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Da das Internet für die Digital Souveränen eine zentrale Rolle im Alltag einnimmt, das in praktisch allen Kontexten, bei jeder Form der Kommunikation eingesetzt wird, finden sich in diesem Milieu viele unterschiedliche Bereiche der Beteiligung. Schwerpunktmäßig beteiligen sich die Digital Souveränen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Kultur. Hier spiegeln sich die Interessen eines relativ jungen Milieus mit hohem sozioökonomischem Status. Digital Souveräne engagieren sich auch in zivilgesellschaftlichen Belangen, weisen aber kaum politische Beteiligung auf.

Abbildung 7: Bildassoziationen der Digital-Souveränen mit Beteiligung im Internet

Abbildung 7: Bildassoziationen der Digital-Souveränen mit Beteiligung im Internet

Beteiligung in der Wirtschaft

Beteiligung in einem wirtschaftlichen Kontext ist in diesem Milieu weit verbreitet. Im Gegensatz zu den anderen Milieus sind die Digital Souveränen gut vertraut mit neuen Entwicklungen der Internetwirtschaft – wie etwa die „Share Economy“1 (z.B. Airbnb, Couchsurfing).

„Zudem nutze ich diverse Sharing-Möglichkeiten im Internet, von Wohnung bis hin zu Auto und Dienstleistungen.“

Sie nutzen die Möglichkeiten neuer Medien proaktiv und gezielt für ihre Arbeitstätigkeit, nicht selten auch in selbstständigen Tätigkeiten. Hier dient die Beteiligung etwa dem Angebot diverser Dienstleistungen oder auch der Selbstvermarktung.

„Ich poste auch megaviel, aber halt auch wegen dem Modelabel. Ich mache Videos auf YouTube, wo ich den Pulli anhabe, und der sieht geil aus, und den könnt ihr in meinem Shop kaufen. Man verkauft ja auch ein Image mit einer Marke, und das Image der Marke bin nun mal ich. So eklig, wie sich das anhört, aber so ist es halt, und deswegen muss ich halt immer posten. Ich poste eigentlich fast jeden Tag auf Instagram, ich poste sehr viel auf Tumblr.“

Als aktive, versierte Internetnutzer ist es für Digital Souveräne nahezu eine Selbstverständlichkeit, anderen Feedback zu geben, Kritik zu üben und Bewertungen abzugeben – z.B. für Produkte und Dienstleistungen. Den Digital Souveränen ist die Logik sozialer Medien in Mark und Bein übergegangen. Sie vernetzen sich, tragen zur „Crowd“ bei, interagieren rege auf Online-Plattformen – und betrachten auch die Selbstdarstellung als selbstverständlichen Bestandteil der Internetnutzung.

„Ich gebe gerne Bewertungen ab, z.B. wenn was gut geklappt hat oder nicht, auf Urlaubsreisen, dass man was empfiehlt oder sagt, ‚Mach es bloß nicht‘. […] Vom Urlaub oder bei HolidayCheck oder wenn ich was gekauft habe bei Amazon, dann schreibe ich es rein. Auf die Amazon-Bewertung. Also bei konkreten Sachen mache ich es.“

Beteiligung in der Bildung

Da ein beträchtlicher Teil dieses Milieus relativ jungen Alters ist, kann es nicht überraschen, dass sich die Digital Souveränen – im Vergleich zu den anderen Milieus – häufiger auch im Bildungskontext beteiligen. Hierzu gehört, das Engagement in Online-Foren oder -Gruppen für die Schule oder Universität sowie die Nutzung kollaborativer Lernformen und interaktiver E-Learning-Angebote.

„Ich engagiere mich auf einer Plattform, die Hilfe für Schüler anbietet. Ich bin dort aktiv, indem ich die Plattform nutze, meine Angebote zu platzieren, und engagiere mich, indem ich Hilfe selbst anbiete oder die passende Hilfe vermittle.“

Beteiligung in der Kultur

Zum Habitus der Digital Souveränen als aktive, gestaltende, selbstständige Internetnutzer gehört auch eine starke kulturelle Beteiligung im Internet. Hierbei wird gerne auf etablierte Angebote und weitverbreitete Plattformen zurückgegriffen, vor allem auf soziale Netzwerke. Auf solchen Plattformen werden kulturelle Erzeugnisse anderer Nutzer geteilt, beurteilt, kommentiert, aber auch verfügbare Inhalte bearbeitet oder neu zusammengestellt. In manchen Fällen erstellen die Digital Souveränen auch eigene kulturelle Inhalte und vermarkten diese im Internet.

„Da erinnere ich mich an die Zeit, wo das [Spotify] neu war, und irgendwo hatte ich da dieses Umsonst-Modell, und dann kam dann dieses ‚Wir alle lieben Playlist, erstelle auch Du Deine Playlist und teile sie mit Deinen Freunden‘, oder so was. Das hat auch so etwas von Beteiligung. Einerseits die Playlist anderer Leute anhören, ich kann aber auch andere erstellen und die dann teilen. Das würde ich dann auch Beteiligung nennen.“

Blogs und Foren finden auch vereinzelt Anwendung. Während Blogs eher künstlerischen Zwecken dienen und für das Einholen von Feedback eingesetzt werden, stehen bei Foren Austausch und Hilfe im Zentrum.

