Hürden

Im Falle der Ordnungsfordernden Internet-Laien stellen vor allem Unsicherheiten im Umgang mit dem Internet, mangelndes Vertrauen, Sorgen um die Privatsphäre und persönliche Daten Beteiligungshürden dar. Sie halten auch von Aktivitäten ab, die eigentlich als sinnvoll erachtet werden, wie etwa interaktive Lernangebote oder auch manche wirtschaftliche Anwendungen – oder auch nur die Inanspruchnahme von Information und Hilfestellungen.

„Ich nutze es, sauge es aus, trage aber nichts aktiv bei, weil ich Bedenken habe, meine Personaldaten preiszugeben. Ich habe eine extra Festplatte, und wenn ich ins Netz gehe, dann ist die abgestöpselt. Es kann keiner auslesen, was ich an die Bank geschrieben habe. Die Dokumente sind nicht auf dem Rechner, die sind auf der Platte, und wenn ich online bin, dann ist der USB-Stecker gezogen. Wenn mein Virenscanner angeht und eine Bedrohung gefunden hat, dann klicke ich Entfernen an und fertig.“

Von zentraler Bedeutung für die Ordnungsfordernden Internet-Laien ist der Umgang mit persönlichen Daten im Netz. Sie haben Angst, Spuren im Netz zu hinterlassen, identifiziert und profiliert werden zu können. Dabei spielt die Sorge vor einer möglichen Überwachung eine wichtige Rolle, die Angst, zum „gläsernen Bürger“ zu werden. Der Verlust über die Kontrolle persönlicher Daten wird als ein Souveränitätsverlust empfunden. Durch ihn wird man angreifbar für andere Nutzer, Unternehmen oder Kriminelle.

„Man wird auch immer kontrollierbarer. Die wissen ganz genau, was ich verkonsumiere. Welche Bücher ich lese. Hörbücher. Welche Fernsehprogramme ich sehe. Ob ich hierhergefahren bin, vielleicht sogar. Das sind so Sachen. Dadurch werden wir immer gläserner. ‚Big Brother ist watching you.‘ Vollkommen kontrollierbar.“

„Der gläserne Mensch, weil ich dann noch mehr preisgeben muss, als eh schon durch den Besuch von bestimmten Seiten, durch eine bestimmte Nutzung, eh schon gesammelt wird. Ich bin jetzt schon zu orten, habe Fingerabdrücke hinterlassen, Fußspuren hinterlassen, ein ganzes Profil von mir hinterlassen, und es hält mich davon ab, noch mehr von mir preiszugeben.“

„Dass man auch zum Opfer werden kann, wenn einen Leute nicht leiden könne. Die wissen dann, wo man wohnt und die Telefonnummer und wen man kennt.“

Wenngleich auf den ersten Blick widersprüchlich, wird neben der persönlichen Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten im Netz auch die Anonymität und Unpersönlichkeit der digitalen Sphäre als Nachteil der Beteiligung im Netz betrachtet. Ordnungsfordernde Internet-Laien fühlen sich in der digitalen Welt nicht zu Hause, Interaktionen im Netz fehlt aus ihrer Sicht die persönliche Note.

„Anonym wird auch sehr viel gelogen. Hier kann man jemandem noch in die Augen …“

Darüber hinaus wird kritisiert, dass Informationen im Internet wenig glaubwürdig sein können. Auch fehlendes Niveau in veröffentlichten Beiträgen wird beklagt. Dies ist offenkundig vor allem für dieses Milieu ein Nachteil, da es sich im Vergleich zu anderen häufig in den Kommentarspalten diverser Informationsseiten aufhält, die für ihre bisweilen ruppigen Umgangsformen bekannt sind.

„Wenn ich höre oder lese, was da geschrieben wird teilweise, das ist nicht mein Niveau.“

„Manche Ratschläge sind so was von daneben, da könnte man schreiend davonlaufen und hoffen, dass das keiner seiner Gesundheit antut, und macht das nicht, was da steht. Gerade im Bereich Kosmetik, medizinisches Halbwissen, Kräuterhilfe. Und das sperrt ja niemand, weil jeder im Forum sagen kann, die Kosmetik ist toll und das sollte man sich in die Ohren stecken und das in die Haare schmieren. Da ist auch eine gewisse Gefahr.“

Neben den beschriebenen Sorgen wirken auch die Einstellungen der Ordnungsfordernden Internet-Laien gegenüber dem Internet als Beteiligungshürde. Dieses Milieu hegt relativ wenig Sympathie für digitale Medien. Die Online-Welt wird als flüchtig, oberflächlich und nicht real wahrgenommen. Die intensive Nutzung der digitalen Medien durch andere wird kritisiert. Wenn aber die digitale Lebenswelt oberflächlich und „unecht“ ist, dann gilt dies auch für Beteiligung oder Engagement im Internet.

„So ein bisschen haben manche auch Realitätsverlust, die sich viel im Internet aufhalten, die die Reflexion gar nicht mehr erhalten. Die wirkliche Welt, reale Welt.“

„Und es mag sein, dass das Internet sehr schnell Leute davon überzeugt, dass sie eigentlich alle großartige Künstler sind. Man kann mitreden, man hat Tausende von ‚Likes‘, der dann nur was rein stellt, was er gerade zu Hause gemacht hat, und zählt dann Tatsache auch so und so viele ‚Likes‘ und dann dieses ‚Ach, bin ich gut‘.“

„Es wird einfach eine Behauptung aufgestellt, die dann geglaubt wird, und dann beteiligen sich die drum herum, die das lesen, und dann ‚Mach ihn fertig‘.“

Ordnungsfordernde Internet-Laien befürworten Beteiligung und Engagement – aber „echtes“ Engagement, also außerhalb des Internets.