Medienkompetenz, Bildung und Forschung

Aufgrund inhaltlicher Nähe der Bereiche Medienkompetenzvermittlung und Bildung werden diese hier in einer Kategorie zusammengefasst. Dies umfasst auch den Aspekt der digitalen Spaltung, welcher in den Wahlprogrammen teilweise zwar gesondert behandelt wird, zu dessen Lösung aber primär Aspekte der Medienkompetenzvermittlung im Vordergrund stehen. Der „technische“ Aspekt der digitalen Spaltung, also das Fehlen eines Zugangs zum Internet oder gar eines internetfähigen Gerätes, spielt eine untergeordnete Rolle.

Eine Abgrenzung findet innerhalb der Kategorie jedoch zwischen Bildung bzw. Kompetenz vermittelnden Aspekten und Aspekten der Forschung statt, da es sich hierbei um jeweils andersartig gelagerte Themenbereiche handelt.

Wahlprogramme

Die CDU/CSU sieht das Potenzial für eine neue Bildungswelt, wenn „das Klassenzimmer den Weg in die digitale Welt findet“ – hierfür sei eine Ausstattung der Schulen auf der Höhe der Zeit notwendig, welche Computertechnik, digitale Lernangebote und eine bessere Vernetzung der Schulen beinhalte (CDU/CSU, S. 8, 33). Auch die Hochschulen sollen auf ihrem Weg zur „Internet-Hochschule der Zukunft“ unterstützt werden (CDU/CSU, S. 37). Wissenschaftliche Forschung zu Cloud Computing und Big Data soll verstärkt und mit staatlicher Förderung erstellte wissenschaftliche Ergebnisse sollen mithilfe einer Open-Access-Strategie öffentlich zugänglich gemacht werden (CDU/CSU, S. 55). Medienkompetenz sollten Kinder bereits in der Schule fachübergreifend erlernen; Initiativen wie das „Netz für Kinder“ ermöglichten einen sachkundigen Umgang mit dem Netz (CDU/CSU, S. 107). Außer den Schülern sollen Menschen jeden Alters das nötige Wissen für ein eigenverantwortliches Handeln online wie offline besitzen, deshalb wollen die Unionsparteien die Medien- und Informationskompetenz verbessern (CDU/CSU, S. 33). Zur Überwindung der digitalen Spaltung ist die Förderung der Medienkompetenz das zentrale Instrument. Außerdem bräuchten Kinder und Jugendliche „ausreichend Schutz vor möglichen Auswüchsen der modernen Medienwelt“, unter anderem durch den Einsatz geeigneter Jugendschutzsoftware und eine Anpassung des Jugendschutzmedien-Staatsvertrags (CDU/ CSU, S. 107).

Medienkompetenz findet auch im SPD-Programm Erwähnung. Sie „soll die Möglichkeiten von Nutzern und Anbietern maximieren und Teilhabe und Bildungschancen, aber auch Kritikfähigkeit und Verantwortlichkeit ausbilden“ (SPD, S. 63-64). Verantwortliches, solidarisches und nachhaltiges Handeln präge sich nicht von selbst aus. Die SPD strebt eine Überprüfung von Bildungs- und Wissenschaftsschranken an, um in Schulen und Hochschulen eine dauerhafte Intranetnutzung [sic!] zu ermöglichen. Autoren sollen durch ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht die Freiheit erhalten, ihre Werke z. B. auch auf Homepages der Hochschulen zugänglich zu machen (SPD, S. 64). Die SPD ist der Auffassung, dass jeder durch die Förderung der „digitalen Selbstständigkeit“ in der Lage sein müsse, alle Möglichkeiten der „digitalen Gesellschaft” möglichst selbstständig zu nutzen und sich vor damit verbundenen Risiken gut schützen zu können. Notwendig seien hierzu die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit einem mobilen Computer und die Schaffung eines digitalen Lernumfeldes und eines digitalen Klassenzimmers. Dies sei jedoch nur sinnvoll, so die SPD, wenn eine entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte und entsprechende Bildungskonzepte zur Verfügung stünden. Dazu bedürfe es auch der Digitalisierung von Schulbüchern und Lehr- und Lerninhalten und deren Zugänglichmachung im Netz (SPD, S. 65).

Koalitionsvertrag

Die Vermittlung von Medienkompetenz wurde im Vorfeld der Wahl von den meisten Parteien als wichtig erachtet, so auch von CDU/CSU und SPD:

Aufgrund der rasanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im gesamten Medienbereich ist es erforderlich, dass alle Generationen kompetent mit den gängigen Medien umgehen können. Kinder sollten bereits in der Schule fächerübergreifend Medienkompetenz erlernen (CDU/CSU, S. 107).