„Ich persönlich hatte einen Blog, habe ihn immer noch, schreibe aber nicht mehr so regelmäßig. Da kann man über Fashion und andere Sachen posten, also schreiben.“

„Eine feste andere Kommunikationsform sind Foren für mich, also spezialisiert, dass ich wirklich auf einen Personenkreis zugreife. Also, ich nutze es auch viel beruflich, aber auch privat, dann gerade im IT-Sektor. Da nutzt es mir nichts, auf Facebook zu posten, dass ich ein Problem mit einem Novell Update habe, sondern da muss ich in spezielle Foren gehen und finde es auch gut, weil es zur Problemlösung unheimlich hilft, wenn man dann eben Fachkundige hat, wo man sich austauschen kann.“

Beteiligung an zivilgesellschaftlichen Belangen

Angehörige dieses Milieus setzen sich vereinzelt auch für zivilgesellschaftliche Anliegen ein, häufig mit einem lokalen Bezug. Dabei werden insbesondere soziale Netzwerke eingesetzt und Angebote, die auch niederschwellige Beteiligungsformen (wie „Liken“ oder Teilen) zulassen. Facebook gilt in diesem Zusammenhang als besonders attraktiv und wird für unterschiedliche Anliegen mehr oder weniger kreativ eingesetzt.

„Gruppe von Bürgern meiner Stadt in Facebook: News, Vorfälle, Blitzerwarnungen etc. Engagiert, da ich eine Unfallmeldung durchgab und somit andere Bürger darauf hinwies.“

Wenn politische Beteiligungsformen genannt werden, dann eher in nicht institutionellen Kontexten. Digital Souveräne bedienen sich also bevorzugt neuerer, weniger traditioneller Beteiligungsformen (etwa der gezielte, kritische Konsum von Unternehmensangeboten).

„Ich mache auf Facebook Stimmung für die richtigen Sachen und kritisiere die falschen. Politische Meinungen usw., kritischer Konsum.“

Abbildung 8: Digitale Beteiligungswelten der Digital Souveränen

Abbildung 8: Digitale Beteiligungswelten der Digital Souveränen

Beispiel: Michael, 28, Architekt

Für Michael ist die Online-Welt nicht weniger real oder weniger selbstverständlich als die Offline-Welt. Das Internet ist im Alltag ein ständiger Begleiter. Michael ist ein intensiver, kompetenter Nutzer – Sicherheitsbedenken halten ihn nicht von einer Nutzung auch neuer, sozialer Medien ab.

„Ich bin damit aufgewachsen, irgendwann von AOL Messenger auf Skype gewechselt und von StudiVZ auf Facebook usw., und mit jedem Mal habe ich mehr von mir preisgegeben. Wenn ich am Tag mehr als 50 Prozent meiner Zeit online verbringe, wo bin ich dann realer? Nur weil das jahrtausendealte Paradigma besagt, dass die „echte“ Welt die haptische ist, heißt es nicht, dass sich der moderne Charakter so verhält. Menschen, die z.B. in der DDR aufgewachsen sind, können ein ganz anderes Verhältnis zu Transparenz und vertraulichen persönlichen Informationen haben als ich als 86er-Jahrgang.“

Nutzungskompetenz ist für Michael im Umgang mit neuen Medien sehr wichtig.

„Als ‚Digital Generation’-Mitglied würde ich meine Kinder sehr früh an die aktiven Medien lassen. Ich sehe auch die absolute Notwendigkeit, Skills in der digitalen Welt zu sammeln.“

Im Netz ist Michael nicht nur Konsument, sondern auch aktiver „Macher“.

„Ich pflege und betreue eine Internetseite, stelle aktuelle Informationen und Publikationen online, verlinke neue Medien und pflege das Layout etc. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann schreibe ich es ins passende Forum und pflege auch die Diskussionen. Ich kreiere Content im Netz, fast täglich.“

Mit Engagement assoziiert er – für Digital Souveräne typisch – auch „Meinungsfreiheit“. Das Internet ist ein Freiraum, staatliche Interventionen werden kritisch betrachtet und auch diskutiert.

Michael ist nicht nur beruflich, sondern auch zu privaten Zwecken in diversen Formen im Internet beteiligt.

„Ich beteilige mich an Facebook-Diskussionen, lade Bilder auf Flickr hoch und beteilige mich aktiv an Forumsdiskussionen (Game Forum).“

Gerne würde er sich noch in weiteren Bereichen beteiligen, wenn die Zeit dafür reichen würde.

„Es gibt einfach so viele Interessen für mich, ich könnte mich nicht so auf eine Sache konzentrieren.“

  1. Das computervermittelte Teilen privater Ressourcen, zu kommerziellen ebenso wie zu nicht kommerziellen Zwecken.  []