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Als Teil der Digitalen Outsider sind die Ordnungsfordernden Internet-Laien weniger im Internet beteiligt als die zuvor beschriebenen Milieus. Häufig wird ein Mangel an Zeit oder Möglichkeiten als Grund für diese Zurückhaltung genannt. Zum Teil sind die Angehörigen dieses Milieus aber auch zu wenig vertraut mit möglichen Formen der Beteiligung oder des Engagements.

„Ich lege mein Engagement stark in den Alltag, mit Beruf, Enkelkindern, Doppelhaushalt, Familie und Freunden. Außerdem habe ich privat keinen PC zu Hause. All diese Umstände hindern mich am häufigeren Internetzugang.“

„Ich habe mich bisher nie aktiv im Internet engagiert. Erstens aus Zeitgründen: Ich arbeite im Schichtdienst, und diese Arbeit nimmt mich voll und ganz in Anspruch. Zweitens habe ich noch nie darüber nachgedacht, mich aktiv im Internet zu beteiligen. Diese virtuelle Beziehungsebene zu anderen Nutzern im Internet halte ich für die größte Hürde. Es ist für mich so, als wäre der andere Nutzer nicht aus Fleisch und Blut.“

Auch aktive Beteiligung im Internet wird von Ordnungsfordernden Internet-Laien deutlich als weniger „real“ und wertvoll empfunden als Beteiligung außerhalb des Internets. Die virtuelle Natur vieler Aktivitäten im Netz entwertet sie in den Augen dieses Milieus.

„Partizipieren finde ich gefährlich. Mit dabei sein, das ist ja das, wo die Jugendlichen heute die ganzen virtuellen Freunde haben, die sie alle nicht persönlich kennen. Für die ist es partizipieren, dass sie denken, sie haben so viele Freunde, aber es sind ja nicht wirkliche Freunde.“

Ordnungsfordernde Internet-Laien konsumieren im Internet vor allem passiv die Informationen unterschiedlicher Anbieter. „Passiv beteiligt“ ist das Milieu in diesem Sinne durchaus in diversen sozialen Kontexten. Vereinzelt findet jedoch auch aktive Beteiligung statt – vor allem in den Bereichen Kultur und Gesundheit.

Beteiligung in der Kultur

Um persönlichen Interessen nachzugehen, sind auch Ordnungsfordernde Internet-Laien teilweise in sozialen Netzwerken aktiv. Sie sind dort Teil von Gruppen und tragen selten auch mal Kommentare oder Hinweise bei. Auch in Foren oder Online-Communitys beteiligen sich die Angehörigen dieses Milieus gelegentlich durch Kommentare.

„Ich bin aber nur mit meinem Profil drin [auf Facebook – d. Verf.] und treibe mich in zwei Gruppen rum: Hunde und Gesundheit. Abgeschlossen, da hat nicht jeder Zugriff, und bin mit meinem Profil halt drin. Kann man leider nicht ändern, dass man nur in der Gruppe zu sehen ist.“

„Ich kenne diese Seite und bin bei ihr auch registriert. Ich beteilige mich nicht allzu aktiv an ihr. Nutze sie für das Eigeninteresse und fand dort schon Rat. Ich habe auch schon eigenes Erleben für die anderen reingestellt.“

Beteiligung an Gesundheitsfragen

Ein Themenbereich, bei dem es auch zu Beteiligung kommt, ist die Gesundheit. Dies mag am erhöhten Altersdurchschnitt dieses Milieus liegen. Ordnungsfordernde Internet-Laien konsumieren Informationsangebote zum Thema Gesundheit, tragen in Einzelfällen jedoch auch etwas zu ihnen bei.

„Ich bin noch in einer Behinderten-Community. So zweimal im Monat bin ich dort aktiv tätig, schreibe Beiträge für andere, die vielleicht Hilfe brauchen, weil ich mich da sehr gut auskenne. Dort fragen die Leute, und ich schreibe dazu, was ich weiß. Was man wo beantragen kann, welche Rechte man hat.“

Abbildung 23: Digitale Beteiligungswelten der Ordnungsfordernden Internet-Laien

Abbildung 23: Digitale Beteiligungswelten der Ordnungsfordernden Internet-Laien

Beispiel: Karl, 63, kaufmännischer Angestellter

Karl ist ein zurückhaltender, eher unregelmäßiger Internetnutzer. Er sieht durchaus eine Reihe von Vorteilen im Netz – dazu zählt vor allem die Verfügbarkeit vielfältiger Informationen. Darum liest Karl regelmäßig verschiedene Informationen im Internet.

„Ich sauge das Netz seit Jahren ziemlich egoistisch nach Informationen aus, beteilige mich gewöhnlich jedoch nicht an Beiträgen und versuche mich nicht zu registrieren, wo es geht.“

Das Internet ist für Karl nicht ein Raum, in dem er sich sehr wohlfühlt. Er nutzt das Internet nicht aus Spaß, sondern weil es manchmal praktisch ist.

„Das Sitzen vor dem PC empfinde ich auch nicht gerade als so prickelnd, dass ich über die eigentliche Arbeit hinaus noch lange dort verweilen möchte.“

Wichtig ist Karl, die Kontrolle über seine persönlichen Daten zu behalten. Darum scheut er die Anmeldung bei Online-Diensten. Das wiederum hält ihn von einer aktiveren Nutzung des Internets ab. Das Lesen von Informationen erscheint ihm dagegen relativ sicher. Manchmal traut sich Karl auch einfach nicht zu, die möglichen Gefahren eines Online-Dienstes zu überblicken und in der Hand zu behalten.

„Aus meiner Sicht spricht gegen ein Internet-Engagement, dass ich […] mit unbekannten Personen zu tun habe. Man kann ja auch beim Chatten ins ‚Schwatzen‘ geraten und dann vielleicht mehr über sich selbst preisgeben, als man wollte.“

Mit Beteiligung im Internet assoziiert Karl praktisch alle ihm bekannten Formen der Internetnutzung. Schon „online sein“ ist für ihn eine Form der Beteiligung, da man dann mit dem Internet verbunden ist, also dabei ist. Zur Beteiligung gehören für ihn außerdem „Mailen“, „Posten“ und „Chatten“.

Da Karl durchaus gelegentlich im Internet unterwegs ist, hat er einige Ideen, was Engagement im Internet bedeuten könnte – für ihn vor allem das Erstellen und Teilen von Inhalten, also eine aktive Nutzung, aber auch manche Transaktionen: „Beteiligung an Ratgeberforen“, „Meldung unseriöser Seiten“, „Einstellen von Rezepten“. Außerdem assoziiert er mit Engagement im Internet „Crowdfunding“, „Petition“, „Spenden“, „Erstellen von Wikipedia-Beiträgen“ und „YouTube“.

Selbst engagiert ist Karl aber im Internet nicht, dafür sind aus seiner Sicht schlicht die Risiken zu groß.