Verbreitete Hürden der Beteiligung im Internet

Fünf Sorgen und Vorbehalte werden besonders häufig vorgebracht, wenn die Nutzer gefragt werden, warum sie sich nicht häufiger oder aktiver im Internet beteiligen oder engagieren: 1. Angst vor einer öffentlichen Exponiertheit, vor allem verbunden mit 2. der dauerhaften Speicherung von Daten im Netz. Aus beiden ergibt sich 3. eine Bedrohung der Privatsphäre. Gleichzeitig wird 4. Beteiligung im Internet als zu abstrakt und unpersönlich wahrgenommen. Und schließlich hinterfragen 5. zahlreiche Nutzer die Dauerhaftigkeit und Wirksamkeit der Beteiligung im Internet.

1. Öffentliche Exponiertheit

Ein Vorteil des Internets in der Wahrnehmung der Nutzer ist, dass über dieses Medium schnell und einfach viele unterschiedliche Menschen erreicht, informiert und verbunden werden können. Das Internet schafft eine grenzüberschreitende öffentliche Sphäre, in der vielfältige Interessen verfolgt und Positionen vertreten werden können. Diese Eigenschaft des Internets bietet vor allem dem Engagement der Nutzer Chancen. Denn Engagement ist in der Regel damit verbunden, dass man Position bezieht, für ein Interesse einsteht, andere anspricht und einbindet und so Verantwortung übernimmt.

Engagement ist also immer mit einer gewissen öffentlichen Exponiertheit verbunden. Durch Engagement machen Menschen sich daher auch angreifbar, identifizierbar und vielleicht auch auffindbar. Wer Position bezieht, kann naturgemäß auch Widerspruch provozieren. Dies gilt auch für Engagement außerhalb des Internets, im Bekanntenkreis, der Nachbarschaft oder auf überregionaler Ebene. Durch die weite Verbreitung der Daten im Internet erweitert sich jedoch der Kreis jener erheblich, welche durch Engagement erreicht und damit vielleicht auch provoziert werden können.

Durch Beteiligung und vor allem Engagement im Internet setzen sich Nutzer daher mehr denn je der Gefahr aus, dass sie Widerspruch provozieren, Kritik erhalten, möglicherweise angefeindet, beschimpft oder gar „gemobbt“ werden. Engagement erfordert daher in jedem Fall Mut und eine erhebliche Motivation – sei es durch Begeisterung, Überzeugung, Empörung oder Mitgefühl. In den Weiten des Internets müssen Mut wie auch Motivation möglicherweise noch etwas stärker ausfallen, damit Nutzer bereit sind, sich gegenüber einem noch breiteren, oft unüberschaubaren Publikum zu exponieren.

„Beispielsweise, dass man gemobbt und schlecht gemacht wird. Wenn sich ein Mensch heutzutage ganz normal äußert, der wird sofort in eine Ecke geschoben. Das ist das Problem, und darum werden Menschen mit freier Meinungsäußerung in die Ecke gestellt, meistens. Das ist im Internet sehr schwierig. Ich habe mir von einem Journalisten auf YouTube mal was angeschaut, der wurde gar nicht richtig gehört, das fand ich echt erschreckend. Der Shitstorm, der gegen solche Leute gerichtet wird, auch wenn sie ihre ganz normale Meinung sagen. Das ist das Problem hier in Deutschland, und wer sich dagegen richtet, der wird leider Gottes gerade im Internet richtig fertiggemacht.“

2. „Das Internet vergisst nicht“

Eine Botschaft, die unter den Internetnutzern in Deutschland klar und deutlich angekommen ist, lautet: „Das Internet vergisst nicht.“ Einmal im Netz veröffentlichte Daten sind damit dauerhaft zugänglich, selbst wenn der Nutzer dies nicht (mehr) möchte und sich um eine Entfernung und Löschung der Daten bemüht. Die Politik hat sich indessen dieser Herausforderung angenommen und experimentiert mit neuartigen Regulierungen, um die Kontrolle der Nutzer über die Zugänglichkeit und Verbreitung ihrer Daten zu erhöhen.

