3. Wie beteiligen sich die Nutzer im Internet?

Eingangs wurde festgestellt, dass Beteiligung im Internet mehr ist als nur politische Beteiligung. Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über die diversen Formen der Beteiligung im Internet, die über alle untersuchten Internet-Milieus hinweg in verschiedenen sozialen Kontexten ergriffen werden. Damit wird ein vertieftes Verständnis geschaffen, welche Bedeutung die Beteiligung im Internet in der Lebenswelt der Nutzer aufweist, welche vielfältigen Aktivitäten sie umfasst. Ein solches differenziertes Verständnis ist nicht zuletzt notwendig, um die Vorteile einer Beteiligung im Internet zu erkennen – für die Gesellschaft ebenso wie für die involvierten Nutzer.

Basierend auf der Literaturanalyse im ersten Schritt des Forschungsprogramms, konnten fünf Bereiche oder soziale Kontexte der Beteiligung unterschieden werden, in denen jeweils spezifische Beteiligungsaktivitäten stattfinden: Beteiligung in der Politik und für zivilgesellschaftliche Zwecke; Beteiligung in der Wirtschaft; Beteiligung in der Kultur; Beteiligung in der Bildung; und Beteiligung an Gesundheitsfragen (vgl. DIVSI, 2014). All diese Bereiche finden sich auch in der vorliegenden empirischen Analyse wieder.

Insgesamt weisen die Studienteilnehmenden ein sehr breites Spektrum sowohl an Beteiligungsbereichen wie auch an Aktivitäten und Intensitäten auf. Da es sich um eine qualitative Studie handelte, kann die tatsächliche Verbreitung der genannten Formen in der deutschen Bevölkerung nicht quantifiziert werden. Eine solche Messung wird Gegenstand einer folgenden Studie sein. Sichtbar gemacht werden hier vor allem die große Bandbreite der Beteiligung im Internet und ihre konkreten Ausprägungen. Dabei werden vor allem solche Formen beschrieben, die mehrfach genannt wurden, sodass eine gewisse Verbreitung angenommen werden kann.

Die Aussagen der Befragten zeigen eine Beteiligungsaffinität und -vielfalt der deutschen Bevölkerung auf, die erstaunt, wenn aktuelle Diskussionen zur Gefährdung der Privatsphäre im Internet, zum „Klicktivismus“ oder zur Politikverdrossenheit in Betracht gezogen werden. Die weit überwiegende Mehrheit der Befragten beteiligt sich in irgendeiner Form im Netz, sehr viele sind tatsächlich engagiert. Auffällig ist dabei, dass die Bereiche der Beteiligung offenbar erheblich von den Schwerpunkten der aktuellen Forschung abweichen. Während die politische Beteiligung im Netz das Interesse der Forschung dominiert (DIVSI, 2014), sieht die Lebenswirklichkeit der deutschen Internetnutzer dagegen sehr anders aus: Nur sehr wenige Befragte assoziieren Beteiligung im Internet mit Politik. Noch weniger berichten von eigenen politischen Aktivitäten im Internet.

Doch wenn nicht politisch, wie beteiligen sich die Deutschen sonst im Internet? Die wichtigsten Kontexte der Beteiligung scheinen nach der vorliegenden Studie Wirtschaft, Kultur und zivilgesellschaftliche Anliegen zu sein. Die kommerzielle Nutzung des Internets ist ein dominierendes Nutzungsmotiv. Entsprechend entstehen auch viele Formen der Beteiligung in diesem Kontext. Darüber hinaus verfolgen viele Nutzer persönliche Interessen und Hobbys auch im Internet – diese Interessen haben häufig eine kulturelle Konnotation. Engagement verbinden viele Befragte mit zivilgesellschaftlichen Belangen, wie z.B. Tier- und Umweltschutz oder Nachbarschaftshilfe. Daher finden sich zahlreiche Beispiele der Beteiligung und des Engagements in diesem Kontext. Gleichwohl ist anzumerken, dass diese Formen des Engagements im Internet auch ein Minderheitenphänomen darzustellen scheinen.

„Ich würde sagen, dass ich persönlich nicht im Internet engagiert bin, sondern eher konsumiere. In den sozialen Medien bin ich eher ein ‚Stalker’; ich schaue mir an, was andere posten, was andere so machen, suche nach Leuten, poste aber selbst nur superselten etwas. Manchmal ‚like’ oder kommentiere ich etwas, aber das würde ich maximal als Beteiligung bezeichnen.“

Der soziale Kontext der Gesundheit umfasst vor allem passive Nutzungsformen im Internet. Deutsche Internetnutzer informieren sich rege zu gesundheitlichen Fragen, tragen jedoch selbst wenig zu den Angeboten des Internets bei. Da viele spezifische Krankheiten in aller Regel relative kleine Minderheiten treffen, ist auch die Beteiligung in hier angelagerten Anliegen ein Minderheitenphänomen. Auch der Beteiligungskontext der Bildung betrifft eher eine Minderheit der Bevölkerung, was jedoch einfach damit erklärt werden kann, dass eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ihre Ausbildung abgeschlossen hat und nur in Weiterbildungskontexten oder in der Verfolgung spezifischer Interessen mit Bildungsangeboten in Kontakt kommt.

Im Folgenden werden die durch die Befragten genannten Formen der Beteiligung im Internet differenziert nach den genannten fünf Bereichen vorgestellt: