Beteiligung in der Wirtschaft

Die Beteiligung im Internet im wirtschaftlichen Kontext erfreut sich über fast alle Internet-Milieus hinweg großer Beliebtheit. Die Grenzziehung zwischen passiv-konsumtiver Internetnutzung und aktiv-partizipativer fällt aus Sicht der Betroffenen in diesem Bereich allerdings uneinheitlich aus: Sind Produktbewertungen bereits eine Form der Beteiligung? Oder ist dafür das Schreiben eines Kommentars notwendig? Stellt das Verkaufen oder Versteigern persönlicher Gegenstände auf eBay oder mobile.de eine Form der Beteiligung dar oder doch eher des Engagements? Was, wenn Nutzer nichts verkaufen, sondern nur etwas kaufen oder ersteigern?

In jedem Fall erfreuen sich wirtschaftliche Transaktionen im Internet weiter Verbreitung. Einkaufen, Überweisen, Buchen, (V)Ersteigern – all dies sind wichtige, für viele sogar zentrale Motive für die Nutzung des Internets. Die großen kommerziellen Anbieter sind gleichsam das Gesicht des Internets. Gefragt nach ihren täglichen Nutzungserfahrungen, geben die Befragten vor allem diese an. Zahllose Prozesse des Alltags werden über das Internet abgewickelt – von der Verwaltung von Kundenbeziehungen und Abonnements über die Begleichung von Rechnungen, die Abwicklung unterschiedlichster beruflicher Aufgaben bis hin zur Wahrnehmung diverser Möglichkeiten für zusätzliche nebenberufliche Verdienste.

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, ist dabei die Abgrenzung der Beteiligung von einer bloßen Nutzung nicht immer einfach. Einige Internet-Milieus weisen ein sehr breites Verständnis von Beteiligung im Internet auf, nach dem schon eine passive Nutzung zum Zweck der Information oder des Einkaufs und der Unterhaltung eine Art Beteiligung darstellt. Nach diesem Verständnis wären wohl alle deutschen Internetnutzer im wirtschaftlichen Kontext „beteiligt“. Denn selbst die zurückhaltendsten und ängstlichsten Milieus nutzen das Internet, um sich über kommerzielle Angebote zu informieren.

„Ansonsten engagiere ich mich nicht sehr im Internet. Beteiligen (eBay, Einkaufen, Online-Banking, Reisen buchen etc.) schon, aber da fehlt die gesellschaftliche Komponente.“

„Wenn jemand bestimmte Sachen nur online macht. Sei es Online-Banking. Das ist für mich eine Beteiligung, dass ich die Angebote eines Unternehmens aktiv nutze. Beteiligung ist für mich auch, dass ich shoppen gehe bei bestimmten Sachen, weil die da günstiger oder verfügbar sind.“

Weite Verbreitung findet auch eine aktivere Form der Nutzung, die Beurteilung von kommerziellen Angeboten – sei es durch „Likes“, Ratings, Kommentare oder andere Arten des Feedbacks. Das Internet erleichtert es den Nutzern, zu aktiven Konsumenten zu werden, die nicht nur eine Leistung in Anspruch nehmen, sondern diese auch bewerten und beurteilen und so entweder zu deren Verbesserung und Anpassung beitragen oder aber die Konsumentscheidungen anderer Nutzer beeinflussen.

„Ich engagiere mich sehr auf der Internetseite ‚Tripadvisor.de’. Ich schreibe regelmäßig sehr ausführliche Berichte über Hotels und Restaurants, da ich selbst sehr gerne reise und essen gehe und ich über jeden Tipp von anderen sehr dankbar bin. Bevor wir Reisen buchen, machen wir uns immer über diese Plattform schlau.“

Das Internet bietet eine enorme Vielzahl an Plattformen, die sich der Bewertung und Beurteilung kommerzieller Angebote widmen – teilweise auf spezifische Kontexte beschränkt, wie etwa Tourismus, teilweise direkt auf den Seiten der Anbieter oder Einzelhändler. Viele Nutzer suchen, bei entsprechendem Interesse, auch themenspezifische Foren oder Communitys auf. Eine andere Möglichkeit dieser Form der Beteiligung sind soziale Netzwerke wie Facebook, wo Anbieter gelobt und kritisiert werden können.