Die dauerhafte Speicherung und Verfügbarkeit von Daten im Netz erhält eine besondere Brisanz im Kontext der Beteiligung im Internet. Was, wenn sich ein Nutzer heute für ein Anliegen begeistert, morgen aber nicht mehr? Was, wenn er oder sie schlicht seine/ihre Meinung ändert? Was, wenn ein Anliegen, das heute Begeisterung auslöst, morgen nur noch peinlich oder sogar anstößig wirkt? Was, wenn das soziale, ökonomische oder politische Umfeld sich so verändert, das heute akzeptable Positionen morgen plötzlich nicht mehr akzeptabel sind?

Die Exponiertheit, die mit Beteiligung und vor allem Engagement im Internet verbunden ist, wirkt besonders bedrohlich, wenn die dabei verbreiteten Informationen noch weit in der Zukunft zugänglich sind. Dann müssen sich Nutzer bei jeder Beteiligung überlegen, ob sie auch morgen und übermorgen noch für diese einstehen wollen. Zahlreiche Befragte äußern Sorgen, dass sie in Zukunft für Aussagen „in Haftung genommen“ werden könnten, die heute schnell, nebenbei und unbedacht getätigt wurden. Vor allem gesellschaftlicher Druck – bis hin zur Repression – wird dabei gefürchtet. Sei es, weil die „politische Korrektheit“ sich verändern könnte, oder sei es, weil im schlimmsten Fall repressive Regierungen unliebsame Positionen verfolgen könnten.

„Oder irgendwelche rechtlichen Grundlagen, Verleumdungen, dass man angeklagt wird. Aus Australien kenne ich einen Fall, der kriegt mit Vorliebe raus, welche pädophilen Neigungen man hat, und stellt die Namen derjenigen auf seine Facebook-Seite. Der prangert an, bekommt seine Informationen irgendwo her und setzt es ins Internet. Der meint es auch gut und engagiert sich in dem Augenblick, aber eben relativ fragwürdig, rechtlich gesehen. Oder wenn ich ein 19-jähriger Kiffer bin und propagiere für irgendeine Partei, welche auch immer, und mit 30, 40, als Vorstand, denkt er vielleicht anders drüber.“

3. Schutz der Privatsphäre

Auch niederschwellige Formen der Beteiligung im Internet sind in der Regel mit der Preisgabe persönlicher Daten verbunden. Auch wenn sich Nutzer also nicht aktiv für ein Anliegen engagieren, indem sie andere Nutzer ansprechen und einbinden, erfordert eine aktive, partizipative Nutzung neuer Medien die Eingabe oder Veröffentlichung von Daten – sei es im Rahmen der Anmeldung bei einem Dienst oder durch die Veröffentlichung eines Kommentars. Tracking-Technologien erlauben die Sammlung und Aggregation von Daten selbst passiver Internetnutzer, wenn diese nicht gewisse Schutzmaßnahmen ergreifen. Die oft zitierte „Datenspur“ der Nutzer liegt in der Natur digitaler Medien.

„Warum sind die meisten Forenmitglieder sich ihrer Daten so sicher? Ich lese oft: ‚Mir ist noch nichts Negatives passiert‘ oder ‚Ich gebe bewusst meine Daten ein‘. Ein möglicher Datenverlust hat damit wenig zu tun. Die Daten können noch so bewusst eingegeben werden, falls es sich um eine Phishing-Seite handelt oder die Website des Anbieters gehackt wird (Telekom und zig anderen passiert), sind keine Daten sicher. Außerdem hinterlassen wir als User so viele Spuren in Form von Daten, über die wir keinerlei Kontrolle haben (Cookies, die wir nur partiell kontrollieren können) und die von den Unternehmen ausgewertet werden.“

„Es heißt immer, im Internet sei alles anonym; das stimmt doch gar nicht. Im Hintergrund wird alles analysiert, ausgewertet und für alles Mögliche, aber sicher nicht zu meinem Vorteil oder Wohlergehen benutzt. Das ist der wahre Preis, den wir für das angeblich kostenlose Unternehmen Internet zahlen.“

Sorgen um die Privatsphäre im Internet, um den Verlust der Kontrolle über persönliche Daten sind daher unter Internetnutzern weit verbreitet. Einige der untersuchten, weniger versierten Internet-Milieus halten diese Sorgen tatsächlich von einer aktiven Nutzung des Mediums ab. Doch auch jene Nutzer, die durchaus regelmäßig und aktiv das Internet nutzen, äußern Sorge vor einer Bedrohung der Privatsphäre. Eine Unkenntnis des Mediums, mangelnde Erfahrung oder Kompetenzen, ein distanziert-skeptisches Verhältnis zur Online-Welt erhöhen diese Sorgen.

