Verständnis der Beteiligung

Digital Souveräne weisen ein sehr breites Verständnis von Beteiligung im Internet auf – dies jedoch nicht, weil sie keine Ansprüche an den Mindestaufwand einer Beteiligung stellen, sondern weil sie viele aktive Formen der Internetnutzung praktizieren, die unter Beteiligung subsumiert werden können.

Mit Beteiligung im Allgemeinen assoziieren Digital Souveräne soziales Engagement, Wohltätigkeit, Spenden oder Crowdfunding – also durchaus anspruchsvolle Aktivitäten, die einen nicht unerheblichen Aufwand erfordern. Beteiligung zeichnet sich für sie darüber hinaus durch eine gesellschaftliche Dimension aus, also ein gemeinsames Bemühen, einen Zusammenschluss oder eine Bewegung. Gerade diese Gemeinsamkeit, dieser Austausch kann im Internet durch neue, soziale Medien gefördert werden.

Beteiligung im Internet ist daher für Digital Souveräne eng verbunden mit der Nutzung sozialer, interaktiver Medien. Die Erstellung und Verbreitung von Inhalten in diesen Medien ist für die Digital Souveränen Kennzeichen der Beteiligung. Da Vertreter dieses Milieus die neuen Medien intensiv nutzen, betrachten sie entsprechend viele Aktivitäten als Beteiligung.

„Dadurch, dass man Diskussionsplattformen gründet, und wenn man sich beteiligt, das gibt es ja auch häufig, wenn Leute ein Problem haben, dass sie eine Gruppe öffnen, wo dann die Frage gestellt wird und jeder Bezug darauf nimmt.“

„Sharing Economy, dass man bei Uber ist oder Airbnb und sein Auto oder seine Wohnung zur Verfügung stellt oder das Haus.“

Da Digital Souveräne im Internet zu Hause sind und laufend aktive wie auch passive Nutzungsformen praktizieren, hört für sie Beteiligung im Internet erst auf, wenn sie sich vorübergehend und bewusst aus dem Internet zurückziehen.

„Wenn du nicht ins Internet gehst, dann bist du nicht am Internet beteiligt.“

Unter Partizipation im Internet verstehen die Digital Souveränen vor allem einen Beitrag zu einer Initiative anderer Nutzer. Der Begriff wird darum mit „Teilhaben“, „Dabeisein“, „Beitragen“ oder „Hinzufügen“ assoziiert. Die Initiative liegt dann jedoch bei anderen.

„Um die deutsche Urschuld mal wieder rauszuholen, es waren ja auch viele beteiligt an dem Verschweigen von offensichtlichen Dingen und nur beteiligt daher, weil sie halt nicht gehandelt haben. Aber hätten sie partizipiert, dann hätten sie bewusst entweder dagegen gearbeitet oder dafür gearbeitet, und beim Engagement hätten sie eine klare Ansicht gehabt, die sie nach vorne drücken.“

Engagement im Internet ist in der Wahrnehmung der Digital Souveränen die höchste Form der Beteiligung. Hier übernehmen die Beteiligten Verantwortung, sie initiieren und gestalten etwas. Bei Engagement im Internet geht es darum, andere Nutzer zu erreichen, zu motivieren. Engagement ist geprägt von Motivation, Begeisterung, Überzeugung.

„Das Engagement ist die höchste Form der Beteiligung. Ich sage ja auch nicht, ich mache soziales Engagement, weil ich mir irgendwas angeguckt habe. Man geht ja schon davon aus, dass das schon die stärkste Form der Beteiligung ist.“

„Passive Beteiligung – ich bin nur Konsument. Aktive Beteiligung könnte dann sein, was in einem vorgegebenen Rahmen von Bewertungskriterien – ‚Mag ich’-Button oder die Möglichkeit, etwas zu beschreiben, oder zu dem und dem kann ich noch was sagen – das ist aktive Beteiligung. Und Engagement, da kann ich halt auf einem weißen Blatt Papier was Neues beginnen.“

„Da muss ich auch so eine innere Überzeugung haben und wollen, dass andere die innere Überzeugung teilen und dafür was machen und das kommunizieren. Das nicht nur sagen, sondern auch aufrütteln, mitreden, das ist Engagement.“

Digital Souveräne verbinden auch Engagement im Internet stark mit der Nutzung sozialer Medien. Sie differenzieren Beteiligung und Engagement also weniger nach der tatsächlich ausgeübten Aktivität als nach der Haltung und Absicht der Nutzer. Ein „Like“ oder das Teilen von Inhalten in sozialen Netzwerken kann also sowohl Beteiligung als auch Engagement im Internet sein.

„Das ist auch immer so eine innere Haltung, die man so im Internet nicht messen kann. So ein ‚Like‘ kann von einer sehr engagierten Person kommen, so ein ‚Like‘ kann aber auch von einer Person kommen, die das einfach nur macht, weil der Freund das gut findet, und das ist halt immer die Schwierigkeit, das zu sehen und dann tatsächlich auch die Power dahinter zu messen.“