Hürden

Mangelnde Kompetenzen halten Postmaterielle Skeptiker in der Regel nicht von Beteiligung im Internet ab. Dennoch bestehen in diesem Milieu Sorgen, vor allem, was verschiedene Formen eines persönlichen Engagements betrifft. Kritisch werden die persönliche Identifizierbarkeit und die damit verbundene Angreifbarkeit gesehen. Soziales und politisches Engagement – das in diesem Milieu besonders angesehen ist – kann auch zu negativen Reaktionen anderer Nutzer führen.

„Eine große Angst ist ja auch, wenn man eine zu große Teilhabe daran hat, dass es irgendwann negativ wieder auf einen zurückfällt. Bei mir ist es so, ich weiß es, ich bin halt in der Partei, und wenn später mein Arbeitgeber mich googelt, dann sieht er das auch, und dann wählt er eine andere Partei, und dann kann das ein Nachteil sein.“

„Wenn so Skinheads und rechte Gruppierungen öffentlich Adressen einsehen können bei vielleicht anders ausgerichteten Vereinigungen, dass man sich outet als politisch woanders stehend und durch den politischen Gegner angreifbar wird. Weil ich aus der Masse heraustrete, bekomme ich ein Gesicht im Internet und bin dadurch angreifbar.“

Angehörige dieses Milieus setzen sich kritisch mit Fragen der Privatsphäre im Netz auseinander. Durch die Beteiligung treten Nutzer aus der anonymen Masse heraus und machen sich angreifbar oder unbeliebt.

„Mir ist es sehr oft begegnet, wenn jemand sich um seiner selbst willen engagiert und das nach außen trägt, das scheint insgesamt nicht so gern gesehen zu sein. Führt häufig zu einem vielfachen Abwatschen bis hin zu Internetmobbing. Jugendliche sind dem teilweise schutzlos ausgeliefert […].“

„Es spricht für mich im Prinzip nichts gegen ein Engagement im Internet – es muss jeder für sich wissen, wie und wo er sich engagiert, wie ‚gläsern‘ er weltweit sein möchte. Ich selber engagiere mich im privaten sozialen engen Umfeld so weit, dass ich für Sachen nebenbei keinerlei Kraft und Zeit mehr habe. Tunlichst würde ich es auf jeden Fall vermeiden, öffentlich auf einer Plattform als Person erkennbar zu kommentieren und meine Meinung zu äußern – ‚Sanktionen und Racheakte‘ kann ich in meinem ausgefüllten Leben von ‚Spinnern‘ im Internet nicht gebrauchen.“

Unbehagen und Ungewissheit hinsichtlich der Verwendung und Verbreitung persönlicher Daten sind in diesem Milieu relativ stark ausgeprägt. Vor allem aktive Formen der Internetnutzung, wie sie Beteiligung und Engagement prägen, sind mit der Preisgabe persönlicher Daten verbunden.

„Also, mir ist wichtig, dass ich weiß, sobald ich ins Internet gehe und Daten preisgebe, dass ich mich einer Gefahr preisgebe. Wenn ich von jemandem höre, ‚Ich habe eine Mail bekommen, da will ein Inkassobüro Geld von mir habe und ich habe überwiesen‘. Na, selber schuld.“

Sorgen vor Reputationsschäden und rechtlichen Risiken können ebenfalls von einer Beteiligung im Internet abhalten.

„Es gibt Unternehmensbewertungsportale, wo ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter sich über ein Unternehmen äußern können, genauso wie die Bewertung von Ärzten etc. Das ist ein Engagement, weil es dazu beitragen soll, dass andere die Qualität eines Arztes beispielsweise kennenlernen können. Das hat natürlich Risiken. Rechtliche Risiken. Es hat das Risiko, auch darüber kann ein Arzt kaputt gemacht werden. Auch darüber können Leute sich beispielsweise eine Klage wegen Verleumdung einfangen. Da sind überall Risiken. Einerseits ist es Engagement, andererseits ist es die Frage, wie geht man damit um. Es braucht eine gewisse Mündigkeit. Das ist ein Pubertätsprozess.“

Nicht zuletzt kann auch die Werteorientierung der Postmateriellen Skeptiker eine Hürde der Beteiligung im Internet darstellen. Große, internationale und kommerzielle Anbieter im Internet treffen hier auf wenig Sympathie. Plattformen wie Facebook werden darum nur selten eingesetzt. Insgesamt führt der Habitus des Milieus dazu, dass neue Technologien nicht mit Begeisterung übernommen werden, sondern nur zögerlich und mit Vorsicht. Sympathischer ist den Postmateriellen Skeptikern der Offline-Austausch, der direkte zwischenmenschliche Kontakt.