Lebenswelt Internet

Internetferne Verunsicherte nutzen das Internet äußerst zurückhaltend und nur in Ausnahmefällen. Es werden in aller Regel nur passive Nutzungsformen gewählt – und selbst diese eher selten. Die Nutzung wird auf große, bekannte Anbieter beschränkt. Geringe Erfahrung geht einher mit zahlreichen Ängsten und Sorgen. Angehörige des Milieus weisen eine sehr ablehnende, äußerst kritische Haltung gegenüber dem Medium auf – es wird vor allem mit Gefahren und Nachteilen assoziiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und des Schutzes der Privatsphäre.

„Das [Internet] ist die blödeste und gefährlichste Erfindung, die es gibt, nach dem Handy.“

„… nicht nur wegen den Viren, das Gefährliche ist, man ist einfach gläsern. Mein Bekannter hat mir gezeigt, was der Computer alles über mich weiß. Ich war richtig erschrocken.“

„Na ja, gut, ich habe mir einen großen Computerbildschirm gekauft, und ein Bekannter von mir, der hat mir so … wie nennt man das, wenn man das länger nicht benutzt, da geht so ein Bildschirmschoner an, und hat mir da so ein großes, schönes Fischaquarium drauf gemacht, und das läuft bei mir den ganzen Abend. Und ab und zu, hat er mir gezeigt, kann ich umstellen, da habe ich so Kamin, so Feuer im Kamin habe ich da. Das ist mein Computer.“

Auf der anderen Seite ist auffällig, dass Internetferne Verunsicherte das Internet durchaus freiwillig nutzen, nicht etwa aufgrund beruflicher Zwänge. Sie erkennen auch eine Reihe von Nutzungsvorteilen. Nicht immer ist klar, ob die geäußerten Ängste oder doch vor allem der Mangel an Erfahrung und Vertrautheit von einer intensiveren Nutzung des Mediums abhält. Die mangelnde Erfahrung führt in der Wahrnehmung des Milieus zu einem Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber den Gefahren des Mediums.

Abbildung 24: Wortassoziationen der Internetfernen Verunsicherten mit Beteiligung im Internet

Abbildung 24: Wortassoziationen der Internetfernen Verunsicherten mit Beteiligung im Internet

„Also, ich konsumiere, ich schaue ja nur. Also, ich persönlich mache grundsätzlich nichts, was jetzt offensiv angeht. Also kein Shopping, kein Online-Banking, auch keine Community, was ja Facebook umfasst, oder so was, gar nichts.“

„Ich bin da sehr verunsichert, weil ich denke dann auch immer, wenn ich es einschalte, ‚Hoffentlich machst du jetzt nichts verkehrt, hoffentlich schaltest du nicht den verkehrten Knopf‘, und ich lasse die Finger inzwischen ganz davon, muss ich sagen. Also, ich bin da überhaupt nicht firm. Ich telefoniere lieber oder schreibe einen Brief.“