„Ich beteilige mich nicht im Internet, weil ich Sorgen habe, die Kontrolle über meine persönlichen Daten zu verlieren.“

„In unserer gläsernen Welt hat heute niemand mehr wirklich Kontrolle über seine eigenen Daten, weder im Internet noch im wirklichen Leben. Schade, dass man keine Möglichkeit hat, festzustellen, wo überall Daten über die eigene Person gespeichert sind, und vor allem welche Daten. Ich glaube, man wäre sehr erstaunt und erschrocken.“

Unter den Befragten berichten nur wenige von tatsächlich negativen Erfahrungen hinsichtlich eines Verlusts der Privatsphäre im Netz. Nur wenige Nutzer haben also gefühlt einen Schaden erlitten. Das lässt die Diskussion um Gefahren im Netz vage und wenig greifbar erscheinen. Dennoch lässt sich festhalten, dass Sorgen um einen wirksamen Schutz der Privatsphäre im Netz eine Hürde der Beteiligung im Internet darstellen. Diese Hürde ist allerdings nicht unüberwindlich – einige Internet-Milieus lassen sich durch derartige Sorgen nicht von einer Beteiligung abhalten.

„Wichtig ist es meiner Meinung nach, den Überblick zu behalten. Man weiß doch selbst, auf welchen Seiten man sich gerade bewegt und wie viel man von sich preisgeben darf. Unseriösen Seiten, von denen man nie zuvor gehört hat oder die ein schlechtes Bild abgeben, sollte man mit Skepsis gegenübertreten. Ich selbst bin auf vielen Seiten aktiv, weil es mir so einiges leichter macht, Zeit und Kosten zu sparen. Gefahr gibt es bei allen Aktivitäten, die man betreibt. Von daher: ‚Augen offen halten‘!“

4. Anonymität und Unpersönlichkeit

Es mag wie ein Widerspruch erscheinen: Einerseits sorgen sich die Nutzer davor, sich persönlich zu exponieren, ihre persönlichen Daten im Netz zu hinterlassen. Andererseits monieren viele Nutzer – nicht selten dieselben –, dass das Internet, und damit die Beteiligung im Internet, zu anonym und unpersönlich sei. Vorbehalte gegenüber der Unpersönlichkeit und Anonymität stellen eine Hürde der Beteiligung im Internet dar, die ebenfalls verbunden ist mit einem der eingangs genannten Vorteile des Mediums: dem Zugang zu einer breiten Öffentlichkeit und zahllosen Nutzern – national und international.

So wie die Anzahl der „Facebook-Freunde“ in der Regel größer ist als die Zahl der tatsächlich gepflegten Offline-Freundschaften, ist auch das Publikum einer Beteiligung im Internet größer als das einer Beteiligung außerhalb des Internets. Im Internet begegnen Nutzer daher potenziell einer großen Anzahl weiterer Nutzer, in der Regel Unbekannten, und in vielen Fällen auch noch versteckt hinter dem Schleier der Anonymität. Dies ist zweifellos ein Grund, warum Beteiligung und Engagement im Internet häufiger in geschlossenen Gruppen stattfinden, in Foren oder Communitys, deren Mitglieder einander durch regelmäßigen Austausch vertraut sind, auch wenn sie sich persönlich nicht kennen.

Je weniger die Nutzer einer Plattform einander vertraut sind – vor allem im Falle einer anonymen Nutzung –, desto rauer werden gelegentlich auch die Umgangsformen. Interessanterweise betätigen sich vor allem eher zurückhaltende, ängstliche (und häufig auch ältere) Internetnutzer auf solchen öffentlichen Plattformen – vermutlich, weil diese nur tiefe Zugangshürden aufweisen. Doch genau dort treffen sie dann auf ein anonymes, konfrontatives Diskursumfeld, das als abschreckend und niveaulos empfunden wird. Ängstlichkeit und Anonymität verwickeln sich so in einen Teufelskreis. Es kann daher nicht verwundern, dass in diesen Fällen ein „echtes“, persönliches Engagement außerhalb des Internets vorgezogen wird.

