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Obwohl das Internet für manche Zwecke (etwa Information und Kommunikation) intensiv genutzt wird und ein wesentlicher Bestandteil des Alltags ist, beteiligen sich die Verantwortungsbedachten Etablierten weniger intensiv im Netz als andere Milieus. Bevorzugt werden, ähnlich wie bei den Effizienzorientierten Performern, solche Formen der Beteiligung im Internet, die gegenüber alternativen Formen praktischer, schneller und effizienter sind. Vor allem auch in Ergänzung der Offline-Beteiligung. Zeitmangel spielt in diesem Milieu eine relativ große Rolle, wenn es um eine Selektion geeigneter Beteiligungsaktivitäten geht.

Zudem fällt auf, dass in diesem Milieu – wohl aufgrund des Alters und der familiären Situation – Beteiligung teilweise unfreiwillig bzw. auf äußeren Druck oder aufgrund gewisser Notwendigkeiten stattfindet, beispielsweise, weil so Familienmitglieder unterstützt werden sollen. Die Beteiligung im Internet findet also nicht aus Begeisterung statt, sondern weil sie an die Verantwortungsbedachten Etablierten herangetragen wird.

„Ich habe ein Video meines Sohnes im Internet hochgeladen, damit er an einem Wettbewerb teilnehmen kann. Weiterhin habe ich in unserem YouTube Account ein Video eines unserer musikalischen Auftritte hochgeladen. Natürlich steht dies auch der Allgemeinheit zur Verfügung, ich sehe darin allerdings kein wahres Engagement.“

Offline-Engagement ist in diesem Milieu deutlich verbreiteter als Beteiligung im Internet. In der Beobachtung der Online-Beteiligung der jüngeren Generationen werden gerne negative oder kritische Aspekte betont.

Abbildung 16: Bildassoziationen der Verantwortungsbedachten Etablierten mit Beteiligung im Internet

Abbildung 16: Bildassoziationen der Verantwortungsbedachten Etablierten mit Beteiligung im Internet

„Ich bin nicht im Netz engagiert. Das aber nicht aus Faulheit oder Angst. Ich engagiere mich real im Personalrat und in der Gewerkschaft/Jugendarbeit. Im Netz hab ich noch keine Erfahrungen mit Engagement gemacht.“

„Meine Patentochter hat das letztens erzählt, mit Querelen in der Schule, das Alter, wo sich Gruppen bilden, und dann wird da ein Shitstorm losgetreten, und was das dann in der Psyche von jemandem anrichtet, der sich gerade findet und noch nicht so gefestigt ist …“

Wenn sich Verantwortungsbewusste Etablierte im Internet beteiligen, dann durchaus in diversen Kontexten – Wirtschaft, Kultur, Politik und für zivilgesellschaftliche Anliegen. Im Falle dieses Milieus stellt der Beruf – häufig sind die Verantwortungsbedachten Etablierten in anspruchsvollen Berufen tätig – einen wichtigen Kontext der Beteiligung dar.

Beteiligung in der Wirtschaft

Relativ verbreitet in diesem Milieu ist das Bewerten oder Kritisieren von Unternehmensleistungen. Angehörige dieses Milieus sind es gewohnt, Verantwortung zu tragen und Kritik zu üben – dieser Habitus wird auch auf das Internet übertragen.

„Bei Amazon setze ich Bewertungen unter Produkte.“

In Einzelfällen geht die ökonomische Beteiligung auch weiter – so nutzen wenige Angehörige des Milieus das Internet auch für den Verkauf von Produkten, etwa indem sie ihre Fotos monetarisieren oder auf eBay Produkte verkaufen.

Schließlich bildet die berufliche Tätigkeit immer wieder auch den Hintergrund der Beteiligung im Internet. Beispiele wären Projektarbeiten, Weiterbildungen oder gewerkschaftliches Engagement. Erneut dienen diese Formen der Beteiligung aber vor allem der Unterstützung von Offline-Aktivitäten.

