Überblick: Beiträge zur Förderung der Beteiligung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Förderung der Beteiligung im Internet tatsächlich eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Alle Akteure können dazu beitragen, dass Menschen von den Chancen und Vorteilen partizipativer Medien profitieren können, ohne zum Opfer ihrer Gefahren oder Nachteile zu werden. Dabei haben unterschiedliche Akteure mehr oder weniger Einfluss auf die Beteiligung spezifischer Internet-Milieus – alle können jedoch einen Beitrag leisten, sich also für Beteiligung oder für Engagement einsetzen:

Nutzer

Wie diese Studie zeigt, ist das Medium Internet zu einem guten Teil die Summe der Aktivitäten seiner Nutzer. „Wir alle sind das Internet“, so könnte eine Schlussfolgerung lauten. Und daher können auch alle Nutzer Verantwortung für die Beteiligung im Netz übernehmen.

Dies betrifft einerseits die Verantwortung für die eigene Nutzung von Online-Plattformen, den reflektierten Umgang mit den vielen Angeboten im Netz und den aufgeklärten, aber auch nicht übervorsichtigen Umgang mit persönlichen Daten. Das größte Sicherheitsrisiko im Netz ist und bleibt der individuelle Nutzer; in den meisten Fällen sind Schäden auf unvorsichtiges Verhalten zurückzuführen. Was nicht selten auch an unzureichender Kenntnis der Gefahren liegt. Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu führen, dass aus Ängstlichkeit und Unkenntnis die vielen möglichen Vorteile des Mediums ausgeschlagen werden. Ängstliche Selbstisolation ist genauso wenig ein Zeichen aufgeklärter, souveräner Nutzung wie die sorglose Verschleuderung von Daten, Zeit und Geld im Netz.

Eine weitere Verantwortung tragen die Nutzer für den Umgang miteinander im Netz. Wie Offline-Gemeinschaften braucht auch der Austausch im Netz Benimmregeln und Zivilcourage. Simple Regeln des Anstands verlieren nicht ihre Gültigkeit, weil eine Konversation computervermittelt ist. Beleidigungen, Anfeindungen und Mobbing haben im Netz genauso wenig Platz wie außerhalb desselben. „Negative Beteiligung“ ist Beteiligung an feindseligen, schädlichen Aktivitäten. Diese sind online genauso falsch wie offline. Lobenswert ist dagegen Engagement gegen das ausfällige Verhalten anderer Nutzer. Wer sich im Netz schützend vor ein Opfer von Mobbing stellt, leistet einen Beitrag dafür, dass das Internet ein zugänglicher Ort konstruktiver Auseinandersetzung ist.

Schulen

Eine aufgeklärte und souveräne Beteiligung im Netz erfordert eine gewisse Vertrautheit mit dem Medium, seiner Technologie, seinen Wirkungen, seinen Vor- und Nachteilen und seinen Spielregeln. Die meisten Nutzer sind heute Autodidakten – sie haben sich selbst mit dem Medium vertraut gemacht, mithilfe von Freunden und Bekannten, aber auch mit den gelegentlich unangenehmen Folgen eines „Versuch und Irrtum“-Ansatzes. Aus- und Weiterbildungsinstitutionen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Nutzer früh und gründlich auf die digitale Beteiligungswelt vorzubereiten – die in Zukunft nach Ansicht aller Befragten weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Lehrpläne sind erfahrungsgemäß eher langsam in der Aufnahme neuer Thematiken, Schulen notorisch knapp bei Kasse. Häufig weisen heute Schüler eine höhere Internetkompetenz auf als ihre Lehrer. Und auch an weiterführenden Bildungsinstitutionen fehlen nicht selten Geld, Kompetenz und Begeisterung für die partizipative Nutzung des Internets im Unterricht. Es besteht daher noch viel Spielraum für die Behandlung von Beteiligungsformen im Internet, ihren Vor- und Nachteilen. Bildungsinstitutionen sollten zudem Gebrauch von der Möglichkeit machen, Schüler oder Studenten auch im Lernkontext digital zu beteiligen – sei es durch neue Formen des E-Learnings, der gegenseitigen Lernhilfe im Netz oder in Projektarbeiten.

Vereine und Verbände

Nicht nur die Politik, auch die Zivilgesellschaft kann sich um die Bewältigung gemeinsamer Anliegen bemühen. Und gerade zivilgesellschaftliche Institutionen, wie Vereine, Verbände, NGOs etc., können von der Online-Beteiligung der Bürger profitieren – wenn sie für ihre Anliegen werben und entsprechende Beteiligungsangebote unterbreiten. Einige der untersuchten Milieus verbinden die Online- eng mit der Offline-Beteiligung. Einige Formen ihres Engagements können durch das Internet erleichtert oder unterstützt werden. Indem Vereine und Verbände also Möglichkeiten einer Beteiligung im Internet eröffnen, gewinnen auch zögerliche Nutzer wertvolle Erfahrung.

