Hürden

Weil sie ein sehr breites Beteiligungsverständnis aufweisen, das auch diverse passive, konsumtive Formen der Internetnutzung einschließt, kennen Unbekümmerte Hedonisten nur sehr wenige Beteiligungshürden. Das Internet ist für dieses Milieu ein selbstverständlicher Lebensbestandteil. Sie nehmen kaum Nutzungshürden oder -schwierigkeiten wahr. Beteiligung im Internet im Sinne eines „Dabeiseins“ ist daher eine Selbstverständlichkeit.

Sorgen um den Schutz ihrer persönlichen Daten oder Privatsphäre machen sich Angehörige dieses Milieus kaum – auch bei aktiveren Formen der Beteiligung nicht.

„Also, Facebook poste ich alles, ist mir egal, wer das liest. Ich mache da keine Privatsphäre draus. Wenn ich was fotografiere, dann poste ich das.“

„Ich gehe davon aus, wenn ich online poste, dass es für alle zugänglich ist. Ich selektiere da gar nicht so, wer es darf und wer nicht.“

Eine Hürde der Beteiligung im Internet stellt hingegen eine mögliche Überforderung der Nutzer dar. Komplexe Informationen oder Prozesse, komplexe Themen oder unüberschaubare Folgen schüchtern ein und wirken demotivierend. Diese Überforderung kann zu einer Bevorzugung relativ oberflächlicher Formen der Beteiligung führen oder aber auch vollständig von aktiver Beteiligung abhalten.

„AGBs lesen ist nervig.“

„Ich finde es ganz anders negativ, und zwar, weil du wirst einfach von Information überhäuft heutzutage. Du findest jeden Tag irgendwelche … ein paar Sachen, die schlecht sind. Kindern geht es schlecht, denen geht es schlecht, das ist schlecht, da musst du helfen, da musst du helfen, da musst du helfen, und im Endeffekt, was jeder macht, ist einfach nur, ‚Ich teile das jetzt, jetzt habe ich meinen Beitrag geleistet und fertig‘, und das war‘s.“

Eine Hürde der Beteiligung, die relativ häufig genannt wird, wirkt sich vor allem hemmend auf das Engagement im Internet aus, das in der Wahrnehmung dieses Milieus mit einer persönlichen Exponierung gegenüber anderen Nutzern einhergeht. Engagierte Nutzer stehen für ein Anliegen ein und gehen damit zugleich ein Risiko ein. Vor allem machen sie sich angreifbar. Die größten Sorgen bei dieser aktiven Beteiligung im Internet machen sich die Unbekümmerten Hedonisten hinsichtlich der Kritik, Beschimpfung oder Herabwürdigung durch andere Nutzer.

„Ich gehe z.B. auf keinerlei Provokation ein. Die Ice Bucket Challenge, wie die sich teilweise das Maul zerreißen unter den Videos, auch auf Facebook, die ersten 20 Beiträge sind Ice Bucket Challenge, und über jeden zerreißen sie sich das Maul.“

„Man muss sich mehr rechtfertigen für seinen Standpunkt. Offline macht man es einfach und diskutiert vielleicht noch mit zwei, drei Freunden drüber. Online muss man sich vielleicht noch beleidigen lassen.“

Die Sorgen vor der Wahrnehmung des eigenen Engagements sind vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass die Unbekümmerten Hedonisten selbst auch sehr kritisch über das Engagement anderer Nutzer urteilen. So wird das persönliche Einstehen von Bekannten für gewisse Anliegen hinsichtlich ihrer Motivation hinterfragt. Die eigenen Sorgen werden verwirklicht, indem anderen, scheinbar engagierten Nutzern vor allem oberflächliche Selbstdarstellung unterstellt wird.

„Nur weil ich das Bild als Profilbild habe, habe ich jetzt was getan, oder was? Das hilft den Leuten ja im Prinzip gar nicht.“

Engagement im Internet scheitert im Falle der Unbekümmerten Hedonisten letztlich oft auch schlicht an einem Mangel an Interesse. Dieses Milieu zeigt sich häufig unsicher und wenig in der Lage, sich für eine Sache, ein Anliegen zu entscheiden, für das ein Engagement lohnt. Da Themen und Fragestellungen, die sich eignen könnten, wenig vertraut sind, besteht eine Grundangst, sich falsch oder für das falsche Anliegen zu engagieren.

„Ich denke, online engagiere ich mich nicht, weil ich noch nicht das Richtige gefunden habe.“

„… diese Ungewissheit ist einfach da. Soll ich das jetzt machen, kommt auch mein Geld da wirklich hin? Soll ich da was machen?“