Medienkompetenz – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern alle Generationen – ermöglicht es, sich in einer von Medien durchdrungenen Welt zurechtzufinden. Ermöglicht und gefördert werden muss die „digitale Selbstständigkeit”, die jeden in die Lage versetzt, alle Möglichkeiten der „Digitalen Gesellschaft” möglichst selbstständig nutzen und sich vor damit verbundenen Risiken gut schützen zu können (SPD, S. 65).

Das Thema Medienkompetenz findet sich entsprechend auch im Koalitionsvertrag wieder und gilt hier als elementare Schlüsselkompetenz und grundlegende Voraussetzung für einen selbstbestimmten Umgang mit Medien und dem Internet. Medienkompetenz eröffne Chancen auf Teilhabe und sensibilisiere für Risiken im Umgang mit dem Netz (Koalitionsvertrag, S. 136). War die Auseinandersetzung mit dem Thema in den Wahlprogrammen noch eher allgemein gehalten, finden sich im Koalitionsvertrag detailliertere Umsetzungspläne. Bestehende Initiativen zur Vermittlung von Medienkompetenz bilden in der kommenden Legislaturperiode die Grundlage. Diese sollen nicht nur fortgesetzt, sondern auch evaluiert, ausgebaut und weiterentwickelt werden. Die Initiative „Ein Netz für Kinder“ soll weiterhin unterstützt und verbreitert werden, die „Nationale Initiative Printmedien“ soll Medienkompetenzvermittlung für Kinder und Jugendliche in den Blick nehmen. Die Koalitionsparteien befürworten zudem ein Modellprojekt zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr „digital“. Im Fokus der Medienkompetenz soll das Leitbild „digitale Selbstständigkeit“ stehen, welches bereits im SPD-Programm Erwähnung fand (Koalitionsvertrag, S. 141).

Die bisherigen Initiativen des Bundes sollen – unter Wahrung der Kompetenzen der Länder und in enger Abstimmung mit diesen – fortgesetzt und verstetigt werden (Koalitionsvertrag, S. 137).

Wir sehen die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz als zentrale Maßnahme für den Datenschutz und die Sicherheit im Internet für jede einzelne Nutzerin und jeden einzelnen Nutzer. Die bestehenden Programme zur Förderung von Medienkompetenz an Kitas und Schulen werden deshalb evaluiert und ausgebaut. Das Leitbild der „digitalen Selbstständigkeit“ rückt somit in den Fokus der Medienkompetenz (Koalitionsvertrag, S. 141).

Die Nutzung des Internets bietet sowohl Chancen auf Teilhabe als auch Risiken für die Nutzer. Die Koalitionsparteien sehen die Vermittlung von Medienkompetenz als zentrale Maßnahme für Datenschutz und Sicherheit im Internet an (Koalitionsvertrag, S. 141). Medienkompetenzvermittlung wird für alle Generationen als wichtig erachtet, der Fokus liegt im Koalitionsvertrag aber klar auf der Vermittlung von Medienkompetenz für junge Menschen.

Medienkompetenz ist eine elementare Schlüsselkompetenz in unserer digitalen Gesellschaft und grundlegende Voraussetzung für einen selbstbestimmten Umgang mit den Medien und dem Netz für alle Generationen (Koalitionsvertrag, S. 136).

Ein wichtiger Teil der Digitalisierungsstrategie ist es, die Medienkompetenz junger Menschen zu steigern, um sie zu einem sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet zu emanzipieren (Koalitionsvertrag, S. 141).

Ein weiterer Aspekt, der im Koalitionsvertrag gemeinsam mit der Vermittlung von Medienkompetenz behandelt wird, ist entsprechend der medienbezogene Jugendschutz.

Kinder und Jugendliche sollen die Chancen und Möglichkeiten, die ihnen das Internet bietet, optimal nutzen können, ohne mit für sie schädigenden Inhalten konfrontiert zu werden. Moderner Jugendmedienschutz muss Rahmenbedingungen für eine gemeinsam getragene Verantwortung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft schaffen. Im Dialog sind neue Instrumente für einen wirksamen Jugendmedienschutz zu entwickeln (Koalitionsvertrag, S. 137).

Der Koalitionsvertrag sieht die Entwicklung neuer Instrumente für einen wirksamen Jugendmedienschutz vor. Diese sollen im Dialog entwickelt werden; ein moderner Jugendmedienschutz soll Rahmenbedingungen für eine von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam getragene Verantwortung schaffen. Die Daten von Kindern und Jugendlichen müssten in sozialen Medien besonders geschützt werden. Eine Angleichung der gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Kindern unabhängig vom Verbreitungsweg der digitalen Medien, bei der man sich an bestehenden Jugendschutzstandards für Trägermedien orientieren soll, sei anzustreben. Regulierung, Anbieterverantwortung und Stärkung der Medienkompetenz werden in einer Gesamtstrategie zusammengefasst, welche die Beteiligten gemeinsam im Zentrum für Kinderschutz im Internet erarbeiten (Koalitionsvertrag, S. 137).