„Aber mir ist wichtig, dass meine Meinung z.B. bei einer Produktentwicklung berücksichtigt wird, dann ist es schon wieder Engagement.“

„Auf Facebook besonders, da ich dort mehreren Dienstleistungen oder Marken folge, aber auch oft Seiten teile oder Kommentare hinterlasse.“

Teilweise werden auch berufliche soziale Netzwerke, wie LinkedIn oder Xing, für eine wirtschaftliche Beteiligung genutzt. Damit verbunden ist ein ebenfalls häufig genannter Kontext wirtschaftlicher Beteiligung im Internet: die aktive Nutzung des Internets im Kontext von Arbeits- oder Angestelltenverhältnissen. Nutzer verwenden das Internet, um sich mit Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden auszutauschen, um sich zu Beschäftigungsmöglichkeiten zu erkundigen und sich zu bewerben. Zahlreiche Transaktionen im Arbeitsalltag finden im Netz statt, Daten und Informationen werden regelmäßig online geteilt.

„LinkedIn – wird hauptsächlich beruflich genutzt. Kontakte zu nationalen und internationalen Kollegen, Lieferanten und Kunden. Pflegen eines beruflichen Netzwerkes, und das international, länder- und kontinenteübergreifend. Links und Notizen zu fachlichen, vertrieblichen Themen, werden hier mit ‚Likes‘ und Kommentaren versehen.“

„… dass ich mir Informationen raushole, dass ich mich informiere, z.B. über einen neuen Kunden. Da gehe ich auf Xing und gucke, ob der drauf ist, da weiß ich, wie er aussieht, oder ich gucke, wie lange der in der Firma ist, was der vorher für eine Laufbahn hatte. Wenn ich den das erste Mal persönlich sehe, dann weiß man, der fährt gerne nach Afrika, und dann spricht man ihn darauf an, und dann hat man gleich eine Kontaktebene.“

Über eine aktive Nutzung im Kontext von Angestelltenverhältnissen hinaus eröffnet das Internet zudem zahlreiche Chancen für Nebenverdienstmöglichkeiten oder aber auch die Etablierung und Vermarktung selbstständiger Angebote. Manche Befragte nehmen an Preisausschreiben oder Befragungen und ähnlichen Aktionen teil, um ein kleines Taschengeld zu verdienen. Auch der Verkauf von Waren auf Versteigerungsplattformen dient einem ähnlichen Zweck. In Einzelfällen wird der Verkauf auch hauptberuflich betrieben. Diverse andere selbstständige Anbieter nutzen das Internet vor allem für die Vermarktung und den Vertrieb.

„Ich habe ein Video auf YouTube mit einer kostenlosen Probelektion Schlagzeugunterricht (mein Beruf), um dadurch neue Schüler anzuwerben. Trotzdem ist das kein Engagement, da die Uneigennützigkeit fehlt. Jedoch beteilige ich mich so mit Content und habe auch auf Kommentare geantwortet.“

„Ich habe die Homepage für den Nebenbetrieb meiner Frau eingerichtet (mit 1&1 Baukastensystem). Eigentlich ist es nur eine Art Beteiligung. Es handelt sich um ein Catering- und Kochkurs-Angebot, das meine Frau anbietet.“

„In Facebook poste ich in bestimmten Gruppen, um Kunden und Mitarbeiter zu akquirieren. In Skype bin ich engagiert, weil ich mit Freunden kommuniziere und Chatgruppen verfolge, über die ich Infos zu meinen Investitionen bekomme.“

Zahlreiche Befragte geben an, dass sie sich gerne noch stärker im wirtschaftlichen Kontext online beteiligen würden.

„Ich würde gerne mehr im Bereich ‚Geld’ und ‚Geld verdienen mit dem Internet’ arbeiten. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit oder durch das Internet Geld zu verdienen. Sei es mit Domains, Online-Trading, Verkauf, eBay, Marketing etc.“

„Ich wäre gern mehr engagiert im Bereich Marktforschung. Auf diesem Gebiet gibt es eine Menge von Anbietern. Man kann Online-Studien durchführen zu den verschiedensten Themen – wenn man denn weiß, wo man diese findet.“

In manchen, jedoch eher wenigen Fällen wird auch die kritische Auseinandersetzung mit Unternehmen genannt, mit dem Ziel, deren Strategien oder Praktiken zu beeinflussen. Da hinter diesen Formen der Beteiligung häufig soziale und politische Forderungen stehen, können sie auch dem Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements zugerechnet werden.