Lebenswelt Internet

Postmaterielle Skeptiker weisen dem Internet gegenüber eine ambivalente, zum Teil sehr kritische Haltung auf. Diese kritische Haltung ist vor allem auf den moralischen Habitus des Milieus zurückzuführen: Vertreter des Milieus positionieren sich eher konsum- und technologiekritisch und hinterfragen die sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der neuen Medien. Dabei neigen sie jedoch nicht zu Pauschalurteilen – Vor- und Nachteile werden kritisch, aber differenziert abgewogen.

„Ich bin auch ambivalent, ich sage, Fluch und Segen. Es hat alles seine Schattenseiten. Ich filtere, weil ich weiß, das Internet ist ein Zeitfresser, vor allem, wenn man recherchiert, aber ich brauche es tagtäglich durch den Job.“

„Unsere Generation, wir sind ja quasi in dieses Zeitalter dieser wahnsinnigen Nutzung dieses Mediums reingerutscht. Wir haben als Kinder und Jugendliche diesen sinnvollen Umgang ja nicht gelernt, sondern müssen uns das ganz schön mühsam entweder beibringen, wie viel ist für mich persönlich gesund, wie viel brauche ich, und an welcher Stelle wird es kritisch, bis hin zur Abhängigkeit und Internetsucht.“

Letztlich handelt es sich bei Postmateriellen Skeptikern dennoch um rege Internetnutzer, die unterschiedliche Plattformen durchaus aktiv nutzen und eine relativ hohe Nutzungskompetenz aufweisen. Es überwiegen dabei funktionale Nutzungsformen – Kommunikation, Transaktionen –, das Internet ist weniger ein Instrument der Unterhaltung und Ablenkung. Trotz ihrer kritischen Haltung schätzen Postmaterielle Skeptiker die Vorteile des Internets – wie etwa seine Bequemlichkeit oder Geschwindigkeit. Das tatsächliche Nutzungsverhalten stimmt daher nicht immer mit den geäußerten Werten oder Forderungen überein. Das Milieu legt aber Wert darauf, sich vom Medium zu distanzieren und es selbstbestimmt und selektiv einsetzen zu können.

Abbildung 18: Wortassoziationen der Postmateriellen Skeptiker mit Beteiligung im Internet

Abbildung 18: Wortassoziationen der Postmateriellen Skeptiker mit Beteiligung im Internet

„Genau, wenn ich bei meinen Freundinnen bin. Die Kinder sind nicht da, und wir haben mal Zeit für uns, und dann denke ich auch, da nimmt sich meine Freundin ein bisschen Zeit für mich. Nein, da ist sie mit dem Smartphone beschäftigt, und dieses Geräusch nervt mich schon, dieses Geräusch von WhatsApp. Dadurch, dass ich sehe, wie die damit umgehen, habe ich mir schon überhaupt kein Smartphone angeschafft, weil da wird man ja bekloppt von.“

„Ich bin auf Facebook und nutze diese Plattform auch, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, mit wahnsinnigen Bauchschmerzen, weil ich würde gerne drauf verzichten, kann es aber nicht, ansonsten würde ich vereinsamen, weil es in meinem Freundeskreis total zurückgegangen ist, dass jemand anruft.“