1. Einleitung

Übt Vertrauen einen Einfluss auf tatsächliches Online-Verhalten aus? Wenn ja, wie lässt sich Vertrauen in der digitalen Welt verlässlich messen? Eine Vielzahl von Studien hat bereits argumentiert, dass Vertrauen ein zentraler Erfolgsfaktor für das Zustandekommen von Online-Transaktionen ist (BITKOM 2011, 2012, Beardsley et al. 2014). Auch Strategieberatungen wie Booz & Company gehen davon aus, dass Wachstum im Internet künftig nicht mehr technologiebedingt, sondern in erster Linie vertrauensgetrieben stattfindet (Küstner et al. 2009). Ohne Zweifel haben Unternehmen längst erkannt, wie wichtig ein vertrauensvoller Umgang mit Kunden und ihren Daten für nachhaltigen Unternehmenserfolg am Markt ist. Als anschauliches Beispiel dienen die zahlreichen trusted-shops, TÜV-Zertifikate und sonstigen Selbstregulierungsauflagen der Online-Anbieter.

Das vorliegende Diskussionspapier widmet sich der Frage, welche Studien und Indikatoren bereits existieren, die die Themenkomplexe Vertrauen und Internet behandeln. Ungeachtet der enormen Relevanz der Thematik fällt die Bilanz ernüchternd aus. Zwar existieren Indikatoren, und einige werden von der Öffentlichkeit breit rezipiert. Allerdings beschäftigt sich von den sieben betrachteten Studien keine mit Fragen zur Validität der gefundenen Ergebnisse. Ebenso wenig sind die bisherigen Indikatoren geeignet, als Fieberthermometer für aktuelle Entwicklungen oder kurzfristige Schocks zu fungieren und diese im Zeitablauf vergleichbar zu machen.

Das Papier ist wie folgt aufgebaut: Abschnitt 2 erläutert die Auswahlkriterien und organisiert die jeweiligen Studien hinsichtlich Methodik, Vertrauenskonstrukt und Relevanz. Abschnitt 3 erläutert Aspekte der internen und externen Validität für wissenschaftlich fundierte Vertrauensmessung. Abschnitt 4 skizziert die zentralen Anforderungen an einen Vertrauensindikator und gibt einen kurzen Ausblick in alternative Messmethoden. Das Papier endet mit einer Zusammenfassung in Abschnitt 5.