„Wenn man fragt, wer das gesagt hat, kann man ihn nicht belangen, weil es ist ja im Internet. Und in Deutschland höre ich oft ‚Wo geraucht wird, ist auch Feuer, da wird schon was dran sein‘, und man hat keine Möglichkeiten, so jemanden auf Schadensersatz zu verklagen, das ist schon ein Problem, diese Anonymität, dass eben letztlich jemand auch für das Negative, was er verbreitet, gar keine Konsequenzen zu fürchten hat. Üble Nachrede, Beleidigungen – das sind ja alles Straftaten, aber im Internet kann ich das machen und richtig heftig. Passiert mir ja nichts.“

Gerade solche Nutzer, die online wenig eingebunden oder vernetzt sind und eher öffentliche, von Anonymität geprägte Plattformen aufsuchen, assoziieren Beteiligung im Internet auch mit einer sozialen Verarmung, einer Form der Isolation. Für sie steht die Beteiligung im Internet im Gegensatz zur Beteiligung außerhalb des Internets. Wer dabei das Netz vorzieht, verabschiedet sich – dieser Logik folgend – aus „echten“ sozialen Beziehungen und verliert sich in der digitalen Isolation. Wenig überraschend empfinden das gerade solche Nutzer anders, die stark im Netz engagiert sind und über das Medium diverse Kontakte unterhalten und pflegen.

„Die hocken alle vor ihrem PC, machen ihre Ballerspiele oder so. Klar, nicht pauschalisierend, aber die meisten sind so, wie ich es sage. Da gab es eine Ausstellung zum Thema Euthanasie. War heute eine Übergabe eines Denkmals an die Öffentlichkeit. Das Publikum, da war keiner unter 35, die waren nicht anwesend. In der Masse ist diese Altersgruppe nicht mehr vertreten, weil die woanders, wahrscheinlich bei Facebook, ihre Zeit verbringen.“

5. Oberflächlichkeit und Wirkungslosigkeit

Das Internet erleichtert in vielerlei Hinsicht Beteiligung und Engagement – Informationen können einfacher gesammelt und verbreitet werden, ein größeres Publikum kann schneller erreicht werden. Die Einfachheit der Beteiligung im Internet entwertet diese jedoch in den Augen vieler Befragter. Beteiligung im Internet – das ist demnach „nur“ ein Klick, bedeutet nur ein paar Tastenschläge. Das ist nicht anstrengend und erfordert keinen nennenswerten Ressourcenaufwand. Und damit ist sie zugleich auch weniger „echt“, weniger wertvoll. Im Englischen wurde in diesem Zusammenhang der Begriff „Slacktivism“ geprägt – eine Verbindung aus Faulheit und Aktivismus. Die Befragten nennen zahlreiche Beispiele für einen derartigen Slacktivismus (auch: „Clicktivismus“), bei dem Engagement durch das Klicken weniger Buttons im Netz nur simuliert wird.

„Eine Tendenz finde ich eher negativ, was das Internet gemacht hat, dass das früher schon enger definiert war, was Engagement ist, und viele heutzutage Links teilen oder drei schwachsinnige Sätze bei Facebook posten und denken, sie haben ihren gesellschaftlichen Part erfüllt und es reicht jetzt auch und jetzt können wir auch weiter ‚Frauentausch‘ gucken auf RTL2 und auf der Couch sitzen bleiben. Das war früher nicht so, früher war das enger gesteckt, früher wusste ich, o.k., ich muss auf die Demo gehen und muss auch was machen. Wenn ich es nicht mache, dann mache ich es nicht. Heute ist das so entschuldbar, ich habe es doch gepostet.“

Häufig wird auch kritisch angemerkt, dass viele Formen der Beteiligung im Internet – eben weil sie öffentlich sichtbar sind – vor allem auf die Wahrnehmung durch andere gerichtet sind, der Pflege des eigenen Ansehens dienen. Beteiligung im Internet ist demnach weniger altruistisch und stärker egoistisch geprägt – und damit wiederum weniger wertvoll als Beteiligung außerhalb des Internets. Interessanterweise wird das Motiv der Selbstdarstellung stets nur anderen unterstellt, nie auf sich selbst bezogen. In der Kommunikationsforschung wird diese Diskrepanz auch als Dritt-Personen-Effekt bezeichnet.

