6. Wie kann Beteiligung im Internet gefördert werden?

Verbunden mit der Frage nach den Möglichkeiten einer Förderung der Beteiligung im Internet ist unvermeidlich auch jene nach ihrer Förderungswürdigkeit. Wer sollte also ein Interesse daran haben, dass sich die Deutschen mehr im Internet beteiligen, und warum? Angesichts der vielen Bereiche und Formen der Beteiligung im Internet, die in dieser Studie beschrieben wurden, gibt es auf diese Fragen viele Antworten. Einerseits haben selbstverständlich die Anbieter von Beteiligungsmöglichkeiten im Internet ein Interesse an einer aktiven Beteiligung der Nutzer – seien dies Medien, Vereine, Parteien, NGOs, Unternehmen, Schulen, Universitäten. Sie alle bauen auf die Beteiligung ihrer Nutzer, Mitglieder, Unterstützer, Kunden oder Schüler. Hinzu kommen die Anbieter der notwendigen Infrastrukturen (Telekommunikation, Soft- und Hardware etc.). Auch sie profitieren von einer aktiven, partizipativen Nutzung der neuen Medien.

Doch auch die Politik sollte Interesse an der Beteiligung der Bürger im Internet haben – und keineswegs allein an einer politischen Beteiligung. Denn die Beteiligung in ökonomischen, kulturellen, Gesundheits- oder Bildungskontexten trägt zu einer lebendigen Zivilgesellschaft bei, ermöglicht Austausch, Zusammenarbeit, Unterstützung, Lernen und Innovation. Durch das „Empowerment“ der Nutzer durch neue Medien kann auch Zusammenhalt entstehen, der Kitt der Gesellschaft kann durch den bequemeren Austausch, die erleichterte Kooperation gestärkt werden – wenn das Internet konstruktiv, sicher und souverän genutzt wird.

Nicht zuletzt aber können in diesem Fall auch die Nutzer selbst profitieren. Kapitel 4 hat ausführlich die Vorteile der Beteiligung im Internet aus Sicht der Nutzer beschrieben. Durch eine Beteiligung können Menschen sich mitteilen, Kontakte knüpfen, Position beziehen, Themen setzen, Interessen vertreten, etwas dazulernen, Spaß haben, Geld verdienen, anderen helfen. Beteiligung im Internet schafft also nicht nur Sozial-, sondern auch Humankapital. Erneut: Wenn die neuen Medien richtig eingesetzt werden. Eine unsichere, unproduktive, ungezielte Nutzung kann dagegen ebenso Chancen und den Zugang zu Vorteilen verbauen wie der gänzliche Verzicht auf eine partizipative Nutzung. Die digitale Spaltung zwischen denen, die teilhaben können, und jenen, die ausgeschlossen sind, nennt sich nicht von ungefähr die „Participation Divide“. Sie ist eine zentrale Herausforderung unserer Gesellschaft im digitalen Zeitalter.

Grund genug also, Möglichkeiten einer Förderung der Beteiligung im Internet zu beleuchten. Ein Ansatzpunkt hierfür können die Hürden der Beteiligung sein, die durch die befragten Nutzer wahrgenommen (oder auch nur befürchtet) werden. Eine Förderung der Beteiligung muss die Menschen vor allem darin befähigen, unnötige oder irreführende Zugangshürden zu überwinden oder zu vermeiden. In diesem Kapitel soll daher, ausgehend von den wahrgenommenen Hürden der Beteiligung im Internet, beleuchtet werden, wie eine Beteiligung deutscher Internetnutzer im Netz gefördert werden kann. In einem ersten Schritt werden zu diesem Zweck Hürden beschrieben, die besonders häufig und über alle Internet-Milieus hinweg wahrgenommen werden. In einem zweiten Schritt werden dann Vorschläge entwickelt, wie für jedes der untersuchten Internet-Milieus Hilfestellungen für eine souveräne, partizipative und sichere Nutzung neuer Medien geboten werden können.