9. Ausblick

Die Untersuchung des internationalen Diskurses zur Netzneutralität und die Identifikation unterschiedlicher Akzentuierungen in den einzelnen Ländern erlauben einen Ausblick auf Themen und Diskussionspunkte, welche zukünftig in die deutsche Debatte einfließen und deren Fokus verändern können. Auch mit Blick auf die Reaktionen auf die noch aufzuarbeitenden Enthüllungen um den amerikanischen Geheimdienst NSA und die anstehende Verordnung der Europäischen Kommission dürften die folgenden sechs Entwicklungen kurz- oder mittelfristig von Bedeutung sein.

Proxy Censorship/ISPs als „Hilfspolizisten“
Im Kampf gegen Cyberkriminalität, Urheberrechtsverletzungen, etc. werden Internet-Service-Provider zu Überwachung/Blocking/Filtering verpflichtet.

Fragmentierung innerhalb der EU
Der digitale Binnenmarkt wird von Fragmentierung durch unterschiedliche Regulierung oder unterschiedliche Ausgestaltung von Netzwerk-Management bedroht.

Quality of Experience
Statt „Quality of Service“ wird vermehrt das Erlebnis (bzw. der Nutzen) des Endnutzers in den Vordergrund gestellt.

Network Diversity/Freedom to Tinker
Vermehrt taucht die Forderung auf, Experimente und Vielfalt im Netzdesign zuzulassen, damit sich das beste Netzwerk durchsetzen kann.

Free Peering/Transit wird in Frage gestellt
Verschiedene Akteure stellen die ungeschriebenen Regeln der kostenlosen Beförderung von Daten aus fremden Netzwerken in Frage.

Amerikanische Internet-Dienstleister in Europa besteuern?
Da amerikanische Dienstleister wie Google auf ihre Gewinne in Europa kaum Steuern bezahlen, wird mit Verweis auf das Datenverkehrsaufkommen aus den USA vermehrt verlangt, diese zusätzlich zu besteuern.