Möglichkeiten einer Förderung der Beteiligung im Internet bestehen darüber hinaus in der Unterstützung von Aus- und Weiterbildungsangeboten, aber auch in der gemeinsamen Themensetzung und Aufklärung, etwa zu Themen wie Sicherheit, Privatsphäre und Vertrauen im Netz oder auch Mobbing und „Netiquette“. Studien helfen, die Vertrautheit mit dem Internet zu erhöhen. Anerkennung, Auszeichnungen und Preise für positive Formen der Beteiligung und des Engagements im Netz können helfen, Vorteile sicht- und greifbar zu machen.

Anbieter

Auch die Anbieter von Online-Diensten spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung der Beteiligung im Netz. Häufig ist es an ihnen, die Vor- und Nachteile einer Beteiligung transparent und zielgruppenadäquat zu kommunizieren. Während die Beteiligung mancher Internet-Milieus gesteigert werden kann, indem barrierefreie, spielerische und auch unterhaltsame Angebote bereitgestellt werden, ist für andere Milieus vor allem die nachvollziehbare Vermittlung der Vorteile und Wirkungen einer Beteiligung besonders wichtig.

Gemeinsam mit Vereinen und Verbänden können sich Anbieter bemühen, Leitlinien und Handreichungen zu erarbeiten. Preise, Gütesiegel, gemeinsame Kennzeichnungen können Orientierung bieten und Vertrauen stiften, indem qualitativ hochwertige Angebote als solche ausgewiesen werden. Wenn sie Verantwortung übernehmen, können Anbieter eine zynische Haltung unter den Nutzern vermeiden, nach welcher der Verlust über den Schutz der Privatsphäre im Netz unvermeidbar und die rücksichtslose Bereicherung der Anbieter das zentrale Motiv der Internet-Wirtschaft ist.

Politik

Interventionen der Politik im Kontext digitaler Medien sind heikel. Das zeigen aktuelle Bemühungen um ein „Recht auf Vergessenwerden“ im Netz oder den Schutz des geistigen Eigentums. Die Freiheit des Mediums, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Offenheit und Internationalität des Internets sind hohe Werte, die nicht tagespolitischen Überlegungen geopfert werden dürfen. Rechtliche Rahmensetzungen sind daher vorsichtig abzuwägen. Nutzer erwarten vor allem, dass die Regeln des Alltags im Internet nicht außer Kraft gesetzt werden. Hierzu zählt der Schutz des Eigentums und der Privatsphäre, aber auch der Schutz vor Angriffen, Verunglimpfungen und Bedrohungen.

Nicht nur, aber auch bei der Förderung der Beteiligung im Internet durch die Politik greifen Prinzipien der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit. Klar ist aber auch: Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit im Netz fördern Vertrauen und damit die Beteiligungsbereitschaft der Nutzer. Darüber hinaus kann der Gesetzgeber darauf hinwirken, dass Anbieter von Beteiligungsangeboten im Netz transparent und nachvollziehbar kommunizieren und Nutzer nicht übervorteilen. Um eine Überforderung der Nutzer zu vermeiden, gilt jedoch auch: Ein Übermaß an Regulierung kann deren Effektivität senken, wenn sich die Bürger im Dickicht der Vorgaben verlieren.

Medien

Eine große Verantwortung für den souveränen, partizipativen Umgang der Menschen mit dem Internet, eine konstruktive Rolle von Verbänden und Anbietern sowie eine effiziente regulatorische Begleitung des Mediums übernehmen die Massenmedien. Die Erfahrung lehrt, dass zahlreiche Medienvertreter eine skeptische Haltung dem Internet gegenüber aufweisen – nicht zuletzt, weil die neuen Medien die Geschäftsmodelle und auch die Macht der alten infrage stellen. Hinzu kommt, dass Massenmedien traditionell bevorzugt Kritik üben und über Krisen und Verfehlungen berichten. Diese Voraussetzungen können zu einer überzogen kritischen Berichterstattung führen, die vor allem internetferne Milieus verunsichern und sogar gänzlich von einer Beteiligung abhalten können.

Letztlich ist eine solche ängstliche Stimmung weder für die Gesellschaft noch für die Medien selbst von Vorteil. Ein ausgewogenes Agenda Setting der Medien begünstigt dagegen eine abgewogene Haltung der Nutzer. Neben der Thematisierung kritischer Entwicklungen – wie „negative Beteiligung“ an fragwürdigen Anliegen oder Mobbing – sollten die Medien daher auch genügend Raum für die zahlreichen Vorzüge und Chancen der Beteiligung im Internet lassen. Eine solche Haltung ist nicht zuletzt auch für die Anpassung der eigenen Geschäftsmodelle an eine veränderte, digitale Umwelt förderlich.