Verständnis der Beteiligung

Das Beteiligungsverständnis der Verantwortungsbedachten Etablierten ist zugleich klar und – im Vergleich zu anderen Milieus – relativ anspruchsvoll. Es wird eine deutliche Grenze gezogen zwischen der bloßen Nutzung des Internets und einer tatsächlich aktiven Beteiligung im Internet. Die „passive Beteiligung“ wird daher nicht als eine „echte“ Beteiligung anerkannt. Letztere zeichnet sich durch den erhöhten Aufwand und die Verantwortungsübernahme der Beteiligten aus.

„Man nutzt es. Wenn man in die Mediathek geht oder sich Nachrichten übers Internet besorgt, auf Spiegel Online geht, dann ist es eine Nutzung und in dem Moment keine Beteiligung. Vielleicht muss man es abgrenzen in aktive Beteiligung und passive Beteiligung.“

„Ich biete dort etwas an, also beteilige ich mich auch. Dann bin ich ja fast wie ein Unternehmen. Ich möchte da ja was erreichen, möchte angeschrieben werden und schreibe auch was über mich rein.“

Eine wichtige Eigenschaft der Beteiligung im Internet sind aus Sicht dieses Milieus die aktive Erstellung von Inhalten, der bewusste Austausch mit anderen Nutzern.

„Wenn ich Spiegel Online lese oder Die Welt, das ist einseitig. Da gibt es eine Firma, einen Dienstleister, der stellt nach wie vor Seiten zur Verfügung. Aber Xing oder Facebook, wo ich Teil eines Ganzen bin, wo so ein gegenseitiger Austausch stattfindet, das würde ich als Beteiligung sehen.“

Auch für die Verantwortungsbedachten Etablierten ist Engagement im Internet eine höherwertige Aktivität, als Beteiligung. Dabei werden beide Begriffe durchaus mit ähnlichen sozialen Kontexten assoziiert: Bewegungen, Vereine, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Petitionen. Im Falle der Beteiligung kommt häufiger eine ökonomische Konnotation im Sinne des Eigentums hinzu.

Engagement im Internet unterscheidet sich von Beteiligung wiederum durch einen höheren Grad der Aktivität und der Verantwortungsübernahme. Engagement geschieht vor allem dann, wenn Nutzer für ein Thema, für ein Anliegen einstehen, sich bemühen, andere Nutzer anzusprechen und zu motivieren, Öffentlichkeit herstellen und die gesellschaftliche Agenda beeinflussen. Engagement ist also erneut auch „sozialer“, in dem Sinne, dass diese Formen der Internetnutzung darauf abzielen, andere Nutzer zu erreichen.

„Selbst Beiträge schreiben auf Foren, das wäre Beteiligung. Engagement wäre, ein Forum selbst zu kreieren.“

„Wikipedia ist ein gutes Beispiel für die verschiedenen Arten der Beteiligung. Es gibt die, die nur lesen, sich Informationen rausziehen, die beteiligen sich als passiver Nutzer. Dann gibt es ganz viele, die dort etwas schreiben, Berichte verfassen, aktualisieren. Und dann gibt es wahrscheinlich einige, die sich engagieren und versuchen, dass Wikipedia in die Öffentlichkeit kommt, die Gelder und Spenden einsammeln, die rechtliche Seite abklären.“