Verständnis der Beteiligung

Schon aus den gewählten Wortassoziationen ergibt sich ein besonders breites Beteiligungsverständnis der Unbekümmerten Hedonisten. „Beteiligung“ im Allgemeinen wird assoziiert mit „Mitmachen“, „Dabeisein“, „Anteil nehmen“. Wer dabei ist, ist also beteiligt. Auf die digitale Lebenswelt übertragen ergibt sich folglich: Wer im Internet ist, ist beteiligt.

„Sobald man online geht, beteiligt man sich daran.“

Der Zugang zum Internet kann somit als Voraussetzung für jede weiter gehende Aktivität verstanden werden. Er ist für Angehörige dieses Milieus eine grundlegende Stufe der Beteiligung im Internet. Allerdings beginnt für sie die Beteiligung nicht erst ab einer höheren Stufe der Aktivität. Im Gegensatz zu anderen Milieus wird hier allein das „Dabeisein“, selbst ein passives Abwarten oder ein zielloses Herumsurfen, schon als Beteiligung im Internet verstanden. Dies auch, weil der „Gang ins Internet“ bereits eine Art Aktivität darstellt, oder mindestens Aufmerksamkeit erfordert.

„Wenn ich surfe, bin ich aktiv dabei. Sobald ich laufe, mache ich aktiv Sport. Sobald man wo draufklickt, ist man aktiv dabei.“

„Ich beteilige mich auch, wenn ich den Fernseher einschalte und da steht Software-Aktualisierung. Dann beteilige ich mich, indem ich warte, bis 100% erreicht sind.“

Aktivere Formen der Beteiligung werden auch dem Begriff der Partizipation im Internet zugeordnet. Hierzu zählen etwa das Anmelden bei einem Online-Dienst, das Teilen von Information, aber auch der Konsum, wie der Einkauf von Waren und Dienstleistungen.

„Na, überall, wo ich Kunde bin.“

„Selbst wenn man bei eBay einkauft. Auch wenn man nur ein Mal dort kauft. Ohne die Mitglieder wären sie nie so groß geworden, wenn sie nicht zig Mitglieder angeheuert hätten.“

Das Verständnis des „Dabeiseins“ als Beteiligung im Internet wird auch damit begründet, dass ohne die zumindest passive Aufnahme von Online-Angeboten diese nicht existieren könnten. Schon durch den Konsum trägt der Nutzer demnach zum Bestehen und Erfolg eines Angebots bei – er oder sie ist in diesem Sinne Teil des Angebots, an diesem beteiligt.

„In dem Moment, wo ich den Icon Internet anklicke, bin ich aktiv Mitglied im Internet, Nutzer, User, und damit bin ich ein Miniteil dieses Internets. Weil hinter jedem, der da reingeht, egal, ob er eine Website erstellt, ein Forum gründet oder eine Mail schreibt, es fängt alles damit an, dass man sich einwählt.“

Der Begriff des Engagements im Internet ist in mehrfacher Hinsicht sozialer assoziiert – einerseits, weil er die Interaktion mit anderen Nutzern einschließt, andererseits, weil er mit Hilfe für andere assoziiert wird: „Hilfe“, „Einbringen“, „Einsatz zeigen“, „Anstrengen“, „Organisieren“, „guter Zweck“, „Information weitergeben“. Ein Unterscheidungsmerkmal des Engagements im Internet ist also die höhere Aktivität, die stärkere Involvierung der Nutzer.

„Wenn ich einfach nur bei eBay schaue, dann ist es kein Engagement. Dass man überhaupt erst mal was anbietet auf der Plattform, das ist Engagement.“

„Seiten betreiben oder in Foren aktiv einbringen.“

Diese Involvierung ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Nutzer im Falle von Engagement stärker mit anderen Nutzern interagieren – etwa in Diskussionsforen oder durch Empfehlungen –, und andererseits, dass der Aktivität die Absicht einer Hilfeleistung, die Unterstützung anderer zugrunde liegt.

„Das ist halt dadurch, dass Foren spezifischer sind – also soziale Netzwerke leben ja von allgemeinen Beiträgen. Foren sind viel spezieller, deswegen ist es wichtig, dass dort spezifische Leute teilnehmen. Eine bestimmte Gruppe, die sich dafür interessiert. Bei Facebook teilt ja jeder was mit.“

„Was ich machen kann, ist, online auf meiner Facebook-Seite den Beitrag zu teilen und zu verbreiten. Das ist meine Art des Engagements. Und zu hoffen, dass man eine Person erwischt, die sagt, ‚Aber ich heuere dort an‘. Dann würde ich sagen, ‚Jetzt hast du was erreicht‘.“

Engagement bedeutet für Unbekümmerte Hedonisten auch einen höheren Grad der Exponiertheit. Gegenüber anderen Nutzern steht der Engagierte für etwas ein, er oder sie identifiziert sich öffentlich mit einer Sache – und macht sich damit auch angreifbar.

„Engagement geht für mich immer noch einen Schritt weiter, während ich bei Partizipation und Beteiligung im Zweifelsfall nur dabei bin, aber die ganze Zeit die Klappe halte. Bei Engagement erhebe ich wirklich meine Stimme und trete auch für etwas ein.“

„Wenn ich Engagement zeige, dann gebe ich meine Meinung kund und trete für was ein.“