhalte beizutragen.

„Wenn man jetzt z.B. irgendwelche Krankheitsmerkmale hat, sage ich jetzt mal, gibt man das halt ein, wie man sich fühlt, und dann kann man gucken …“

„Bei uns Frauen ist es halt so, kommt da nix einmal im Monat, denkt man gleich, ‚Oh, ich bin wieder schwanger‘, und dann …, ja, doch, es ist aber so, dann kann man das halt eingeben unter was es vielleicht sein kann, was alles passieren kann. Bei mir hat sich halt herausgestellt, ich muss noch mal operiert werden. Zum Glück habe ich mich da informiert. Ist wirklich so.“

Beteiligung in der Politik und für zivilgesellschaftliche Belange

Politische Beteiligung findet in diesem Milieu praktisch nicht statt. Der wichtigste Grund dafür ist mangelndes Interesse und die lebensweltliche Ferne politischer Fragestellungen.

„Ich bin auf keiner Seite im Internet engagiert, weil ich zu keiner Sache 110-prozentig stehe (zumindest zu diesem Lebenszeitpunkt). Ich bin zu diesem Zeitpunkt meines Lebens sehr zufrieden, daher sehe ich keinen Beweggrund zu einem speziellen Engagement.“

Wenn sich die unbekümmerten Hedonisten im Netz für politische und zivilgesellschaftliche Belange einsetzen, dann vor allem für spezifische Themen wie Umwelt- oder Tierschutz und vor allem im Rahmen ihrer Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook. Indem Artikel einen „Like“ erhalten oder sogar geteilt werden, engagieren sich die Unbekümmerten Hedonisten nach eigener Ansicht für ein Thema. Diese Beteiligung gilt ihnen als Engagement, weil sie sich so zu einer möglicherweise brisanten Thematik exponieren, also Position beziehen.

„Ich bin auf Facebook engagiert. Ich poste Beiträge und teile Postings, von denen ich denke, dass sie meine Stimme verdienen. Sea Shepherds zum Beispiel. Somit versuche ich, dieser Organisation eine weitere Plattform zu geben, um die gute Sache zu fördern. Außerdem ist jedes ‚Like‘, das ich setze, ein Statement.“

Abbildung 14: Digitale Beteiligungswelten der Unbekümmerten Hedonisten

Abbildung 14: Digitale Beteiligungswelten der Unbekümmerten Hedonisten

Beispiel: Sven, 23, Anlagenmechaniker

Sven nutzt das Internet vor allem passiv und zu Unterhaltungszwecken, dies aber intensiv. Er fühlt sich wohl in den digitalen Medien, verbindet das Internet mit positiven Erfahrungen und Emotionen wie Spaß und Ablenkung – er fühlt sich im Internet „belustigt“.

Manchmal nutzt Sven das Internet einfach nur aus Langeweile, dann lässt er sich treiben und surft ziellos von Seite zu Seite – auch das kann Spaß machen.

„Ich habe die letzten Tage nur aus Langeweile gesurft und nichts Weltbewegendes gemacht.“

Sven fühlt sich im Internet beteiligt, weil er oft im Netz ist und das Medium intensiv nutzt. Mit Beteiligung im Internet assoziiert er „Surfen“, „Facebook“ und „Informationen suchen“.

Mangelnde Kompetenz oder Sorgen vor möglichen Gefahren im Internet können ihn nicht von einer intensiven Nutzung abhalten. Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes spielen für ihn keine Rolle, er fühlt sich da nicht bedroht.

„Das, was ich verrate, kommt raus – was ich nicht verrate, bleibt auch geheim.“

Mit Engagement im Internet verbindet Sven aktive Nutzungsformen, wie „Sachen posten“, „was verkaufen im Netz“ sowie „Liken“, „Kommentieren“ und „YouTube“. Er selbst ist jedoch in diesem Sinne wenig engagiert, da er vor allem Dienste in Anspruch nimmt und Inhalte konsumiert.

„Ich bin im Internet nicht so engagiert, weil ich das Internet eher zur Unterhaltung nutze […], daher würde ich mich eher als Internetnutzer sehen als ein Engagierter im Netz.“

Sven traut sich aktive Nutzungsformen im Internet durchaus zu – er weiß aber schlicht nicht, für was er sich engagieren sollte. Sven hat keine stark ausgeprägten politischen Einstellungen, keine Interessen, die eine besonders aktive Internetnutzung nötig machen würden.

„Was mich vom Engagement abhält, ist, dass mich nichts so sehr Interessantes im Internet festhält.“