Hürden

Ein wichtiger Nachteil von Beteiligung im Internet ist für Effizienzorientierte Performer schlicht der mit ihr verbundene Aufwand. Viele Formen der Beteiligung erfordern ein Mindestmaß an Auseinandersetzung, die Investition von Ressourcen.

„Diese ganzen Prozesse, sich anzumelden. Eine Freundin von mir hatte sich mal bei ki-wa angemeldet, irgendwelche in Afrika, die ihren Bananenstand aufmachen wollen, und die müssen das wieder zurückgeben an die Organisation. Man bekommt dann irgendeine Nachricht ‚Dein Geld wurde zurückbezahlt, an wen möchtest du das weitergeben?‘, aber ich war immer zu faul. Ich fand das voll toll, aber dann die Online-Registration und die Kontodaten, Faulheit und Zeit.“

Dies erklärt auch, warum Angehörige dieses Milieus das Internet nur in Ausnahmefällen für Engagement nutzen, insbesondere zivilgesellschaftliches.

„Ich finde, der Markt ist auch total überschwemmt. Als Better Place neu war, da war ich dort auch noch aktiver am Anfang, weil das eine total neue Plattform und neues Konzept für mich war, aber man verliert irgendwann den Überblick und kennt gar nicht mehr alles. Das ist das Überangebot.“

Wie beschrieben, sehen die Effizienzorientierten Performer durchaus die Vorteile von Beteiligung und Engagement – auch für die Gesellschaft. Allerdings schätzen sie ihre eigenen Einflussmöglichkeiten als begrenzt ein. In einer Abwägung mit dem notwendigen Ressourcenaufwand wird gerade Engagement im Internet daher häufig als zu wenig Erfolg versprechend betrachtet.

„Die Welt rette ich damit nicht.“

In anderen Milieus reflektierte Hürden, wie eine ungewollte Öffentlichkeit, die Dauerhaftigkeit persönlicher Stellungnahmen im Netz, Mobbing oder gar Verfolgung unpopulärer Meinungen werden zwar von Effizienzorientierten Performern nicht intensiv bedacht – zu gering ist die Neigung, ein solches Engagement überhaupt zu ergreifen. Wenn sie jedoch zur Sprache kommen, werden sie gerne als Argument gegen Engagement im Internet aufgegriffen.

„Wenn man … , was weiß ich, eine politisch unkorrekte Meinung vertritt und dann in so einem Forum, dann kippt vielleicht die öffentliche Meinung um, und man steht auf einmal auf der anderen Seite und hat irgendwie eine blöde Meinung kundgetan.“

Am häufigsten wird in diesem Zusammenhang die Gefahr einer Speicherbarkeit und Rückverfolgbarkeit persönlicher Daten genannt – im Allgemeinen und auch im Kontext der Online-Beteiligung.

„Zum Thema ‚Internet vergisst nicht‘. Nehmen wir mal an, in zehn Jahren haben wir ein faschistisches Regime hier, und die filtern wirklich alle Informationen über jeden raus, und du wirst automatisch in eine Schublade gesteckt, das macht so ein bisschen Angst. Das ist die Angst, die ich habe, wenn ich mich für etwas engagiere. Deswegen auch die Ice Bucket Challenge1 : Das habe ich gemacht, aber eine Message war nicht dahinter. So unpolitisch bleiben, wie es geht. Das ist meine Devise im Netz.“

  1. Eine virale Spendenkampagne zugunsten der Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), bei der Teilnehmer sich dabei filmten, wie sie sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schütteten und im Anschluss Bekannte dazu aufforderten, dies auch zu tun.  []