Aspekte der Bildung und Forschung waren im Wahlprogramm der CDU/CSU deutlicher beschrieben als im Programm der SPD.

Die Nutzung digitaler Medien an unseren Schulen muss mit der digitalen Entwicklung besser Schritt halten (CDU/CSU, S. 33). […] In einem gemeinsamen Pakt von Kommunen, Ländern und Bund wollen wir dafür sorgen, dass unsere Schulen auf der Höhe der Zeit ausgestattet sind. Dazu gehören zum Beispiel eine moderne Ausstattung mit Computertechnik, digitale Lernangebote und eine bessere Vernetzung der Schulen (CDU/CSU, S. 8). […] Deshalb wollen wir die Hochschulen auf dem Weg zu attraktiven und wettbewerbsfähigen Angeboten zum digitalen Lernen unterstützen (CDU/CSU, S. 37).

Wir wollen ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht. Wissenschaftliche Autorinnen und Autoren müssen ihre Beiträge neben der Verlagspublikation z. B. auf den Seiten der Hochschule zugänglich machen können. Wir treten außerdem für eine Überprüfung der Bildungs- und Wissenschaftsschranken ein, um die dauerhafte Intranetnutzung [sic!] in Schulen und Hochschulen zu ermöglichen (SPD, S. 64).

Der Koalitionsvertrag enthält in Bezug auf Bildung wenige „digitale“ Bezüge. So will man gemeinsam mit den Ländern und Akteuren aus allen Bildungsbereichen eine gemeinsame Strategie für „digitales Lernen“ entwickeln und umsetzen. Zudem soll die digitale Lehrmittelfreiheit durch ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht und eine umfassende Open-Access-Politik gestärkt werden (Koalitionsvertrag, S. 30). Der noch in beiden Versionen der UADA-Dokumente enthaltene Punkt, dass die Bundesregierung mit privaten Partnern ein Rahmenprogramm initiiert und Mittel dafür bereitstellt, dass jedem Schüler ein mobiles Endgerät zur Verfügung steht (UADA V2, S. 6), wurde nicht in den Koalitionsvertrag übernommen. Dies dürfte auf die fehlende Regelungskompetenz des Bundes im Bildungsbereich zurückzuführen sein. Eine solche Regelung wäre wohl nur in Kooperation mit den Ländern vorstellbar.

Im Bereich Wissenschaft/Forschung wollen die Koalitionsparteien eine Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft initiieren und virtuelle Forschungsumgebungen stärken, ohne hierzu jedoch nähere Angaben zur Umsetzung zu machen (Koalitionsvertrag, S. 28). Der Aufbau, der Ausbau und die koordinierte nationale, europäische und internationale Vernetzung von offenen Datenbanken, Repositorien und Open-Access-Zeitschriften der Forschungseinrichtungen und Hochschulen sollen im Rahmen eines eigenen Programms gefördert werden (Koalitionsvertrag, S. 141). Das noch in den UADA-Dokumenten geplante Modellprojekt zur Prüfung einer qualitativ hochwertigen und rechtefreien OER-Datenbank (UADA V2, S. 7) wird im Koalitionsvertrag hingegen nicht mehr erwähnt. Im Rahmen der Digitalisierung der klassischen Industrie will die Koalition den Wissenstransfer aus der Forschung in Mittelstand und Industrie mithilfe von Kompetenzzentren, Modellregionen und Pilotprojekten initiieren (Koalitionsvertrag, S. 139). Gezielte Initiativen und die Bereitstellung von Mitteln sollen Grundlagenforschung zu Internet und digitaler Gesellschaft stärken, verstetigen und institutionell fördern. Ein öffentlich gefördertes Internet-Institut soll als Ausgangspunkt für ein interdisziplinäres Kompetenznetz technische, wirtschaftliche, politische, rechtliche und ethische Aspekte des Internets thematisieren (Koalitionsvertrag, S. 141). Im Bereich der Forschung zu Big Data wollen die Koalitionsparteien Kompetenzzentren einrichten und disziplinübergreifend strategische Anwendungsprojekte ins Leben rufen. Die Forschungs- und Innovationsförderung in diesem Bereich soll auf die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen der Datenanalyse ausgerichtet werden (Koalitionsvertrag, S. 140).