2. Was heißt „Beteiligung im Internet“?

Die neuen Chancen und Möglichkeiten einer Beteiligung im Internet faszinieren Forschung und Praxis gleichermaßen. Die Literaturanalyse im ersten Schritt des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“ zeigte, dass von einem einheitlichen Verständnis, einer einheitlichen Definition der Beteiligung allerdings keine Rede sein kann (DIVSI, 2014).

Am weitesten verbreitet ist derzeit eine Definition der Beteiligung, die den Politikwissenschaften entstammt. Dies ist wenig überraschend, da sich die Forschung weit überwiegend auf die politische Beteiligung der Internetnutzer konzentriert. Verba und Kollegen (1995, S. 7) definieren Beteiligung (engl. „participation“) als eine „Aktivität, die zum Ziel oder zur Folge hat, Regierungshandeln direkt oder indirekt zu beeinflussen” (Übers. d. Verf.).

Basierend auf der multidisziplinären Literaturanalyse hatten die Autoren eine alternative Definition der „Beteiligung im Internet“ vorgeschlagen, die einerseits das neue Medium berücksichtigt und andererseits nicht auf die Domäne der Politik beschränkt ist. „Beteiligung im Internet“ ist demnach „das sozial motivierte Erstellen und Teilen von Inhalten im Internet zum Zweck der Ansprache spezifischer Zielgruppen“ (vgl. Lutz et al., 2014 – Übers. d. Verf.). Das „soziale Motiv“ ist dabei als ein gesellschaftliches Motiv im Sinne einer Beeinflussung von sozialen Interaktionen zu verstehen. Diese können politischer, aber z.B. auch kultureller oder wirtschaftlicher Natur sein.

Das so vorgeschlagene Verständnis reflektiert den Umstand, dass die aktuelle Forschung zur Beteiligung im Internet in der Regel eine aktive, produktive Nutzung des Mediums untersucht, bei der die Nutzer eben nicht nur konsumieren, sondern selbst Inhalte – welcher Form auch immer – erstellen und teilen. Dahinter steht eine Absicht, andere Nutzer zu erreichen und in irgendeiner Hinsicht zu beeinflussen. Virtuelle Selbstgespräche, reine Tagebuchformate, die Einreichung erforderlicher Formulare und einige weitere Formen der Internetnutzung fallen daher – obwohl durchaus aktiv – nicht automatisch unter die vorgeschlagene Definition der Beteiligung im Internet. Nicht, wenn sie nicht das Ziel oder die Absicht verfolgen, andere Nutzer in einem gewissen sozialen Kontext zu beeinflussen.

So weit die Theorie. Doch was empfinden die Internetnutzer eigentlich selbst als „Beteiligung im Internet“? Unterscheidet sich die Beteiligung von anderen, angelagerten oder synonymen Begriffen wie Partizipation, Mitmachen, Teilnehmen, Engagement? Die durchgeführten Fokusgruppen zeigen über verschiedene Internet-Milieus hinweg ein ähnliches, aber in Feinheiten divergierendes Verständnis der Beteiligung im Internet, das sich durchaus von der aus der Literatur abgeleiteten Definition unterscheidet.