„An Weiterbildungen beteilige ich mich, wo es kleinere Kreise sind, wo wir Informationen ausgetauscht haben über bestimmte Bereiche, die unser Trainer auf seiner Homepage hatte, sodass dort nur die Leute reinkamen, die was reinstellen wollten, oder wie auch immer, die da Austausch haben. Das ist Beteiligung am Projekt, aber völlig intern. Kein Beteiligen wie an einer Hilfsorganisation.“

„Ich habe mich zwar schon über z.B. TTIP informiert, aber das hat nicht zu einem Engagement im Netz geführt.“

Beteiligung in der Kultur

Vereinzelt findet Beteiligung im Internet auch für kulturelle Zwecke statt. Wie in anderen Beteiligungsbereichen auch dient diese Beteiligung aber häufig der Begleitung, Organisation oder Unterstützung von Offline-Aktivitäten.

„Wir haben seit dem Sommer einen Account bei YouTube. Dort laden wir besondere Auftritte unseres Sohnes hoch, die im Rahmen der Musikschule stattfanden. Die Geigenlehrerin hat uns darum gebeten, denn die Videos verlinken wir dann mit einer Website, auf der sich die Musikschullehrer organisieren, um nicht zuletzt auf die Missstände ihrer Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Im letzten Jahr wurde diese Website gegründet. Seine Geigenlehrerin ist Mitinitiatorin und sehr engagiert. Über diese Seite konnten wir z.B. aktuelle Termine zu Demonstrationen erfahren. […] Diese Sache ist in meinen Augen Engagement im Netz. Selbstverständlich engagiere ich mich in der realen Welt noch zusätzlich in der Musikschule und der Grundschule meiner Kinder.“

Wie in anderen Milieus auch führen spezielle Interessen und Hobbys zur Beteiligung in spezifischen Foren und Online-Communitys.

www.fotocommunity.de: Hier habe ich die Möglichkeit, meine Fotos einem breiten Interessentenkreis zu zeigen und fachlich über das Thema Fotografie zu diskutieren.“

Horse-Gate.com mit Forum: Hier gibt es alle Fragen rund ums Pferd. Es ist ein interessanter Austausch möglich. Man kann sich auch Videos von Hengsten ansehen und Fotos. Diese Seite deckt halt alle Fragen auch zu Krankheiten rund ums Pferd ab.“

Im Gegensatz zu anderen Milieus ist für die Verantwortungsbedachten Etablierten auch die Hochkultur ein Gegenstand gelegentlicher Beteiligung im Internet. Auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen Online- und Offline-Beteiligung.

„Das habe ich schon öfter gemacht. Und ich bin im Ballett bei einer Organisation für die Rechte für Homosexuelle in Russland.“

Beteiligung in der Politik und für zivilgesellschaftliche Belange

Möglichkeiten zur Beteiligung für politische oder zivilgesellschaftliche Zwecke werden gelegentlich genutzt, vorzugsweise jedoch niederschwellige, wenig aufwendige Beteiligungsformen. Zu diesen niederschwelligen Formen zählen auch Petitionen, die in diesem Milieu relativ starken Zuspruch genießen. Dies dürfte mit dem breiten Interessenspektrum und dem hohen politischen und zivilgesellschaftlichen Bewusstsein in diesem Milieu zu tun haben.

„Teilnahme an einigen Online-Petitionen zu mich interessierenden Themen, z.B. Inklusion, Altmieterverdrängung usw. Online-Petitionen kommen via Mail direkt aufs Smartphone. Sofern mich der Aufmacher interessiert, lese ich den ganzen Text und unterstütze gegebenenfalls die jeweilige Online-Petition. Da ich auch in regelmäßigen Abständen bei den von mir gegengezeichneten Online-Petitionen auf den aktuellen Stand gebracht werde, sehe ich, dass meine Unterschrift was gebracht hat. Das ist sehr schön!“

Auch Offline-Engagement in diesem Milieu ist sehr verbreitet – weiter als in den zuvor behandelten Milieus.

