Hürden

In der Regel bestehen in diesem Milieu große Unsicherheit und Ängste. Internetferne Verunsicherte geben offen zu, mit dem Medium nicht vertraut zu sein – sie wollen dies auch gar nicht. Vorbehalte, auch Vorurteile dominieren. Aufgrund der sehr zurückhaltenden Nutzung haben Angehörige dieses Milieus kaum je negative Erfahrungen mit dem Internet gemacht. Sie lassen sich jedoch von Erfahrungen anderer oder von Medienberichten abschrecken.

„Ich habe auch gelesen, eine Frau, die hat die Internet-Petition bei dem Snowden unterschrieben, wollte zu ihrer Tochter nach New York fliegen, und am Frankfurter Flughafen … kam ein Konsularbeamter vom amerikanischen Konsulat und hat gesagt, ‚Liebe Frau, du kannst nie mehr nach Amerika‘. Weil sie das unterschrieben hat von dem Snowden.“

Bedeutende Hürden bestehen vor allem im Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Da dieses Milieu wenig mit dem Internet vertraut ist, herrscht eine große Unkenntnis und Unsicherheit vor, welche Gefahren mit der Nutzung unterschiedlicher Plattformen einhergehen könnten.

„Also, in dem Moment, wo es um Einlog-Daten geht und meine Daten, wenn ich mich einlogge, da bin ich sehr vorsichtig.“

„Wenn ich mich im Internet beteilige, gebe ich schon so einiges von mir preis, ob ich das will oder nicht. Ich kann nur darauf achten, dass ich nicht auf alle Anfragen oder Mails reagiere, wo ich den Absender nicht persönlich kenne bzw. was mir komisch vorkommt. Ich denke, es gibt so viele Verknüpfungen im Internet, die wir alle nicht erahnen – und unsere Daten schwirren nur so umher –, was schon bedenklich ist.“

„Ja, weil, ich sage mal, ich habe da jetzt nur eine Adresse, wer das veranstaltet, das Ganze, aber habe keine Hintergrundinformation, wer überhaupt dahintersteckt. Da kann … ich kann ja da was weiß ich hinschreiben. Und ich weiß nicht, wie das dann weiterverarbeitet wird. So, wie ich mich da ja beteilige, ist zumindest mal meine E-Mail-Adresse bekannt.“

Vorbehalte und Ängste halten die Internetfernen Verunsicherten auch von möglichen, wahrgenommenen Vorteilen der Beteiligung im Internet ab.

„Ich sehe es ja, wie mein Mann da immer rumtüftelt und alles, man ist unheimlich schnell an irgendwelchen Informationen dran, wo man sonst vielleicht ewig lang bräuchte, um nachzuforschen, zu suchen und zu machen. Und das finde ich als großen Vorteil. Also, wenn ich mal zu meinem Mann sage, ‚Ich bräuchte mal da und da‘ oder ‚Könntest du mal gucken, wir wollen da in Urlaub fahren, mach doch mal einen virtuellen Spaziergang‘, ja, zack, fünf Minuten später zeigt er mir dann die Bilder vom Hotel, und dann kann ich da mitentscheiden, ob ich überhaupt da hinwill. Also, ich finde das schon toll.“

„Ja, ich würde gerne wissen, wie man sich Filme ansieht. Obwohl ich unsicher mit der Seite Facebook bin, würde ich mich trotzdem gerne anmelden, um evtl. Leute zu finden aus Schulzeiten oder frühere Bekannte. Bei WKW war das alles ziemlich einfach, doch das gibt es ja nicht mehr. Facebook ist wohl die Unterhaltungsplattform schlechthin. Ich muss ja nicht viel von meiner Person preisgeben und auch nicht mit Bild. Gehört habe ich nur, alles, was man dort mal geschrieben hat, wird unwiderruflich im Internet bleiben. Das kann man nie mehr löschen! Diese vagen Infos machen mich so unsicher, und vor allem vermitteln sie Angst, dass ich es lieber ganz sein lasse.“

Wie auch Vertreter anderer, dem Internet gegenüber eher kritisch eingestellter Milieus, insbesondere Ordnungsfordernde Internet-Laien, kritisieren auch die Internetfernen Verunsicherten, dass die Beteiligung im Internet oberflächlich und anonym, zu wenig persönlich oder greifbar ist. Auch hier zeigt sich also ein gewisser Widerspruch zur Angst vor der Weitergabe persönlicher Informationen. Auch wird immer wieder ein Unbehagen angesichts der überwältigenden Menge potenziell verfügbarer Informationen laut. Internetferne Verunsicherte laufen bei vielen Nutzungsformen Gefahr, überfordert zu werden.

„Mir geht es nicht um den Verlust persönlicher Daten, da ich genau dosiere, was und an wen ich etwas herausgebe. Im Gegenteil, das ist mir alles zu anonym bzw. zu wenig authentisch. Viele meiner Erdenmitbewohner glauben, zu allem ihren Senf dazugeben zu müssen, und überschätzen sich und ihre Bedeutung. Manchmal ist eben weniger mehr … Ein Problem ist doch, dass das Web immer mehr aufgeblasen wird. Noch ‘nen Forum, noch ‘nen Filmchen usw. Bei Petitionen z.B. könnte ich mir vorstellen, mich zu beteiligen. Wer seine intimsten, persönlichsten Daten preisgibt, ist selbst schuld.“