„Das ist auch in meiner Generation ganz extrem. Extrem viele Leute achten darauf, wie viele ‚Likes‘ sie auf ein Bild bekommen. Und ich glaube, dass sich darüber auch ganz viel definiert wird. Sonst würde man nicht permanent seine Bilder durch etliche Filter ziehen, wenn man damit nicht eine gewisse Wirkung erreichen will.“

Weil Beteiligung im Internet relativ einfach und bequem ist und weil das Internet eine große Vielfalt an Inhalten und Plattformen bereithält, erscheint die Vielzahl an Initiativen und Beteiligungsmöglichkeiten im Netz oft unüberschaubar. Zahllose Anliegen wechseln sich in hoher Frequenz ab. Die Vielfalt und Schnelligkeit des Mediums führt also dazu, dass auch die Beteiligung im Medium schnelllebig, vielleicht sogar oberflächlich wirkt. Obwohl Daten im Netz dauerhaft gespeichert werden, springt die Aufmerksamkeit der Nutzer so schnell, dass die im Netz verfolgten Anliegen sprunghaft und kurzlebig wirken. Erneut gilt das in der Wahrnehmung der Befragten vor allem für die Anliegen anderer Nutzer, die nur vorübergehend wahrgenommen werden, nicht für das eigene Engagement.

„Ich sehe noch eine Gefahr darin, dass das so schnelllebig ist und noch schneller wird. Ich lese mir nicht alle Artikel von anderen durch. Manchmal nur die Überschrift und ein paar Zeilen. Andere liken ganz viel und ballern alles rein und dadurch verbreiten sich Videos über Amerika bis Australien an einem Tag. Das ist zum Teil sehr unreflektiert, weil die Leute es einfach weiter liken, weiter posten, wie auch immer, dass sich auch Falschmeldungen oder Stimmungsmache viel leichter verbreiten, Meinungsbilder geschaffen werden, z.T. auch künstlich erzeugt werden, indem sie einfach über die viralen Wege wie ein Lauffeuer sich verbreiten und aufgrund der Schnelllebigkeit des Mediums sie nicht alles so durchlesen oder reflektieren oder wirklich eine eigene Meinung dazu bilden.“

„Dass eine Überflutung kommt. Jeden Tag bekommt man was Neues zu sehen und zu hören, wo man denkt, ‚Das ist ja schlimm, ich müsste was machen‘. Und am nächsten Tag kommt was Neues, und dann fällt das andere hinten runter. Bietet also Chancen, dass kleine Sachen schnell bekannt werden, was früher schwierig war, aber es ist so eine Beliebigkeit. Heute klicke ich hier und morgen da.“

Am Ende führen die so beschriebenen kritischen Wahrnehmungen der Beteiligung im Internet dazu, dass diese durch die Nutzer als wirkungslos wahrgenommen werden kann. Eine oberflächliche, der Imagepflege dienende, schnelllebige und bequeme Beteiligung für laufend neue Anliegen kann realweltliche Probleme nicht wirksam adressieren, kann „echte“ Probleme „echter“ Menschen in der „echten“ Welt nicht wirklich lösen. Diese Kritik richtet sich vor allem an Formen der Beteiligung, die ausschließlich im Netz stattfinden – und hält Nutzer folglich von einer solchen Beteiligung ab.

„Ich habe bei uns in der Pause in der Bank mal mitbekommen, wie sich die Bank-Azubis unterhalten haben. Dass auf Facebook ein Aufruf gestartet wurde von Einzelhändlern, die haben sich beschwert über die letzte IHK-Abschlussprüfung, weil die so schwer war, und da waren wohl 12.000 Leute, die sich vor der IHK Frankfurt versammeln wollten, um dagegen zu demonstrieren. Dann habe ich zu den Bank-Azubis gesagt, ‚Bitte, hat irgendeiner Zeit an dem Tag, geht da mal hin‘. Einer hat sich tatsächlich bereit erklärt, ist dahin gegangen, und da waren 30 Stück da. Die haben auch ein bisschen Rabatz gemacht, aber halt 30 von 12.000, das ist ein Anteil von 0,4 Prozent. Das ist für mich halt ein ganz klares Zeichen, das bringt nichts, weil das ist genauso wie mit der Ice Bucket Challenge. Jeder Zehnte, der da mitmacht, behauptet, dass er spendet, und von denen, die behaupten, dass sie spenden, spendet vielleicht noch einmal jeder Zehnte.“