„Ich glaube, wir sind eher eine Truppe, die mehr im Real Life was tut. Es gibt ja heute leider nicht mehr so viele Aktivisten, auch unter unseren Kindern nicht. An die Startbahn setzt sich keiner mehr. Deswegen glaube ich, dass das verhaltene Internetverhalten bei uns eher zutrifft, ja. Er kümmert sich um Kranke und kocht für Alte, sie kümmert sich um die Dame, da wird sich für Tierschutz engagiert. Das ist aktive Offline-Hilfe, die sich im wahren Leben abspielt, und das ist anders, als wenn ich im Internet schreibe, ‚Da und da ist eine Katze gefunden worden, wer möchte teilen?‘.“

Abbildung 17: Digitale Beteiligungswelten der Verantwortungsbedachten Etablierten

Abbildung 17: Digitale Beteiligungswelten der Verantwortungsbedachten Etablierten

Beispiel: Stefanie, 37, Hausfrau und Mutter

Stefanie ist eine regelmäßige Internetnutzerin. Sie setzt das Medium gezielt ein, wenn es für ihre Zwecke hilfreich ist – die meisten Nutzungsformen haben etwas mit ihren Tätigkeiten als Hausfrau und Mutter zu tun: Waren bestellen, Informationen suchen und teilen. Manchmal ist die Internetnutzung eine Art notwendiges Übel, zu aufwendig wäre es, darauf zu verzichten.

„Das Internet gehört in diese Zeit, […] es ist für mich oftmals Mittel zum Zweck.“

Von den neuen Medien begeistert ist Stefanie nicht. Oft sieht sie sie auch als einen lästigen Zeitfresser. Es ist ihr wichtig, das Medium selbstbestimmt nutzen und auch wieder ablegen zu können.

„Ich versuche, meinen Kindern einen intelligenten und überlegten Umgang mit der virtuellen Welt nahezubringen. Kleinkinder, die schon im Kinderwagen mit den Telefonen der Großen von der Teilhabe an der realen Welt abgehalten werden! Das ist für mich auch schon eine Form von Kindeswohlgefährdung.“

Stefanie legt Wert auf einen kritischen, differenzierten Umgang mit dem Internet, der auch mögliche Gefährdungen der Privatsphäre berücksichtigt – große Sorgen macht sie sich aber selbst nicht.

„Dennoch tun mein Mann und ich das sehr bedacht, und ich würde niemals private Fotos von meiner Familie bei Facebook einstellen, auch wenn ich hier alle möglichen Filter eingeschaltet habe. Ich bin mir aber schon bewusst, dass ich mich, sowie ich im Netz unterwegs bin, gläsern mache.“

Stefanie findet es praktisch, dass sie sinnvolle Anliegen auch online unterstützen kann. Das können ebenso gesellschaftliche wie private Anliegen sein. In solchen für sie sinnvollen Fällen ist sie also auch im Netz engagiert, indem sie aktiv im Netz Informationen teilt.

„Ich gebe z.B. meine Stimme für Petitionen oder helfe anderen Menschen in Foren. Das bedeutet für mich Engagement für die Allgemeinheit im Netz.“

„Auf YouTube laden wir besondere Auftritte unseres Sohnes hoch. Ich habe einmal einen Auftritt in [prominenter Veranstaltungsort – d. Verf.] als Anhang mitgeschickt: Das Hochladen dauerte bei YouTube 2 Stunden. Die angehängte Version ist komprimiert mit ca. 36 MB. Ohne seine Lehrerin wäre mein Sohn nicht der kleine Virtuose, der er jetzt […] ist. Die Musikschule ermöglichte uns sogar schon einen Auftritt im Kammermusiksaal der Philharmonie.“