Verständnis der Beteiligung

Für Postmaterielle Skeptiker ist vor allem die soziale Dimension von Beteiligung von zentraler Bedeutung. Beteiligung wird assoziiert mit „Teilnehmen“, „Zusammenschluss“, „Menge“, „sozialer Kontakt“. Im Internet beteiligt fühlt sich dieses Milieu vor allem, wenn es mit anderen Nutzern in einer Art Austausch steht.

„Überhaupt die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu finden. Heutzutage kannst du ja so bekloppt sein wie du willst, du wirst immer einen finden, der genauso bekloppt ist.“

„Der Mensch als soziales Wesen ist auf ein Feedback aus einer Gruppe heraus angewiesen. Wir alle als Menschen brauchen permanent auch Rückmeldung, ‚Hast Du gut gemacht‘. Eine Form von Anerkennung, Sinnhaftigkeit des Lebens. Und Helfen oder das Gefühl, anderen helfen zu können.“

Da der Austausch eine wichtige Eigenschaft der Beteiligung ist, ist Beteiligung im Internet nach dem Verständnis der Postmateriellen Skeptiker auch mit eher aktiven Nutzungsformen verbunden. Passiver Konsum ist für dieses Milieu keine Beteiligung, auch wenig aufwendige, schnelllebige Aktivitäten (wie etwa ein Facebook-Like) werden kaum als „Beteiligung“ betrachtet.

„‚Liken‘ ist eine Art von Beteiligung, aber es wäre nicht der Inbegriff von Beteiligung für mich. Beteiligen wäre für mich, wenn ich tatsächlich Geld überweise oder ‚Rettet die Türkei‘, indem ich Wutfotos poste oder eine Aktion starte, ‚Flashmob zugunsten von Istanbul‘, oder eine Petition unterschreibe. Aber ‚Liken‘ ist für mich wie Nase putzen.“

Postmaterielle Skeptiker wägen ihr Verständnis der Beteiligung gründlich und kritisch ab. Sie legen Wert darauf, neben Vor- auch stets Nachteile zu beleuchten. Eine Differenzierung, die in diesem Milieu vorgeschlagen wird, ist die zwischen einer bewussten, aktiven oder freiwilligen Beteiligung einerseits und einer unbewussten, passiven oder unfreiwilligen Beteiligung durch andere andererseits.

„Gibt es auch umgekehrt. Ich kann mich beteiligen, ich kann aber auch beteiligt werden. Freiwillig oder unfreiwillig. Beteiligung heißt einerseits aktiv in die Verantwortung gehen, Verantwortung übernehmen. Beteiligt werden heißt, zu irgendwas gezwungen werden, also zur Verantwortung gezogen werden oder es übergeworfen bekommen.“

Postmaterielle Skeptiker haben eine sehr positive Einstellung gegenüber Engagement im Allgemeinen – vor allem im Sinne eines sozialen, gesellschaftlichen Engagements. Sie sind selbst engagiert (vor allem außerhalb des Internets) und fordern dies auch von anderen.

„Engagieren ist für mich, dass die anderen davon einen Mehrwert haben. Wenn ich am Wochenende Fußball spiele, dann engagiere ich mich dort nicht. Wenn ich mich engagiere, dann bin ich Trainer, Betreuer oder was anderes. Also nichts, was ich nur für mich mache, sondern es muss auch einen Mehrwert für andere haben.“

Engagement im Internet hat für Postmaterielle Skeptiker ebenfalls eine starke soziale Dimension – auch sie ist vor allem auf andere Menschen gerichtet, allerdings wird hier eine größere Verantwortung übernommen. Engagierte Internetnutzer adressieren proaktiv andere Nutzer, sie kontaktieren, vernetzen, beziehen Position. Engagement ist zudem mit „Opfer bringen“ verbunden: Engagierte Nutzer leisten etwas für andere, indem etwa Zeit oder auch Geld investiert wird.

„In Engagement würde ich Blogging reinnehmen, Crowdfunding, Spendenkampagnen, Hilfeforen. Da engagiert man sich schon, indem man nicht nur zur Kenntnis nimmt, was ein anderer ins Internet reingestellt hat, sondern indem man selber aktiv ist und mitgestaltet.“

„Mir fallen da diese Hilfeforen ein. Ich weiß von Computern nicht viel und auch von technischen Geräten nicht, und wenn ich dann irgendwas habe, dann gebe ich nur ein Stichwort ein, und dann lande ich auf Foren, und dann gibt es immer Freaks, die tausend Erklärungen geben.“