Beteiligung an politischen und zivilgesellschaftlichen Belangen

Im Gegensatz zur prominenten Rolle, welche die politische Beteiligung in der Literatur einnimmt (DIVSI, 2014), spielt diese Form der Beteiligung bei den Befragten nur eine untergeordnete Rolle. Nur sehr wenige engagieren sich im Internet für politische Anliegen im engeren Sinne, indem sie zum Beispiel politische Kommentare schreiben, Parteien folgen, in politischen Foren diskutieren oder E-Petitionen unterzeichnen.

In den wenigen Fällen politischer Beteiligung im Internet, die in dieser Studie Erwähnung fanden, handelte es sich vor allem um die Verbreitung von Informationen – etwa durch das Teilen von Inhalten in sozialen Netzwerken oder durch die Veröffentlichung von Kommentaren auf Medienseiten.

„Ich bin selten engagiert im Internet. Das Letzte, was mir jetzt einfällt, wo ich engagiert war, ist im Facebook. Ich komme aus Israel. Als Israel im Sommer im Krieg war, habe ich Facebook genutzt, um meine Meinung über den Krieg zu äußern. Ich habe es genutzt, um meine Freunde im Facebook aufmerksam zu machen, was in Israel geschieht.“

„Diese Seite bietet mir die Möglichkeit, mich als Autorin und Kommentatorin für Themen zu engagieren, die mir wichtig sind: Netzkultur, Formen des Kollaborativen, Komplizenschaft, Open Data Movements etc. Zudem gibt mir die Verbindung von Online- und Offline-Engagement die Chance, sich mit Gleichgesinnten online und physisch zu vernetzen und offline Motivationsschübe für die Verbindung übers Internet zu nutzen.“

Eine Form politischer Beteiligung, die sich einer gewissen Beliebtheit erfreut, ist das Unterschreiben von Petitionen im Internet. Diese Form der Beteiligung ist vielen Nutzern bekannt, wird häufig mit „Beteiligung“ oder „Engagement im Internet“ assoziiert und auch durchaus von einer gewissen Anzahl der Nutzer aktiv eingesetzt.

„Gerade habe ich eine Petition online bei Change.org unterschrieben und mich sozusagen engagiert, dass dort keine riesigen Betonklotzbrücken das ländliche Idyll begleiten! Ansonsten bin ich bei Facebook engagiert, wo ich diverse ‚Likes und Kommentare’ zu Artikeln einer neuen Partei setze, damit sie auch bei den nächsten Wahlen deutlich stärker gewählt werden. Diese sind öffentlich, somit nicht im kleinen Freundeskreis.“

Deutlich beliebter als politische Beteiligung im engeren Sinne sind unterschiedliche Formen zivilgesellschaftlichen Engagements, beispielsweise in der Nachbarschaft oder die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich mit Tierschutz und Umweltschutz beschäftigen. Unter den Befragten finden sich hier diverse, auch sehr intensive Formen des Engagements. Diese Formen überschneiden sich zum Teil mit den Formen kultureller Beteiligung im Netz, da sie häufig durch persönliche Interessen oder auch Hobbys inspiriert sind. Das zivilgesellschaftliche Engagement zeichnet sich jedoch durch den Wunsch aus, etwas zu bewegen, andere Nutzer zu erreichen und zu beeinflussen.

„Meine Interessen, Informationen und Termine in meiner Funktion als Jugendreferentin in einem Verein. Obwohl ich nicht persönlich diese Homepage pflege, sondern die aktuellen Termine der Jugendgruppen, die Bilder der Jugendleiter, aktuelle Veranstaltungen etc. über Mail an den Verantwortlichen der Homepage weitergebe. Ich engagiere mich auf dieser Seite, weil ich selbst und mein Sohn (in der Jugendgruppe) klettern und ich meine Aufgaben in der Jugendarbeit am besten über die Homepage an interessierte Familien weitergeben kann. Ich habe eine Mailadresse, die auf der Homepage steht und über die mich alle kontaktieren können. Wir haben 3-4-mal im Jahr eine Zeitschrift, aber die kann nie so aktuell sein wie das Internet. Die Zeitschrift bekommen nur Mitglieder, die Homepage können alle besuchen und sich informieren.“

„Ich poste Beiträge und teile Postings, von denen ich denke, dass sie meine Stimme verdienen. Sea Shepherds zum Beispiel. Somit versuche ich, dieser Organisation eine weitere Plattform zu geben, um die gute Sache zu fördern. Außerdem ist jedes ‚Like’, das ich setze, ein Statement.“

Zivilgesellschaftliches Engagement im Internet ist häufig verbunden mit Formen des Engagements außerhalb des Internets. Engagement erfordert also nicht selten auch Aktivitäten und Interaktionen außerhalb des Internets, vor allem, wenn anderen Menschen eine Hilfestellung geboten wird. Aktivitäten im Netz nehmen dabei häufig eine ergänzende und unterstützende Funktion ein.

„Ich bin engagiert auf der Seite www.lebensmittelretten.de. Hier bin ich Foodsaver, das heißt, ich hole bei bestehenden Händlern Obst und Gemüse bzw. Backwaren ab, die sonst in die ‚Tonne’ kommen würden. Diese Lebensmittel werden dann von mir an verschiedenen Stellen verteilt. Hauptsache hierbei ist, dass die Lebensmittel auf keinen Fall weggeschmissen werden dürfen.“

Beispiele des zivilgesellschaftlichen Engagements stellen in der Sicht der Befragten häufig ideale Formen der Beteiligung im Internet dar. Dies reflektiert, dass zivilgesellschaftliches Engagement über alle befragten Internet-Milieus hinweg als erstrebens- und bewundernswert betrachtet wird. Beteiligung im Internet trifft vor allem dort auf Zustimmung und Sympathie, wo sie der Erleichterung oder Unterstützung eines wohltätigen Zwecks dient.

„Ich würde mich gerne mehr beteiligen, wenn es um Spendengelder geht. Wenn es um Kinder geht in Afrika oder was in Gaza momentan los ist. Unterstützung von Medikamenten, auch da kann man Geld spenden, damit die Kinder geimpft werden.“

„Ich würde mich gerne stärker für den Verbraucherschutz und die Bildung engagieren. Beispielsweise für Organisationen wie Peta oder Foodwatch.“